Einfamilienhäuser in Mainz: Warum die Preise explodieren

Bauen in Mainz ist teuer und für Haushalte mit durchschnittlichem Einkommen kaum erschwinglich. Warum das so ist und wie die Stadt Mainz neuen Wohnraum schaffen will.

Einfamilienhäuser in Mainz: Warum die Preise explodieren

Wohnraum in Mainz ist begehrt – und teuer. Seit längerer Zeit befindet sich Mainz auf der Rangliste der deutschen Städte mit den höchsten Mietpreisen und rangiert hinter Städten wie München, Stuttgart und Frankfurt auf einem der Spitzenplätze (wir berichteten).

Wer in Mainz nach Eigentum zum Wohnen sucht, hat es noch schwieriger. So fragt Merkurist-Leserin Anja in einem Snip: „Warum werden keine bezahlbaren Reihenhäuser/Doppelhaushälften in Mainz gebaut?“ Konkret meint sie damit „für Personen mit durchschnittlichem bis gutem Einkommen maximal 500.000.“

Hohe Baupreise

Doch warum ist Bauen in Mainz so teuer, liegt das an den Preissteigerungen bei den Rohstoffen? „Stahl, Beton, Holz alles Mangelware und superteuer. Mindestens 30% teurer so ein Bau gerade“, wirft eine Leserin ein. Tatsächlich, so teilte der Mainzer Bau-Fachhändler Köbig gegenüber Merkurist kürzlich mit, komme es immer wieder zu Ausfällen und damit verbunden zu Baustopps. So seien Importe aus verschiedenen Ländern aktuell schwer zu bekommen, es komme zu hohen Lieferzeiten und -kosten. Viele Baustoffhändler hätten daher zu kämpfen und müssten auch Kundenaufträge ablehnen. Von der Stadt Mainz ist zu erfahren, dass auch die hohen Bodenpreise ein maßgeblicher Grund für die hohen Baupreise in Mainz seien.

Ob Einfamilienhäuser in der Stadt überhaupt sinnvoll sind, löst eine Diskussion unter den Merkurist-Lesern aus: „Weil solche Häuser die reine Verschwendung von Platz sind. Mehrfamilienhäuser wären besser. Einfamilienhäuser können gerne noch deutlich teurer werden“, kontert etwa ein Leser. Tatsächlich sind in den vergangenen drei Jahren nur wenige Neubaugebiete im Stadtgebiet entstanden. Das größte, die Nino-Erné-Straße in Lerchenberg, umfasst 100 Einfamilienhäuser. Auf dem alten Druckereigelände an der Mombacher Straße sind 55 Häuser gebaut worden, am Elmerberg in Finthen 50, am Steinbruch in Weisenau 17.

Baugrund für Mainzer günstiger?

Seit Kurzem befindet sich im Foyer des Stadthauses in der Großen Bleiche das neue „Mainzer Stadtmodell“. Hier seien alle „Neubaugebiete und Wohnungsbaupotenziale abgebildet“, heißt es von Seiten der Stadt. „Die Stadt Mainz hat in den vergangenen Jahren vielfältige Anstrengungen beim Wohnungsneubau und bei der Schaffung beziehungsweise dem Erhalt von gefördertem Wohnraum unternommen“, erklärt Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) bei der Vorstellung des Modells.

„Die Stadt Mainz hat in den vergangenen Jahren vielfältige Anstrengungen beim Wohnungsneubau unternommen“ – Michael Ebling

Leser Hans appelliert an die Stadt Mainz, Grundstücke vergünstigt an Einwohner abzugeben – was wohl viele Gemeinden machen würden. „Grundsätzlich sind die Flächen der Stadt Mainz zu einem objektiv feststellbaren Wert zu vergeben,“ sagt ein Pressesprecher der Stadt Mainz zu diesem Vorschlag. Doch: „In besonders begründbaren Fällen könnte eine Reduzierung des Kaufpreises angedacht werden.“ Dass Grundstücke vergünstigt an Mainzer Einwohner vergeben werden, würde aber in Mainz „bisher nicht praktiziert“. Jedoch würde der Wohnort der Interessenten bei der Vergabe von Grundstücken berücksichtigt, etwa wenn bei einer Vielzahl von Bewerbungen entschieden werden müsse, wer das betroffene Grundstück erhalten soll.

Wie will die Stadt Wohnraum schaffen?

Einfamilienhäuser seien „aufgrund des Flächenbedarfs“ prinzipiell weniger geeignet, den Bedarf an Wohnraum in Mainz „in der Breite“ zu decken, teilt der Sprecher im Namen des Stadtplanungsamts auf Anfrage mit. Der Fokus liege daher im Geschosswohnungsbau – also bei Mehrfamilienhäusern. So werde in einem abgestuften Verfahren, das vom Rahmenplan über einen städtebaulichen Wettbewerb bis hin zu einem Bebauungsplan mit städtebaulichem Vertrag abläuft, in Mainz eine „angemessene und zeitgemäße Form des Wohnungsangebotes sichergestellt“. So würden etwa bei neuen Bauprojekten ein Anteil von einem Drittel sozial gefördertem Wohnraum durch städtebaulichen Vertrag vereinbart.

Festgeschrieben sind die Baupläne im Wohnungsmarktbericht der Stadt. Er gelte als Monitoring-Instrument, das Bedarfe und Angebote abgleiche, aus denen dann Handlungsempfehlungen abgeleitet werden könnten, vor allem für „Haushalte mit unterem bis mittlerem Einkommen“, heißt es dort. So sei der Wohnungsneubau in Mainz zwischen 2011 und 2018 massiv angekurbelt worden. In diesem Zeitraum seien mehr als 6500 neue Wohnungen entstanden. Zwischen 2019 und 2025 sollen nun weitere 5500 entstehen, etwa im Heiligkreuzviertel, der GFZ-Kaserne, der Frankenhöhe und dem Medienberg – teils riesige Potenzialflächen für weitere, auch geförderte, Wohnungen, die in den kommenden zehn Jahren genutzt werden sollen.

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