Vorwurf Greenwashing: Mainzer Unternehmen streiten vor Gericht

Werner & Mertz hatte wegen „Greenwashing“ das Mainzer Unternehmen „Hygreen“ vor Gericht gebracht. Dieses muss nun seine Werbepraxis umstellen – sieht aber auch Positives am Urteil.

Vorwurf Greenwashing: Mainzer Unternehmen streiten vor Gericht

Weil es angeblich irreführende Werbung mit einem „klimaneutralen“ Produkt betrieb, hat ein Landgericht die Praxis des Unternehmens „Hygreen“ gestoppt. Wie „Werner & Mertz“ mitteilt, habe das Landgericht Stuttgart auf ihren Antrag hin geurteilt. Die Geschäftsführer von „Hygreen“ sind Nino Haase, der derzeit bei der Wahl des Mainzer Oberbürgermeisters kandidiert, sowie Johannes R. Kaluza, Ex-Präsident von Mainz 05.

Damit sei es „Hygreen“ – ein Unternehmen aus dem Unternehmensverbund Surig – nun untersagt, seinen Essigreiniger als „klimaneutral“ zu bezeichnen. Der Essigreiniger sei sowohl auf der Produktverpackung als auch auf der Unternehmenswebseite prominent mit der Aussage „klimaneutraler Essigreiniger“ sowie dem Logo von ClimatePartner „Klimaneutral Produkt“ beworben worden. Doch das Unternehmen habe nicht alle von ihrem Essigreiniger verursachten Emissionen entlang des gesamten Produktlebenszyklus erfasst. So konnten „nicht alle verursachten CO2-Emissionen ausgeglichen worden sein, weswegen die Aussage „klimaneutraler Essigreiniger“ offensichtlich falsch sei, heißt es bei „Werner & Mertz“, das unter anderem von Mainz aus die „Frosch“-Produkte vertreibt.

„Eine weitere Schlappe für ClimatePartner, der nächste Sieg für Werner & Mertz im Kampf gegen Greenwashing“, heißt es bei „Werner & Mertz“. Und weiter: „Wir werden nicht nachlassen, dieser fragwürdigen Praxis auf den Grund zu gehen. Das Vertrauen der Verbraucher*innen darf nicht verspielt werden.“ Es sei bereits das dritte „klimaneutral“-Urteil gegen Wettbewerber, das von dem Unternehmen ausgegangen sei.

Hygreen legte Berufung ein

Hygreen selbst hat gegen das Urteil des Landgerichts Stuttgart nach eigenen Aussagen bereits Berufung eingelegt. Auf Merkurist-Anfrage erklärte Nino Haase am Montag, wegen des laufenden OB-Wahlkampfes von Hygreen-Gesellschafter Johannes R. Kaluza und einem Mitglied der Geschäftsführung der Speyer & Grund GmbH als Gesellschafter vertreten zu werden.

Wie Kaluza gegenüber Merkurist sagt, begrüße Hygreen den grundsätzlichen Tenor des Stuttgarter Urteils sogar: „Denn es erkennt an, dass Hygreen eine erwiesen umweltfreundliche Essigsäure als Hauptrohstoff verwendet, deren Herstellung klimafreundlicher als der Marktstandard ist und wesentlich weniger CO2-Emissionen verursacht als konventionelle Rohstoffe.“ Das Gericht habe außerdem bestätigt, dass Werbung mit der Bezeichnung „klimaneutral“ grundsätzlich zulässig sei. Dies sei der Fall, wenn Emissionen so weit wie möglich reduziert oder vermieden und unvermeidbare Emissionen durch Klimaschutzprojekte kompensiert würden.

Für die Zertifizierung habe Hygreen das Beratungsunternehmen „ClimatePartner“ beauftragt, und damit auf ein „etabliertes und bekanntes Label zurückgegriffen“, wie Kaluza sagt. Von dem Unternehmen sei die Klimaneutralität bestätigt worden. „Auch wir waren der Auffassung, dass die Zertifizierung durch ClimatePartner alle Anforderungen erfüllt“, so Kaluza. Das Gericht jedoch sehe die Klimaneutralität des Essigreinigers durch das vorliegende Zertifikat von ClimatePartner nicht als hinreichend belegt und stelle zusätzliche Anforderungen an die Bilanzierung und Zertifizierung – darunter auch die Entsorgungsphase bei den Verbrauchern.

Nun arbeite Hygreen nach eigenen Aussagen daran, diese Emissionen in die Bilanzierung mit aufzunehmen. „Hygreen engagiert sich als Unternehmen freiwillig für den Klimaschutz und teilt die Auffassung des Gerichts, wonach die Anforderungen an Umweltwerbung streng sein müssen“, so Kaluza. „Wir werden weiterhin für die Klimaneutralität unserer Produkte eintreten und unsere Anstrengungen gemeinsam mit ClimatePartner wie vom Gericht gefordert noch transparenter kommunizieren.“ Zudem sollen die Produktionsstandards weiter verbessert werden, um die Emissionen zu senken.

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