Fahrradständer in Mainz: Wohin mit dem Rad zuhause?

Große Wohnhäuser haben nicht genügend Abstellplätze für Fahrräder, kritisieren einige Merkurist-Leser. Dort vergammeln die Räder nur, sagen andere. Was gilt in Mainz, welches Konzept haben die Vermieter? Wir haben nachgefragt.

Fahrradständer in Mainz: Wohin mit dem Rad zuhause?

Parkraum für Pkw in Mainz ist knapp, die Stadt will das Fahrradfahren fördern, damit die Luft in der Stadt sauberer wird. Doch wohin mit dem Fahrrad, wenn man zuhause ankommt? Vor allem große Häuser mit vielen Wohneinheiten brauchen eine große Zahl an Abstellplätzen für Fahrräder, um den radelnden Bewohnern einen sicheren Platz für ihr Zweirad zu bieten. Doch kümmern sich die großen Wohnungsbraugesellschaften überhaupt darum? Merkurist-Leser Frederik hat nicht den Eindruck:

„Warum besitzen viele Mietshäuser der großen Wohnungsbaugesellschaften in der Mainzer Neustadt keine Fahrradständer?“ fragt er daher in einem Snip. Einige andere Leser vermuten, dass die „Fahrradständer für Müllräder, die kein Mensch braucht, verwendet werden und keiner die Schrotthaufen entsorgt“. Doch was sagen die Vermieter selbst dazu? Müssen sie Regelungen dahingehend befolgen oder haben sich selbst Verpflichtungen auferlegt? Wir haben bei den großen Vermietern in Mainz nachgefragt.

Wohnbau Mainz

„In Mainz gibt es für Neubauprojekte seit einigen Jahren eine Stellplatzsatzung für Fahrräder, dementsprechend berechnen sich die Fahrradstellplätze“, erklärt Claudia Giese, Pressesprecherin der Wohnbau Mainz. Doch bereits bevor diese Satzung galt, hätte die Wohnungsbaugesellschaft in vielen ihrer Quartiere freiwillig Abstellflächen für Fahrräder eingerichtet – entweder vor den Gebäuden, dahinter oder in den Innenhöfen.

In manchen Wohnanlagen könnten zudem eigens ausgewiesene Räume in den Kellern zum Abstellen der Fahrräder genutzt werden. „Das ist vielen Mieter:innen wichtig, weil manche Fahrräder recht wertvoll sind und dann weder der Witterung noch möglichem Vandalismus ausgesetzt sind“, so Giese.

Dass Fahrräder auch einfach abgestellt und dann „vergessen“ und nicht mehr genutzt werden, sei tatsächlich ein Problem: „Denn so können die Abstellplätze nicht von denjenigen genutzt werden, die tatsächlich einen Fahrradstellplatz brauchen“, erklärt Giese. Viele Räder würden zudem über Wochen, manchmal Monate, „vor sich hingammeln“, bis sie gar nicht mehr zu nutzen seien. Es würde zwar regelmäßig von Seiten der Wohnbau darauf hingewiesen, doch viele scheinen sich nicht mehr für ihr Rad zu interessieren, was „schade und leider gar nicht nachhaltig ist“, so Giese. „Es wäre gut, wenn die Besitzer:innen solcher Fahrräder die Verantwortung für ihre Räder wieder übernehmen.“

Vonovia

„Als Unternehmen haben wir nachhaltige, umweltfreundliche Aspekte immer im Blick“, ist von Bettina Benner, Pressesprecherin der Vonovia mit Sitz in Bochum zu erfahren. „Wir versuchen auch, mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, das Fahrradfahren für unsere Kundinnen und Kunden attraktiv zu machen.“

Vonovia stelle Fahrradabstellplätze vorzugsweise im Keller zur Verfügung. „Ist dies nicht möglich oder registrieren wir einen erhöhten Bedarf, werden auch Fahrradabstellplätze in den Innenhöfen beziehungsweise auf dem Grundstück vorgehalten“, so Benner. Oft würden die Bewohner in dem Fall den jeweiligen „Objektbetreuer“ selbst darauf hinweisen, wenn mehr Plätze notwendig seien. Dann würde geprüft, welche Optionen für das Gebäude in Frage kämen.

Die Auflagen dafür, ob und wie viele Fahrradabstellplätze jeweils vorgehalten werden müssen, ergeben sich laut Benner aus der jeweils erteilten Baugenehmigung. Allerdings würden diese gerade bei älteren Gebäuden nicht den heutigen Anforderungen gerecht. „Wir handeln daher bedarfsorientiert.“

Studierendenwerk

1600 Fahrradabstellplätze für 4000 Bewohner in den Mainzer Studierendenwohnheimen – das Studierendenwerk ist laut eigenen Aussagen besonders bemüht, genügend Plätze für die radelnden Bewohner zur Verfügung zu stellen. An keinem einzigen Wohnheim fehlten Abstellmöglichkeiten für Fahrräder: „Die Hälfte unserer Wohnheime verfügt über Fahrradkeller, andere über Fahrradboxen und -käfige, fast alle haben zusätzlich eine große Anzahl Fahrradständer auf dem Grundstück“, sagt der Pressesprecher Thomas Kohn-Ade. Wo möglich, seien überdachte Stellplätze eingerichtet worden.

Zudem gebe es in jedem Wohnheim auch die Möglichkeit, die Räder selbst zu warten. Die Fahrrad-Reparaturstationen seien mit allen nötigen Werkzeugen, Pumpen mit Ventiladaptern und Vielem mehr ausgestattet, „um kleinere Reparaturen selbst durchzuführen und zum Beispiel einen Reifen aufzupumpen und zu wechseln oder Bremsen zu justieren“, so Kohn-Ade. Die Idee dazu sei damals dem Hausvertretungs-Team (HV) des Wohnheims Wallstraße gekommen.

Eine besonderen Regelungen für Wohnheime, die eine bestimmte Ausstattung etwa mit Fahrradständern vorschreibe, gebe es zwar nicht. „Allerdings gibt es eine festgelegte Bedarfsberechnung im Baurecht, die bestimmt, wie viele Auto- und Fahrradstellplätze für die jeweiligen Gebäude zur Verfügung gestellt werden müssen“, erklärt der Pressesprecher des Studierendenwerks. „Diese haben wir in Abstimmung mit und nach den Anforderungen der Stadt Mainz für alle Wohnheime umgesetzt.“

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