Emeritierter JGU-Professor spielt Corona-Gefahr herunter

Die Covid-19-Pandemie löst weltweit eine große Krise aus. Doch ein emeritierter Professor für Mikrobiologie an der Universität Mainz findet die Corona-Maßnahmen „sinnlos und selbstzerstörerisch“.

Emeritierter JGU-Professor spielt Corona-Gefahr herunter

Verschwörungstheorien, Fake News, Halbwahrheiten: Wie zu jedem großen Thema schwirren auch zum Coronavirus umstrittene Thesen durch das Internet. Umstritten ist auch ein Youtube-Video vom 19. März, das bereits mehr als 400.000 Aufrufe hat. Das Ungewöhnliche daran: Es stammt vom emeritierten Professor für Mikrobiologie an der Universität Mainz Sucharit Bhakdi. Seine These: Die Maßnahmen gegen das Coronavirus seien „sinnlos und selbstzerstörerisch“.

Die offiziellen Todesraten werden laut Bhakdi zu hoch angegeben. „Wenn ein Virus nicht allein tötet, sondern nur im Verbund mit anderen Krankheiten, dann darf man dem Virus nicht alleine die Schuld in die Schuhe schieben.“ Dass dies trotzdem gemacht werde, sei „gefährlich irreführend“. Demnach hätten 99,5 Prozent der Infizierten keine oder nur leichte Symptome. Selbst in Bhakdis „Horrorszenario“ gäbe es in Deutschland bei einer Million Corona-Infizierten „nur“ 3000 Tote in 100 Tagen – also 30 Tote pro Tag.

Die Maßnahmen der Regierungen hält Bhakdi deshalb nicht nur für sinnlos, sondern auch für „grotesk, überbordend und gefährlich“. Gerade für ältere Menschen sei es wichtig, soziale Kontakte zu pflegen, Sport zu treiben und Hobbys nachzugehen. „Das fällt jetzt alles weg.“ Dadurch würde die Lebenserwartung von Älteren verkürzt. Zudem seien die wirtschaftlichen Folgen für viele Menschen existenzgefährdend. Wenn die Gesellschaft die Corona-Maßnahmen akzeptiere, gleiche das einem „kollektiven Selbstmord“.

Robert-Koch-Institut und WHO haben ganz andere Werte

In einem Faktencheck zeigt das ZDF, dass sich Bhakdi mit seinen Behauptungen komplett gegen die vorherrschende wissenschaftliche Meinung stellt. So habe die Covid-19-Pandemie laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zahlreiche Eigenschaften, die sie deutlich gefährlicher mache als die gewöhnliche Grippe: eine höhere Ansteckungsrate, einen höheren Anteil schwerer Krankheitsverläufe und das komplette Fehlen eines Impfstoffes.

Zudem gibt das Robert-Koch-Instituts (RKI) an, dass rund 20 Prozent aller Erkrankungen schwer oder lebensbedrohlich verliefen. Die OECD kommt auch beim Thema Luftverschmutzung zu anderen Ergebnissen als Bhakdi. Der führt die hohen Todesraten in Nord-Italien und China nämlich auf die „horrende Luftverschmutzung“ zurück. „Italien ist das China Europas.“. Doch laut OECD starben 2017 in Deutschland pro eine Million Einwohner 450 Menschen an den Folgen von Luftverschmutzung. In Italien waren es 436, im ebenfalls stark vom Coronavirus betroffenen Spanien 289 Personen.

Außerdem: Bhakdi gibt in dem rund neunminütigen Video keinerlei Quellen an. Dementsprechend wird das Video laut ZDF vor allem geteilt von Verschwörungstheoretikern, Impfgegner-Gruppen – und vom Rapper Fler. (df)

Logo