Warum gibt es immer weniger Marktstände?

Der Mainzer Wochenmarkt: Jede Woche stehen auf den Domplätzen etliche Stände von Anbietern regionaler und überregionaler Produkte. Doch die Anzahl der Marktstände scheint abzunehmen - was ist los?

Warum gibt es immer weniger Marktstände?

Der Mainzer Wochenmarkt gehört zu den ältesten in ganz Deutschland. Dreimal wöchentlich können Mainzer hier regionale und überregionale Produkte kaufen. Doch die Anzahl der Stände scheint abzunehmen, wie Merkurist-Leserin Roswitha meint. In ihrem Snip fragt sie: „Trügt das Gefühl oder werden es wirklich immer weniger Anbieter auf dem Wochenmarkt? Merkurist hat bei Standbetreibern nachgefragt.

Kaum Nachwuchs

„Ein paar große Stände sind weggefallen“, sagt Michaela Kolde, eine Anbieterin aus Finthen für regionales und überregionales Obst und Gemüse. Zudem seien die Stände neu angeordnet worden, um Fluchtwege zu schaffen. Das trage zu dem Eindruck bei, dass es weniger werde. „Mehr Anbieter brauchen wir nicht. Man müsste die Stände nur anders verteilen, damit es anders und nicht mehr so lückenhaft wirkt.“

Dennoch hätten viele Betreiber aus Altersgründen ihre Stände aufgegeben. Zudem bliebe heutzutage meist ein Generationenwechsel aus, so Kolde. Es gebe keinen Nachwuchs, der diese Arbeit machen wolle. Sie selbst betreibt ihren Marktstand in der vierten Generation und hat ihn vor 35 Jahren von ihrer Mutter übernommen. Ihr Sohn sei Student - daher gebe es auch bei ihr keine Aussicht auf Übernahme, sagt Kolde.

Dumpingpreise, Rosinenpicker und Saisonstände

Ein weiterer Grund für die gesunkene Anbieterzahl sei, dass das Marktgeschäft immer schwieriger werde, so ein anderer Standbetreiber, der namentlich nicht genannt werden möchte. Viele Anbieter würden ihre Waren in großen Mengen auf dem Großmarkt kaufen und dann zu „Dumpingpreisen“ auf dem Wochenmarkt anbieten. Das mache den alteingesessenen Anbietern regionaler, hochwertiger Produkte die Preise kaputt. Sie könnten so nicht mehr konkurrenzfähig bleiben und verdienen dadurch weniger, sagt der Standbetreiber.

„Das sind die Rosinenpicker, die nur zur Hauptsaison kommen“, sagt Marktfrau Michaele Kolde. „Die tauchen um die Osterzeit auf und sind im September wieder weg. Sie reißen die Preise runter.“ Ein weiterer Grund für das schlechtere Geschäft seien die sogenannten Saisonstände, so Kolde. „Die gibt es flächendeckend rund um Mainz, sieben Tage die Woche. Das macht schon was aus.“ In der Saison dürfen die Erzeuger selbst ihre Produkte von ihren Höfen aus oder von Ständen in der Stadt verkaufen.

Marktfrühstück und Parkgebühren

Auch das wöchentliche Mainzer Marktfrühstück scheint ein Problem zu sein. „Wenn Marktfrühstück ist, sind zwar viele Leute in der Stadt, aber die kommen nicht zum Einkaufen zu uns. Die wollen nur zum Marktfrühstück“, erzählt Kolde. Der Markt sehe dann zwar gut besucht aus, aber keiner kaufe etwas an den Ständen. „Viele ältere Kunden kommen dann nicht mehr, weil so viel Betrieb ist. Das haben sie mir sogar gesagt.“ Dadurch hätten auch viele Anbieter Stammkunden verloren.

Negativ bewertet Kolde auch die Auswirkungen der hohen Parkgebühren. „Die Parkplatzsituation ist ganz schlimm. Die Anlieger parken in der Stadt und die Marktbesucher müssen dann horrende Parkgebühren zahlen. Daher kommen auch weniger Leute“, so Kolde. „Selbst für die Marktbetreiber wird keine Ausnahme gemacht. Es gibt keine Parkplatzreservierung und wir müssen dann sehen, wie wir die Ware auf unseren Standplatz bringen. Und so geht das das ganze Jahr über!“

Auf Anfrage von Merkurist hat sich Stadtsprecher Ralf Peterhanwahr zu der Parksituation in Mainz geäußert: „Es gibt keine gebührenfreien Parkplätze - aber es gibt günstige Parkplätze für die Standbetreiber bei der Parken in Mainz GmbH (PMG) für rund 300 Euro im Jahr.“ Die Stadt könne ihnen leider nicht entgegenkommen. Die PMG betreibe die Parkflächen und Parkhäuser in der Stadt und deshalb sei sie der Ansprechpartner. Parkplatzreservierungen durch die Stadt seien daher nicht möglich. Regelmäßige Parkkontrollen durch das Verkehrsüberwachungsamt seien üblich. „Es gelten die Straßenverkehrsordnung und die ausgeschilderten Parkbedingungen. Diese kann man an Markttagen nicht ‘aussetzen’, das wäre juristisch nicht haltbar“, so Peterhanwahr. (mm/df)

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