Früherer Student aus Finnland erinnert sich: So war Mainz in den 70ern

In den 70er-Jahren kam er als Medizinstudent nach Mainz und lernte hier seine Frau kennen: Der Finne Esa Halonen denkt noch gerne an seine Zeit in Mainz zurück.

Früherer Student aus Finnland erinnert sich: So war Mainz in den 70ern

Der Oberbürgermeister hieß Jockel Fuchs, am Kirschgarten parkten Autos und an Fastnacht gab es einen Riesen-Rummel am Rheinufer: In sieben Teilen hat Merkurist die 70er-Jahre in Mainz wieder aufleben lassen (zu Teil 7). Auch im finnischen Lempäälä (24.000 Einwohner) wurden die Artikel gelesen. Zumindest von einem: Esa Halonen (68).

Mittlerweile ist Halonens Zeit in Mainz schon mehr als 40 Jahre her. Im Jahr 1973 begann er an der Johannes Gutenberg-Universität sein Medizinstudium. „Ich war das erste Mal in Deutschland. Ich wollte Medizin studieren, aber es hätte in Finnland etwas länger gedauert, einen Studienplatz zu bekommen“, erzählt er gegenüber Merkurist. Bewerbungen hatte er an mehrere deutsche Universitäten geschickt, die Uni Mainz schickte als erste die Zulassung zum Studium. Schon Esas Großvater hatte in den 20ern in Deutschland Tiermedizin studiert, sein Ururgroßvater war ein Deutscher.

So kam Esa also nach Mainz – und war zufrieden mit der Wahl. „Mainz wirkte gleich am Anfang sehr gemütlich, nicht zu klein und nicht zu groß, schön am Rhein liegend.“ Er wohnte in dieser Zeit unter anderem am Sonnigen Hang in Marienborn. Im letzten Studienjahr, 1979, wohnte Halonen in Trier, wo er das praktische Jahr absolvierte.

Viele Kneipen kennengelernt

Zeit genug also, Mainz bestens kennenzulernen. „In Mainz mochte ich die Lebensfreude, das Studentenleben und die interessante Geschichte der Stadt“, sagt Halonen. Und: „Besonders die Fastnachtszeit war ein Erlebnis. Auch die Mainzer Johannisnacht und der Weihnachtsmarkt waren schöne Ereignisse.“

Und auch die Mainzer Kneipenszene hat Halonen in bester Erinnerung. „Am Wochenende war ich abends oft im Bluhm oder im Augustinerkeller, aber auch bei Doctor Flotte, Zum Goldstein, Brauhaus zur Sonne, im Winzerkeller oder im Musta Kissa.“ Letzteres hatte tatsächlich einen finnischen Namen („schwarze Katze“) und wurde ab 1981 als L’Arcade zur Kultkneipe.

Den finnischen Namen habe das Lokal zunächst gehabt, weil der erste Inhaber von einer Reise in Lahti inspiriert worden sei, so Halonen. Er erzählt: „Eine schöne Geschichte ist, dass ich im Musta Kissa in Mainz ganz zufällig einen alten finnischen Freund getroffen habe. Wir bemerkten erst im Gespräch, dass wir als Kinder im selben Hochhaus in Helsinki gewohnt hatten – und dann haben wir uns wieder erkannt. Mein Freund arbeitete damals als Vollzeitpraktikant in der Dresdner Bank in Mainz. Vor einigen Jahren haben wir zusammen in Mainz Fastnacht gefeiert.“

Mittlerweile heißt das ehemalige „Musta Kissa“ am Leichhof „August“. Außerdem zählt Halonen noch die Kneipe Südbahnhof auf, die es heute nicht mehr gibt. „Das Lokal öffnete um vier oder fünf Uhr morgens und wenn die anderen Lokale geschlossen hatten, ging ich gelegentlich mit meinen Freunden dorthin.“

Künftige Frau kennengelernt

Doch viel wichtiger als Kneipen und Mainzer Geschichte war Eila. Die Finnin studierte damals in Mainz Psychologie. „Wir haben uns zum ersten Mal 1974 in der Uni-Mensa getroffen. Eila ist mit ihrer Freundin zu dem Tisch gekommen, an dem ich saß.“ Eilas Freundin habe gewusst, dass Esa Finne ist. „Es gab keine finnische Community an sich, aber die Finnen waren recht oft zusammen in der Stadt“, erinnert er sich. Der Rest ist schnell erzählt: Esa und Eila heirateten später in Finnland und sind bis heute zusammen.

Nach seiner Studentenzeit besuchte Halonen Mainz noch etwa zehn Mal, zuletzt 2019. „Ich hatte auch in diesem Jahr vor, nach Mainz zu reisen, aber wegen der Corona-Lage ist es leider nicht gelungen.“ In Mainz habe er keine Freunde mehr, dafür aber in Bingen und Kronberg im Taunus.

Die Entwicklung von Mainz seit seiner Studienzeit sieht Halonen durchaus positiv. „Meiner Meinung nach gibt es jetzt viel mehr schöne Fußgängerzonen, gut restaurierte Häuser und viele neue Gebäude.“ Zwischen Marienborn und Bretzenheim sei damals ein großes Feld gewesen, nun ist es voll bebaut. Außerdem: „Manche Lokale gibt es nicht mehr, manche haben sich verändert, sind ‘feiner’ geworden, und viele neue sind entstanden.“

Nach dem Studium in Mainz absolvierte Halonen in Finnland seinen Wehrdienst und arbeitete als Arzt in einem Gesundheitszentrum. 1981 zog das Paar nach Höxter an der Weser. Dort arbeitete Halonen als Assistenzarzt. „Unsere beiden Kinder sind in Höxter geboren.“ 1984 ging es für die Familie zurück nach Finnland, wo Halonen als Arzt in verschiedenen Krankenhäusern arbeitete, die letzten zwölf Jahre als Chefarzt. „Seit vier Jahren bin ich Rentner.“

Über Merkurist verfolge er immer noch, was in Mainz passiert. Die 70er-Jahre-Serie habe ihn wieder an die Zeit von damals erinnert. „Mainz hat mir viel gegeben, ist mir lieb und ich habe Sehnsucht nach Mainz“, sagt Halonen. „Ich hoffe, dass ich und meine Frau die bald Möglichkeit haben, Mainz wieder zu besuchen.“

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