Weinlese 2021: Hat das Wetter die Trauben zerstört?

Klimatisch unterschied sich dieses Jahr sehr von den vergangenen Jahren. Der Sommer war kühl und verregnet, die Sonnentage rar. Die Weinlese startete Wochen später und war sehr behutsam. Wir haben einige Winzer gefragt, wie es lief.

Weinlese 2021: Hat das Wetter die Trauben zerstört?

Drei Wochen später als im vergangenen Jahr war die Weinlese von Weingut Stenner in Hechtsheim beendet. „Wir haben fünf Wochen lang die Trauben geerntet, einige Tage länger als 2020“, berichtet Malenka Stenner. Die Lese sei sehr ausgewählt von statten gegangen. „Die Trauben waren unterschiedlich reif, sodass wir sehr gezielt und bedacht geerntet haben.“

Und dann setzte der Regen ein, mitten in der Weinlese. Die Trauben fingen an zu faulen, Stenners mussten viel aussortieren. „In den letzten Jahren hatten wir hauptsächlich bildschöne Trauben, so ist das Ernten natürlich einfacher“, so Malenka Stenner. Insgesamt enthielten die Trauben weniger Zucker, achten mussten die Winzer vor allem auf die Säure und eine gute physiologische Reife, also etwa auch auf die Färbung der Beerenhaut und den Reifezustand der Traubenkerne.

Lese sehr anspruchsvoll

Auch Eva Vollmer hat erst am 20. September mit der Weinlese in ihren Ebersheimer Weinbergen begonnen, die dann etwa vier Wochen lang dauerte. „Die Lese gestaltete sich sehr anspruchsvoll, es war ja ein Jahr der Feuchtigkeit“, berichtet Vollmer. Da sie ökologischen Weinbau betreibt, müsse sie besonders aufpassen: „Die Pilze haben sich natürlich wahnsinnig gefreut in diesem Jahr.“ Vor allem die Peronospora habe „zugeschlagen“ und eingetrocknete Trauben produziert, die vor allem beim Rotwein aussortiert wurden – in der Handlese ein sehr mühsames Unterfangen. Daneben hatten echter und falscher Mehltau die Pflanzen befallen.

Dass die Weinlese nach dem „Cool-Climate-Sommer“ etwa zwei Wochen später als in den vergangenen Jahren startete, sei „keine Überraschung“, ist von Seiten der Rheinhessen-Touristik GmbH zu erfahren. Dann mussten vor allem die roten Trauben sehr schnell geerntet werden, da sich die Kirschessigfliege breit machte. Bei den später reifenden Sorten mussten viele Winzer „wieder auf die Bremse“ treten – ein Balanceakt zwischen Traubenreife und Traubengesundheit. Anfang Oktober hatte die Lese der Burgundersorten begonnen, dann kamen die ersten Rieslingtrauben an die Reihe. „Beim Spätburgunder war leider oft nur noch eine Rosé-Bereitung möglich, da die Beerenhäute innerhalb von nur wenigen Tagen stark von Botrytis befallen wurden“, heißt es bei Rheinhessen-Touristik. Daher werde die Rotweinmenge dieses Jahr insgesamt etwas kleiner ausfallen.

Mehr Krankheiten in den Reben, weniger Erträge

Auch Familie Stenner hatte wegen des verregneten Sommers mit mehr Krankheiten in den Reben zu kämpfen. „Wie jeder Winzer hatten wir Probleme mit der Pilzkrankheit Peronospora, die sich bei der diesjährigen Witterung sehr viel verbreitet hat“, berichtet Malenka Stenner. „Einen Totalausfall hatten wir nicht, doch es gibt mehr Ausfall im Weinberg und die Erntemenge ist reduziert.“ Betroffen waren vor allem die Scheurebe und die Burgundersorten, von der Kirschessigfliege befallen waren Portugieser und Dornfelder.

„Teilweise waren die Reben so stark befallen, dass etwa bei der Scheurebe nix mehr zu holen war.“ – Eva Vollmer

Noch schlimmer sah es bei Eva Vollmer aus: „Teilweise waren die Reben so stark befallen, dass etwa bei der Scheurebe nix mehr zu holen war. Das war besonders schmerzhaft.“ Die wenigen verbliebenen Trauben habe sie „wie ein rohes Ei behandelt“, stattdessen den Müller-Turgau ausgebaut. Ihre Erträge: entsprechend niedrig, im Vergleich zu den vergangenen Jahrgängen haben sie sich mindestens um die Hälfte reduziert.

„Die Weine werden mehr Frische und Eleganz haben“ – Malenka Stenner

Doch das Klima hatte auch Vorteile: „Der Most war stabiler, da die Säure höher war. Somit mussten wir keine Säure dieses Jahr hinzugeben, dies war 2020 durchgehend der Fall“, erzählt Malenka Stenner. „Die Weine werden mehr Frische und Eleganz haben, die Qualität wieder gut. Wir werden leckere Tropfen zu trinken haben.“

Bei Eva Vollmer wird es „Cool Climate Riesling geben“, mit frischer Säure. Es sei prinzipiell mehr „Pep“ im Wein, die Qualität des Ortsweins sei „ordentlich“. Wegen des Regens bleiben bei den hochwertigen Lageweinen, so vermutet Vollmer, jedoch nur wenige Pflanzen übrig, die „grandios“ sind.

Die Säurewerte wirken sich prinzipiell auf den Weingeschmack aus, vermeldet auch Rheinhessen-Touristik. „Bei den Weißweinen sorgen die moderaten Oechslegrade und die kräftigen Weinsäurewerte auf jeden Fall für frische, fruchtige Weine mit gutem Lagerpotential.“

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