Sozialer Brennpunkt oder hippes Viertel? So steht es um die „Elsa“ in Mainz

Wenn sie von der „Elsa“ hören, haben viele Mainzer Vorurteile gegenüber deren Bewohner. Einige sehen in dem Wohnkomplex ein Problem-Viertel. Doch ist es tatsächlich so oder eine falsche Vorstellung, die sich in den Gehirnen eingebrannt hat?

Sozialer Brennpunkt oder hippes Viertel? So steht es um die „Elsa“ in Mainz

Rund 5000 Menschen leben in der Hochhaussiedlung in der Elsa-Brändström-Straße in Mainz, kurz „Elsa“ genannt. Menschen aus mehr als 80 Nationen haben über die Jahre in dem riesigen Wohnkomplex, der der größte in ganz Rheinland-Pfalz ist, ein Zuhause gefunden. Doch der Ruf, den die Bewohner in dem Gonsenheimer Wohnviertel bei einigen Mainzern haben, ist eher schlecht.

Leser Sebastien jedenfalls sorgt sich um das Ansehen der „Elsa“ in der Öffentlichkeit. „Der Ruf der Elsa-Brändström-Straße ist immer noch so schlecht.“ Er selbst findet dies zwar „unbegründet“, fragt aber, warum dieser Ruf noch immer „in den Köpfen drin“ ist. Zuletzt war die „Elsa“ jedenfalls wegen Wohnungsbränden in den Schlagzeilen. So brannte es im Februar innerhalb von wenigen Tagen zweimal in der Siedlung. Vor allem richtig negativ in Erinnerung geblieben sein dürfte den Mainzern allerdings ein im Juni 2021 absichtlich gelegtes Feuer (wir berichteten). Damals hatte ein 46-Jähriger ein Appartment im 14. Stock in Brand gesetzt und dies später auch vor Gericht gestanden.

Doch längst nicht alle verbinden mit der „Elsa“ nur Negatives:

Dass die „Elsa“ in einem positiven Wandel begriffen ist, sieht jedenfalls die Gonsenheimer Ortsvorsteherin Sabine Flegel (CDU). Gegenüber Merkurist sagt sie, dass sich in letzten 15 Jahren viel getan habe vor Ort. Vor allem ein von ihr organisiertes Treffen mit Wohnungseigentümern, der Hausverwaltung und Anwohnern, das vor rund 15 Jahren vor Ort stattfand, habe viel bewegt. Damals sei es gelungen, viele Wohnungseigentümer zu überzeugen, selbst einzuziehen anstatt ihre Wohnungen zu vermieten. Nach und nach habe sich dann die Situation vor Ort verändert, auch junge Familien seien zugezogen. Auch der Ruf der Elsa sei besser geworden. „Für viele junge Leute ist es mittlerweile hip, in der Elsa zu wohnen“, sagt Flegel. Viele Wohnungen seien großzügig geschnitten und man habe einen sehr guten Ausblick über die Region.

Hippes Viertel oder schlechte Wohngegend?

Sicherlich gebe es hin und wieder einmal Konflikte vor Ort, aber das rechtfertige es nicht, von einem Problem-Viertel zu sprechen, auch wenn sich dies bei einigen in den Köpfen verankert habe. Unter den Bewohnern selbst sei in letzten Jahren auch ein echtes Gemeinschaftsgefühl entstanden. Vor allem der Stadtteiltreff habe dazu beigetragen, bei dem sich Bewohner aus den unterschiedlichsten Schichten ehrenamtlich engagieren und anderen helfen.

Ebenfalls viel Lob für den Stadtteiltreff hat der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) übrig. Auch er sieht eine positive Entwicklung bei der „Elsa“, weiß aber gleichzeitig auch um den (immer noch) schlechten Ruf. „Im Fall der ‘Elsa’ muss man sagen, dass die Kita und der Stadtteiltreff dort sensationelle Arbeit leisten. Dort versuchen die Menschen, Stärken herauszubilden, die wir nicht erkannt hätten“, sagt Ebling gegenüber Merkurist. Das seien die richtigen Ansätze.

Der Ruf der „Elsa“ sei aber „leider oft klebriger als die Wirklichkeit“. Das sollte man auch mal hinterfragen. „Wir sehen das auch bei Schulen und wenn man da fragt, woher der schlechte Ruf kommt, dann landet man oft in der Geschichte.“ Das habe mit der jetzigen Zeit dann nichts mehr zu tun, aber der schlechte Ruf bleibt eben, so Ebling. Das sei etwas sehr Gefährliches. „Einen schlechten Ruf kann man auch nicht einfach mal so abschütteln, mit einer Plakataktion oder ein bisschen Marketing.“ Das seien am Ende Prozesse, die länger laufen müssen. Die Menschen vor Ort müssten in ihrer Lebenswirklichkeit erfahren, dass es besser geworden ist, auch für sie ganz persönlich, erklärt Ebling. Die Stadt sei auch mit der Mainzer Wohnbau in der Elsa-Brändström-Straße vertreten und könne dadurch auch die Mieterstruktur beeinflussen. „Auch das kann stabilisierend wirken.“

„Guter Zusammenhalt unter Anwohnern“

Doch gibt es für die Kritiker der „Elsa“ nun Belege dafür, dass die Siedlung, die in den 70er-Jahren entstand, heute ein Problem-Viertel beziehungsweise ein sozialer Brennpunkt ist? Laut der Mainzer Polizei nicht. „Die Kriminalität in der Elsa-Brändström-Straße bewegt sich auf einem Level, der mit anderen Stadtteilen vergleichbar ist“, sagt Polizeisprecher Rinaldo Roberto gegenüber Merkurist. Weder gebe es hier häufiger Hilfenotrufe von Anwohnern noch fahre die Polizei entlang der Elsa verstärkt Streife.

Bestätigen kann dies auch Gastronomin Kathy Hein, deren „Kathy’s Treff“ quasi eine Institution an der „Elsa“ ist. Wie sie gegenüber Merkurist erzählt, wohne sie seitdem sie 14 ist in der Elsa. Gerüchte, wonach man sich früher dort nach 20 Uhr besser nicht mehr vor dem Haus habe aufhalten sollen, könne sie nicht bestätigen. „Das ist Quatsch, ich konnte mich hier immer frei bewegen.“ Vor Ort seien auch alle Gesellschaftsschichten vertreten. Auch viele Wohlhabende würden in der Elsa leben und mit allen gut auskommen. Generell sei es auch so, dass ein guter Zusammenhalt unter den Anwohnern besteht, sagt Hein. Lediglich während der Corona-Krise habe es zuletzt kleinere Probleme gegeben. So hätten sich Jugendliche auf der Straße getroffen, Alkohol getrunken und dann vereinzelt Passanten angepöbelt. Dies ändere jedoch nichts daran, dass die Elsa insgesamt ein sehr lebenswerter Ort sei.

Was auch immer man nun von der „Elsa“ halten möchte, verlieben in das Viertel und deren Bewohner kann man sich auf jeden Fall:

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