Matz: „Ich frage mich schon, ob das Zentrenkonzept noch das richtige Instrument ist“

Braucht Mainz noch das Zentrenkonzept? Und könnten Decathlon und Globus doch noch nach Mainz kommen? Darüber hat Merkurist mit Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz gesprochen.

Matz: „Ich frage mich schon, ob das Zentrenkonzept noch das richtige Instrument ist“

In Mainz ist es in den vergangenen Jahren fast zum Unwort geworden: das „Zentrenkonzept“. Denn an dem Konzept, das verhindern soll, dass die Mainzer Innenstadt „ausblutet“, scheiterte unter anderem die Ansiedlung von „Decathlon“ und „Globus“ in der Mainzer Peripherie. Doch was sagt die Mainzer Wirtschaftsdezernentin zum Zentrenkonzept?

Seit Dezember 2018 ist sie im Amt, schon früh hatte sie angekündigt, das Zentrenkonzept auf den Prüfstand zu stellen. Im Merkurist-Interview erzählt Manuela Matz, ob das Konzept noch zeitgemäß ist und welche Einzelhandelssegmente in Mainz zu kurz kommen.

Frau Matz, über das Zentrenkonzept wird viel gesprochen, doch kaum jemand scheint zu wissen, was wirklich dahintersteckt. Können Sie das Zentrenkonzept in fünf Sätzen erklären?

Matz: Das ist gar nicht so einfach (lacht). Da muss ich dann doch ein bisschen weiter ausholen: Wir haben zunächst einmal die Vorgaben aus dem Landesrecht. Demnach dürfen sogenannte zentrenrelevante Sortimente nicht in Außenbereichen angesiedelt werden. Da gibt es vom Land auch eine entsprechende Liste, die im Grunde 1:1 im Kommunalrecht verankert wurde. Diese Produkte dürfen in größerem Umfang nur in bestimmten Bereichen verkauft werden, in der Mainzer Innenstadt, aber auch in Stadtteilzentren wie der Boppstraße in der Neustadt oder der Breiten Straße in Gonsenheim. Dazu gibt es noch weitere Quartierszentren in den Stadtteilen. In sogenannten Ergänzungsstandorten wie „Möbel Martin“ in Hechtsheim sind nur bestimmte Produkte zugelassen, in diesem Fall eben Möbel. Es gibt immer wieder Anpassungen des Zentrenkonzepts, sodass jetzt beispielsweise ein Fahrradladen in Hechtsheim eröffnen kann.

„Die Stadt ist da also nicht frei in ihrer Entscheidung.“ - Manuela Matz

Am Zentrenkonzept gescheitert ist beispielsweise eine Ansiedlung von „Decathlon“.

Genau. Weil Sportartikel zentrenrelevant sind. Dasselbe gilt beispielsweise für Lebensmittel, die nur in den ausgewiesenen Nahversorgungszentren verkauft werden dürfen, beispielsweise im „Scheck-In-Center“ in Weisenau.

Was muss passieren, um eine Ausnahme zu bekommen?

Wenn wir vom Landesgesetz abweichen wollen, müssen wir ein entsprechendes Abweichungsverfahren bei der SGD Süd einreichen. Das wurde auch bei „Decathlon“ versucht – war aber nicht erfolgreich. Die Stadt ist da also nicht frei in ihrer Entscheidung. Man braucht da gute Gründe für eine Abweichung.

Und wenn es nochmal konkret wird, etwa bei Decathlon oder Globus, würden Sie sich für eine Ansiedlung stark machen?

Ja. Wir haben im vergangenen Jahr eine Struktur- und Potenzialanalyse über den Einzelhandel in Mainz in Auftrag gegeben. Die Zahlen sind jetzt da. Was die Verkaufsflächen angeht, schneiden wir eher unterdurchschnittlich im Vergleich mit anderen Städten ab – auch gegenüber Wiesbaden. Was den Lebensmittel-Einzelhandel angeht, haben wir momentan die unsichere Situation von Real, da müssen wir schauen, wie sich das entwickelt. Das wäre auch ein guter Standort zum Beispiel für einen Globus – ohne Zentrenkonzept-Problematik.

„Ob aber Decathlon überhaupt noch nach Mainz will? Daran habe ich gewisse Zweifel“ - Manuela Matz

Und „Decathlon“?

Die Analyse zeigt klar, dass es bei Sportartikeln in Mainz noch Luft nach oben gibt. Ob aber „Decathlon“ überhaupt noch nach Mainz will? Daran habe ich gewisse Zweifel.

Wie ist denn die Rückmeldung der Einzelhändler zum Zentrenkonzept?

Mittlerweile ist vielen Einzelhändlern klar geworden, dass es nicht um die Konkurrenz auf der grünen Wiese geht, sondern darum, wie man sich gegenüber dem Online-Handel aufstellt. Etwa, in dem man den Service verbessert. Und das passiert auch in Mainz: Viele Händler sind mittlerweile zweigleisig unterwegs, man hat den stationären Handel, bedient aber auch die Online-Kundschaft. Immer mehr Geschäfte schaffen es auch, ihren Kunden ein besonderes Einkaufserlebnis zu bieten.

Das Zentrenkonzept wird oft sehr kritisch gesehen. Würden Sie dennoch sagen, dass es gut ist für Mainz?

Es ist auf jeden Fall eine Möglichkeit, das Angebot an Sortimenten zu steuern. Aber ich frage mich schon, ob es noch das richtige Instrument ist. Es war ja ursprünglich dazu gedacht, die großen Discounter und Einzelhändler auf der grünen Wiese zu verhindern – und damit auch das Ausbluten der Innenstadt. Die größere Herausforderung ist aber mittlerweile der Online-Handel. Was jetzt zählt, ist die Attraktivität der Innenstadt zu erhöhen, Stichworte: Einkaufserlebnis, Gastronomie, Events. In der Breite brauchen wir auch ein gutes Einzelhandelsangebot. Wenn die Leute nicht die Sportschuhe bekommen, die sie haben wollen, fahren sie woanders hin. Mittlerweile haben fast alle Sportgeschäfte in der Innenstadt geschlossen – trotz Zentrenkonzept.

Das Interview führten Michael Meister und Ralf Keinath. (mm/df)

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