Gundula Gause: „Wir leben sehr gerne in Gonsenheim“

Seit 28 Jahren ist Gundula Gause als Co-Moderatorin im „heute-journal“ zu sehen. Schon während ihres Studiums in Mainz begann sie ihre Karriere als Moderatorin. Im Interview verrät sie, was Mainz für sie so besonders macht.

Gundula Gause: „Wir leben sehr gerne in Gonsenheim“

Auch wenn ZDF-Moderatorin Gundula Gause in Berlin geboren wurde, verbrachte sie doch den größten Teil ihres Lebens in Mainz. 1975 zog sie mit ihrer Familie in die Gutenbergstadt und machte 1984 ihr Abitur am Gymnasium Gonsenheim, das heute Otto-Schott-Gymnasium heißt. An der Sorbonne in Paris studierte sie Französisch und schließlich wieder in Mainz an der Johannes Gutenberg-Universität Politikwissenschaft, Geschichte und Publizistik.

Schon während ihres Studiums moderierte sie im Radio und im Fernsehen. Seit 1989 arbeitet sie beim ZDF und seit 1993 ist sie Co-Moderatorin im „heute-journal“ - und damit eine der bekanntesten Personen des deutschen Fernsehens. Im Merkurist-Interview erzählt sie, wie ihr Arbeitsalltag in der Corona-Pandemie aussieht, was sie an Mainz so schätzt und ob sie gerne noch einmal eine andere Sendung moderieren würde.

Hallo Frau Gause, wir führen dieses Interview gerade per Facetime. Sie sitzen zu Hause. Wie hat sich denn Ihr Arbeitsalltag durch die Home-Office-Situation verändert?

Der hat sich massiv verändert, aber ich muss sagen zum Positiven. Das ZDF hat ein hervorragendes Corona-Management im Haus installiert. Jeder, der seine Arbeit von zu Hause aus machen kann, arbeitet auch im Home Office, zudem haben wir unsere Arbeitsabläufe angepasst. Unsere große Konferenz um 14:30 Uhr findet per Videoschalte statt, die ZDF-Plattformen kann ich komplett von zu Hause aus nutzen und von dort auch meine Nachrichtentexte schreiben. Die Redaktionsarbeit auch vieler Kollegen findet in großen Teilen im Home Office statt. Für die eigentliche Sendung muss ich natürlich ins ZDF-Studio, auch der Feinschliff an der Sendung findet in der Redaktion statt. Aber auch dort sind wir jetzt viel weniger Leute: ich sitze allein in meinem Büro und bin auch dort fast nur über Mail, Teams oder Telefon mit den KollegInnen in Kontakt – und vor der Sendung schminke ich mich selbst…

Wir alle sind jetzt seit etwa einem Dreivierteljahr rund um die Uhr mit dem Thema Corona konfrontiert, Sie dazu noch beruflich sehr stark. Sind Sie von dem Thema Corona langsam genervt?

Genervt wäre der falsche Ausdruck. Aber wir alle spüren eine zunehmende Belastung. Die Pandemie zieht sich nun doch schon sehr lange und viele vermuten ja auch, dass es noch mindestens bis zum Spätsommer eine Vielzahl von Einschränkungen gibt. Aber ich bin eine „Marathon-Frau“. So versuche ich auch, in meinem Umfeld zum Durchhalten zu motivieren. Wir haben keine andere Möglichkeit. Jeder ist erst einmal selbst gefährdet, auch junge Leute können durch das Virus langfristige gesundheitliche Schäden erleiden, vulnerable und ältere Menschen sowieso. Und mittlerweile kennt auch jeder jemanden, der es selbst schon hatte. Das Virus ist eine unmittelbare Bedrohung. Wir sollten es weiter ernst nehmen. Klar, die Belastung nimmt zu.

„Es schmeckt jetzt besser im Hause Gause“

Viele Menschen entdecken seit Corona neue Hobbys. Ist es Ihnen da ähnlich ergangen?

Tatsächlich ist unsere Küche besser geworden (lacht). Es wird nicht mehr schnell irgendetwas gekocht. Wir machen uns jetzt einen Essensplan, gehen konzentriert einkaufen und lassen uns beim Kochen Zeit. Mich freut ganz besonders, dass auch mein Mann das Kochen für sich entdeckt hat. Es schmeckt jetzt einfach besser im Hause Gause.

Gibt es ein Lieblingsgericht, das Sie jetzt perfektioniert haben?

Salat. In jeder erdenklichen Form, auch mit unkonventionellen Zutaten.

„Auf jeden Fall wird Mainz die Fastnacht fehlen, so wie wir sie kennen und lieben.“

In etwa einem Monat steht in Mainz die Fastnacht an. Sie haben mal in einem Interview mit Merkurist gesagt, dass Sie es toll finden, welche Freude die Mainzer an der Fastnacht haben. Dieses Jahr wird das alles anders sein. Wie sehr wird die richtige Fastnacht fehlen?

Auf jeden Fall wird Mainz die Fastnacht fehlen, so wie wir sie kennen und lieben. Die Fastnacht lebt von der guten Stimmung in den engen Sälen und auf den Straßen. Jetzt ist alles anders. Das bedaure ich sehr für die Aktiven und leide mit ihnen. Als gebürtige Berlinerin freue ich mich unheimlich am Spaß der Fastnachter und an den politischen Büttenreden. Doch wir müssen jetzt vernünftig sein - die Pandemie ist ein globales Ereignis, da können wir als Mainzer nicht Party machen. Und das sehen die Kölner zum Beispiel ja auch nicht anders.

Immerhin hat Mainz seinen Teil dazu beigetragen, dass die Pandemie früher vorbei sein könnte: Das Unternehmen Biontech hat zusammen mit Pfizer als erstes einen Impfstoff auf den Markt gebracht.

Ja, das ist ein außerordentlicher Erfolg auch der Mainzer Wissenschaftslandschaft. Biontech, als Ausgründung der Johannes Gutenberg-Universität, ist natürlich ein Leuchtturm des Wissenschaftsstandorts Mainz. Es ist doch einfach fantastisch, dass Mainz somit weltweit Schlagzeilen macht! Dass Biontech einen solchen Erfolg hat, macht mich als Mainzerin schon stolz. Das Unternehmen forscht ja eigentlich eher im Bereich der Krebstherapie – und da kommt schon die nächste Revolution aus Mainz auf die Welt zu, - eine Erfolgsgeschichte sondergleichen. Von Mainz geht nach Johannes Gutenberg wieder eine weltumspannende „Revolution“ aus, - im Grunde geht hier wirklich die Post ab.

Sie sind zwar in Berlin geboren, aber mittlerweile schon echte Mainzerin…

… und bekennende Mainzerin…

… haben aber auch in Paris studiert. Was hat denn Mainz, was Paris nicht hat?

Weck, Worscht und Woi (lacht).

Und sonst?

Na, mit diesen drei „www“ meine ich diesen ganz eigenen Stimmungsmix aus der der Lage am Rhein, einer Stadtgeschichte, die von der Römerzeit bis zum 1000-jährigen Dom mit Bischofssitz viele Wegmarken setzt. Und Mainz ist die Stadt von Gutenberg, dem Erfinder des Buchdrucks, der vor 500 Jahren die Grundlage für die heutige Medienstadt gelegt hat. Mainz ist ein Hidden Champion. Aber man merkt der Stadt leider bis heute auch an, dass sie am Ende des Zweiten Weltkrieges stark zerstört wurde,- ein Schicksal, das sie mit vielen Städten teilt.

Gibt es denn in Mainz etwas, das Ihnen fehlt?

Eindeutig ja! Der Münsterplatz zum Beispiel tut immer noch stadtarchitektonisch weh. Da geschieht zwar schon einiges, aber es gibt trotzdem noch Gebäude und Verkehrsprobleme, die sicher weiter optimiert werden müssen. Grundsätzlich könnte Mainz immer noch mehr aus seiner Lage am Rhein machen und das Ufer den Mainzern zugänglicher machen. Ich finde beispielweise das Mainzer Rathaus von Arne Jacobsen als Bauwerk durchaus schön und erhaltenswert, aber es hat eine Front geschaffen hin zum Rheinufer. Die müsste man wieder aufbrechen.

„Es macht wirklich Spaß, in Gonsenheim zu leben“

Verbringen Sie denn viel Zeit in Ihrem Stadtteil Gonsenheim?

Ja! Wir leben in Gonsenheim und das sehr gerne. Wir genießen den Wald vor der Haustür, das ist ein echter Luxus. Es macht wirklich Spaß, in Gonsenheim zu leben. Auf der anderen Seite war ich coronabedingt schon lange nicht mehr in der Mainzer Innenstadt, was ich sehr bedaure. Ich vermisse Kunst, Kultur, den Markt oder Gottesdienste im Dom und der Christuskirche.

Sie sind seit 28 Jahren Co-Moderatorin des heute-journals. Welchen Arbeitstag werden Sie nie vergessen und warum?

Ganz klar: den 11.9.2001. Dieser Tag war ein Einschnitt für die ganze Welt und grausamer Beleg eines internationalen Terrorismus. Ich weiß noch, wie ich damals im ZDF meiner Redaktionsarbeit nachging und mir ein Kollege entgegenrannte und sagte: Da ist gerade ein Flugzeug in einen der Twin Tower gerast. Wir sind sofort auf Sendung gegangen, damals noch mit Steffen Seibert, und haben rund um die Uhr gesendet. Wir waren fassungslos.

Und gibt es auch ein positives Ereignis, das sie nie vergessen?

Ja, den Mauerfall 1989. Auch an dem Abend des 9.11. arbeitete ich im Sender auf dem Mainzer Lerchenberg. Und in Berlin war niemand zu erreichen. Es war ja eine heute nicht vorstellbare Zeit „vor der Digitalisierung“ ohne Handys, geschweige denn Smartphones… Ganz Berlin war auf den Straßen: auch Journalisten, Reporter, Redakteure, Kameraleute waren natürlich unterwegs. Trotz aller technischen Herausforderungen, haben wir am späten Abend selbstverständlich gesendet. Historisch war dieser 9.11.1989 – und ein großer Glücksmoment.

Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann noch einmal eine andere Sendung zu moderieren?

Als Nachrichtenfrau habe ich eine hohe Identifikation mit dem heute-journal und „verehre“ diese Magazinsendung gewissermaßen. Zugleich kann ich mir vieles vorstellen, gerade im Bereich Politik, Gesellschaft, Aktualität, Zeitgeschichte. Letztlich ist das eine Frage, die das ZDF beantworten wird.

Das Interview führten Peter Kroh und Ralf Keinath.

Merkurist ist wieder da. Ihr wollt mehr News aus Mainz und Umgebung? Dann folgt uns auf Facebook, Instagram und Twitter und ladet euch die Merkurist-App (für Android oder iPhone) herunter.

Logo