Was passiert mit abgelaufenen Produkten in Mainzer Discounter-Märkten?

Bei Discountern spielt vor allem der Preis eine große Rolle. Doch wie wichtig ist den Mainzer Discounter-Märkten die Nachhaltigkeit? Was passiert mit deren Produkten, deren Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) erreicht oder überschritten ist?

Was passiert mit abgelaufenen Produkten in Mainzer Discounter-Märkten?

Zuletzt berichtete Merkurist darüber, was Mainzer Großsupermärkte mit ihren abgelaufenen Produkten machen. Die befragten Unternehmen sind um ein minimales Abfallaufkommen bemüht und kooperieren mit örtlichen Hilfsorganisationen. Doch wie sieht das bei den Mainzer Discountern aus?

Lidl

„Als Discounter ist es in unserem eigenen Interesse, Ressourcen nachhaltig zu nutzen, um effizient zu wirtschaften“, sagt Lidl-Pressesprecherin Isabel Lehmann. So seien System-Optimierungen und nachhaltige Innovationen seit vielen Jahren wichtige Arbeitspunkte für Lidl. Ein effizientes Warenwirtschaftssystem und das Lidl-Frischekonzept tragen dazu bei, das Abfallaufkommen gering zu halten. „Filial-Mitarbeiter prüfen täglich und systematisch die Haltbarkeitsdaten der Lebensmittel“, so Lehmann. Erreicht ein Produkt seine so genannte „Produktrestlaufzeit“ wird dieses zu einem reduzierten Preis angeboten.

„Die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung hat bei Lidl Deutschland einen hohen Stellenwert und ist wichtiger Teil unseres Nachhaltigkeitsengagements.“ - Isabel Lehmann, Pressesprecherin

„Die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung hat einen hohen Stellenwert und ist wichtiger Teil unseres Nachhaltigkeitsengagements“, sagt Lehmann. So seien bundesweit 39 der Lidl-Regionalgesellschaften mit den örtlichen Tafeln in Kooperation, die fast täglich nicht verkaufte, aber noch verzehrfähige Ware abholen. Beschädigte oder verdorbene Lebensmittel werden nicht gespendet, sondern zur Herstellung von Bio-Methan in Biogasanlagen transportiert oder in öffentlich unzugängliche Mülltonnen entsorgt.

Darüber hinaus ist Lidl Deutschland Mitglied der Initiative „Save Food“, durch die der Konzern öffentlich deutlicher auf das Problem der Lebensmittelverschwendung hinweisen und den bewussten Einsatz von Essen unterstützen möchte.

„Penny“

„Penny“ verfolgt als Tochterunternehmen der Rewe Group ähnliche Ziele wie die Rewe-Märkte. Pressesprecher Andreas Krämer zufolge werden bis zu 99 Prozent ihrer Lebensmittel verkauft und der Großteil des verbleibenden Prozents an über 940 Tafel-Initiativen bundesweit gespendet. Lebensmittel, die nicht an die Tafeln abgegeben werden können – weil sie verdorben oder verschmutzt sind oder ein Verbrauchsdatum haben – müssen sachgerecht entsorgt werden. Durch den Gebrauch moderner Technik und regelmäßiger Schulungen der Mitarbeiter sei schon jetzt eine „sehr gute und bedarfsgerechte“ Versorgung der Märkte möglich, so Krämer. Kurze Transportwege zwischen Lager und Markt, eine lückenlose Kühlung sowie eine tägliche Kontrolle der MHD von Marktwaren reduzieren die Verlustquoten auf ein Minimum.

Seit April 2016 vermarktet „Penny“ zudem unter der Eigenmarke „Naturgut Bio-Helden“ Bio-Obst und -Gemüse mit kleinen Schönheitsfehlern, um auf eine stärkere Wertschätzung von Lebensmitteln aufmerksam zu machen. Molkereiprodukte der Eigenmarke und Produkte mit kurzer Haltbarkeit werden mit dem Aufdruck „Kostbares retten“ nahe dem MHD-Aufdruck versehen. „Vielen Kunden ist oftmals nicht bewusst, dass das MHD nicht bedeutet, dass ein Produkt einen Tag später nicht mehr genießbar ist“, so Krämer. Der Hinweis soll PENNY-Kunden dafür sensibilisieren.

Im April 2019 wurde der Discounter für seine „Naturgut Bio-Helden“ und die Kampagne „Kostbares Retten“ mit dem „Zu gut für die Tonne!“ Bundespreis ausgezeichnet.

Aldi Süd

Auch bei Aldi Süd ist ein effizientes Warenwirtschaftssystem das A und O. „Durch tagesgenaue Bestellungen in jeder einzelnen Filiale sorgen wir dafür, dass die Waren jederzeit frisch und ausreichend verfügbar sind“, so Pressesprecher Tobias Neuhaus. Die trotz sorgfältiger Planung überschüssige Ware biete Aldi Süd zu einem reduzierten Preis an. Noch verzehrfähige Produkte, deren MHD jedoch überschritten ist, werden den Tafeln angeboten. Neuhaus zufolge kooperieren nahezu alle der 1910 Aldi-Süd-Filialen mit den örtlichen Tafeln oder anderen sozialen Einrichtungen. So auch die 13 Filialen in Mainz.

Lidl versuche zudem nicht nur in den Filialen eine Lebensmittelverschwendung zu vermeiden, sondern versuche auch seine Kunden zu sensibilisieren. „Seit 2017 bietet Aldi Süd flächendeckend loses Obst und Gemüse als Wiegeware an, sodass Kunden genau die Mengen kaufen können, die sie benötigen. Dazu gehören auch Lebensmittel mit Schönheitsfehlern, zu deren Kauf Aldi Süd als „krumme Dinger“ anregen will. Darüber hinaus teste Aldi Süd seit etwa einem Jahr den Aufdruck und Erklärungshinweis „Riech mich! Probier mich! Ich bin häufig länger gut!“ auf Frischmilch-Verpackungen. „Damit möchten wir den Verbraucher dazu animieren, die Genusstauglichkeit der Milch zuerst zu überprüfen, bevor er sie bei Erreichen des MHD wegschüttet“, sagt Neuhaus. Dieser Hinweis habe nachweislich zu einer Sensibilisierung der Verbraucher beigetragen und soll bald auch verschiedene Käsesorten kennzeichnen. (df)

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