Brutaler Angriff im Bleichenviertel: „Er hätte mich töten können“

Eine Mainzerin machte einen brutalen Angriff auf sie publik. Das sagt die Polizei zu dem Fall.

Brutaler Angriff im Bleichenviertel: „Er hätte mich töten können“

Knapp zwei Monate ist es her, dass eine junge Frau in der Mainzer Zanggasse erst belästigt, dann bewusstlos geschlagen wurde. Sie meldete sich bei der Organisation „Catcalls of Mainz“, die den Fall anschließend in die Öffentlichkeit brachte. Sowohl die Betroffene als auch die Organisation zeigen sich schockiert: Denn die Frau befürchtet nun, selbst vom Täter angezeigt worden zu sein.

Gegenüber „Catcalls of Mainz“ erklärt die 24-jährige Frau, dass ein junger Mann sie nachts vor einer Bar erst als „Hure“ bezeichnet habe. Als sie ihm sagte, er solle das unterlassen, sei er ausgerastet: „Er kam mit erhobenen Händen auf mich zu und ich habe nur noch versucht, ihn mit durchgestrecktem Arm auf Abstand zu halten“, so die junge Frau. Doch der Mann habe angefangen, sie zu würgen, dann sein Bein um ihren Hals gelegt und sie so zu Boden gedrückt. Sie wurde bewusstlos. „Plötzlich war alles schwarz.“ Passanten hätten dann den Krankenwagen und die Polizei gerufen.

Wurde die gewürgte Frau selbst angezeigt?

Verletzungen hatte sie keine, „nur Halsschmerzen“. Sie habe aber „hohe psychische Schäden davongetragen“, die versuche sie nun mit psychologischer Betreuung zu bewältigen. Was sie aber schockiert habe: „Dass dieser heftigst gewalttätige Mensch mich auch angezeigt hat.“ Sie befürchte nun, das gleiche Verfahren zu bekommen wie er. „Er hätte mich töten können, wenn niemand da gewesen wäre und ich musste wegen seiner Anzeige in Schockstarre DNA-Proben abgeben, mir wurde Blut abgenommen, Fotos von mir gemacht, meine Fingerabdrücke wurden genommen“, so die Frau. Über eine Stunde habe sie anschließend auf dem Präsidium verbracht. Selbst anzeigen musste sie also den Mann jedoch nicht. „Als ich wieder zu mir kam, war die Polizei schon da. Es wurde direkt von der Staatsanwaltschaft Anzeige erstattet“, berichtet sie gegenüber Merkurist.

Die Mainzer Polizei erklärt auf Anfrage, dass es sich bei dem Fall um einen 26-Jährigen handelt, der in der besagten Nacht gegen 1 Uhr zunächst auf Verkehrsschildern herumgeklettert war. Dabei soll die Frau ihn mit einem Smartphone gefilmt haben. Daraufhin hätten sich die beiden gestritten. Den anschließenden Bericht der Frau bestätigt die Polizei: Der Mann habe sie beleidigt und dann „derart körperlich angegriffen, dass diese für kurze Zeit das Bewusstsein verlor“, erklärt ein Pressesprecher. Wie er weiter berichtet, sei der Beschuldigte zunächst geflüchtet, habe aber von der Funkstreife des Mainzer Altstadtreviers aufgegriffen und kontrolliert werden können.

Die Befürchtungen der Frau, dass der Mann sie angezeigt habe, entkräftet die Polizei jedoch. Dass sowohl vom Beschuldigten als auch von der Frau Blut abgenommen wurde als auch „erkennungsdienstliche Maßnahmen durchgeführt“ wurden, seien Standardmaßnahmen. Dadurch sollen „objektive Spuren im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens“ gesichert werden, damit der Sachverhalt „lückenlos aufgeklärt“ werden könne. Momentan würden noch die Spuren und die Aussagen aller Beteiligten ausgewertet. „Das dauert derzeit noch an und ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen“, so der Pressesprecher. Ermittelt werde also gegen den Beschuldigten, und zwar wegen „gefährlicher Körperverletzung“.

Hinweis:

Wenn ihr selbst von Belästigung betroffen seid, bekommt ihr vor allem beim Frauennotruf Mainz Unterstützung – auch anonym. Alle Kontaktmöglichkeiten findet ihr hier.

Logo