Abgelaufene Produkte: Wie nachhaltig sind Mainzer Supermärkte?

Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist abgelaufen. Trotzdem sind die meisten Lebensmittel noch verwertbar. Wie stark ist die Wegwerfkultur in den großen Supermärkten? Werden die Produkte wiederverwertet?

Abgelaufene Produkte: Wie nachhaltig sind Mainzer Supermärkte?

Bei einem großen Supermarkt mit einem ebenso großen Angebot lässt sich schnell vermuten, dass viel weggeworfen wird. Die Wenigsten kaufen Produkte, die laut Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) bereits abgelaufen sind. Dabei können diese meist noch problemlos verzehrt werden. Was also passiert mit diesen Produkten? Merkurist hat bei vier der größten Supermärkte in Mainz nachgefragt.

Rewe

Lebensmittel, die nicht mehr verkauft, aber dennoch bedenkenlos verzehrt werden können, werden bei Rewe in vielerlei Hinsicht wiederverwertet. Der Supermarkt verkaufe im Jahresdurchschnitt allerdings bis zu 99 Prozent seiner angebotenen Lebensmittel, so Rewe-Pressereferentin Ann-Christin Geers. Der Rest wird zu einem großen Teil gespendet - kaum etwas muss weggeworfen werden. Um Verlustquoten auf ein Minimum zu reduzieren, werde bereits im Vorfeld nachhaltig geplant und gegebenenfalls optimiert. Geers zufolge kontrollieren Marktmitarbeiter regelmäßig die MHD der Lebensmittel und bieten Produkte, die das MHD in wenigen Tagen erreichen werden, um bis zu 30 Prozent preisreduziert an. Zudem geben einige Rewe-Kaufleute nicht verkaufte Produkte preisgünstig über die App „Too Good To Go“ heraus.

Eine bundesweite Aktion stellt die Rewe-Tafel-Aktion dar. Seit 1996 spenden die Märkte Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden, aber noch zum Verzehr geeignet sind, an die bundesweit örtlichen Tafeln. „An der Aktion nehmen alle Rewe-Märkte teil, auch die in Mainz“, bestätigt Thomas Bonrath, Rewe-Pressesprecher. Der Tüteninhalt werde außerdem mit dem Bundesverband der Tafeln abgestimmt, damit genau das gespendet wird, was gebraucht wird. Dabei können auch die Kunden spenden: Im Markt sowie über den Online-Lieferservice können sie eine Spendentüte für 5 Euro zusammenstellen, die zusätzlich an die örtlichen Tafeln weitergegeben wird. „Die Beteiligung der Kunden steigt Jahr für Jahr an“, sagt Bonrath.

„Allein durch die seit 2009 jährlich durchgeführten Tafel-Aktionswochen konnten bisher zusätzlich Lebensmittelspenden im Wert von 13,4 Millionen Euro den Ausgabestellen bereitgestellt werden.“ - Thomas Bonrath, Rewe-Pressesprecher

„Allein durch die seit 2009 jährlich durchgeführten Tafel-Aktionswochen konnten bisher zusätzlich Lebensmittelspenden im Wert von 13,4 Millionen Euro den Ausgabestellen bereitgestellt werden.“ Nicht an die Tafeln abgegeben werden Lebensmittel, die Mängel haben, verdorben sind oder kontaminiert sein könnten, die ein Verbrauchsdatum haben (zum Beispiel Frischfleisch oder -fisch) oder deren Kühlkette unterbrochen wurde. Diese werden entsprechend der gesetzlichen und hygienischen Vorgaben sachgerecht entsorgt, sagt Bonrath. Probleme mit Containern beziehungsweise „Mülltauchen“ haben Mainzer Rewe-Märkte bisher nicht.

Real

Auch Real arbeitet mit den Tafeln zusammen. „Die Förderung der Tafeln gehört zu einer der wichtigsten sozialen Kooperationen in unserem Unternehmen“, so Jasmin Voigthaus, Real-Pressereferentin.

„Ebenso wie wir uns für das Unternehmen, die Mitarbeiter und unsere Kunden engagieren, übernehmen wir auch Verantwortung für unser gesellschaftliches Umfeld.“ - Jasmin Voigthaus, Real-Pressereferentin

„Ebenso wie wir uns für das Unternehmen, die Mitarbeiter und unsere Kunden engagieren, übernehmen wir auch Verantwortung für unser gesellschaftliches Umfeld“, sagt Voigthaus. So sind über 90 Prozent der bundesweit 279 Real-Märkte bei der Förderung dabei, die vor allem Produkte mit längerfristigem MHD wie Konserven, Nährmittel oder Teigwaren spenden. Aber auch noch nicht abgelaufene Waren, die nach Einschätzung bald übrig bleiben werden, sind im Spendensortiment. Voigthaus zufolge konnte die Menge der gespendeten Lebensmittel zuletzt nochmals gesteigert werden. Mittlerweile werden nämlich auch Frischeartikel wie Wurst und Molkereiprodukte, aber auch Near-Food-Artikel wie Drogerieartikel an die Tafeln weitergegeben. Produkte, die kurz vor dem Ablauf des MHD stehen, werden zudem den Kunden im Markt zu vergünstigten Preisen angeboten.

Viele der Real-Märkte, darunter auch der Markt in Mainz, kooperieren außerdem mit der App „Too Good To Go“, mit der sich Nutzer vorgepackte Tüten mit frischen Produkten zum kleinen Preis abholen können. Darunter sind Obst, Gemüse und Backwaren, aber auch Produkte aus der Marktküche, wie beispielsweise frische Pasta.

„Alle trotz sorgfältiger Planung nicht vermeidbaren Lebensmittelabfälle aus unserem Unternehmen werden ausschließlich Biogasanlagen zugeführt“, so Voigthaus. Eine Ausnahme stelle der Rückruf für ein bestimmtes Produkt durch den Hersteller dar. Oft müsse dieser das Produkt selbst entsorgen. Die betroffene Ware lande in dafür vorgesehenen Müllcontainern, die durch einen Zaun geschützt sind. So sei „Containern“ nicht möglich. Grundsätzlich arbeite Real stets daran, die Warenversorgung an die tatsächliche Nachfrage der Kunden anzupassen, hohe Lagerbestände zu vermeiden und so die Verderbsquote zu minimieren.

Scheck-In Center

In Mainz-Weisenau steht einer der größten Edeka-Märkte Deutschlands – das Scheck-In-Center. „Als Kaufleute sind wir schon aus wirtschaftlichen Gründen daran interessiert, durch gute Disposition die Menge der aussortierten Lebensmittel so gering wie möglich zu halten“, so Maud Neumann-Merkel vom Scheck-In Center. Werden Produkte jedoch nicht verkauft, nutze das Center die Möglichkeit, um die Produkte wieder zu verwerten.

„So unterstützen wir seit Jahren hilfsbedürftige Menschen und arbeiten mit dem Weisenauer Brotkorb und der Mainzer Tafel zusammen.“ - Maud Neumann-Merkel, Scheck-In Center

„So unterstützen wir seit Jahren hilfsbedürftige Menschen und arbeiten mit dem Weisenauer Brotkorb und der Mainzer Tafel zusammen“, so Neumann-Merkel. Trotzdem käme es vereinzelt vor, dass Lebensmittel nicht mehr uneingeschränkt verkaufsfähig sind und nicht mehr abgegeben werden können. Diese müssen in Lebensmittelabfallcontainer entsorgt werden. In diesen werden Lebensmittel zum Zweck der bestimmungsgemäßen Entsorgung gelagert und sind für Dritte nicht öffentlich zugänglich. Containern ist bei Scheck-In also nicht möglich.

Tegut

Auch bei Tegut finden die Lebensmittel ihren Weg zu hilfsbedürftigen Menschen.

„Die Mainzer Tegut-Märkte arbeiten alle mit sozialen Organisationen zusammen und spenden Lebensmittel, die leicht qualitätsmindernde Eigenschaften aufweisen.“ - Anne Biendara, Pressesprecherin

„Die Mainzer Tegut-Märkte arbeiten alle mit sozialen Organisationen zusammen und spenden Lebensmittel, die leicht qualitätsmindernde Eigenschaften aufweisen“, so Pressesprecherin Anne Biendara. Mit qualitätsmindernd seien auch hier Lebensmittel gemeint, deren MHD abgelaufen ist und die deshalb nicht mehr verkauft, aber noch verzehrt werden können. Dabei arbeiten die Märkte vor allem eng mit den Mainzer Tafeln zusammen. Falls diese die Filialen nicht anfahren können, werde ergänzend aber auch mit anderen sozialen Organisationen kooperiert, die Lebensmittel für Bedürftige abholen. Vorfälle von „Containern“ seien bei Tegut jedoch nicht bekannt. (df)

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