Mainzer trampt nach Südamerika

Der Mainzer Joshi Nichell entschied sich nach dem Abitur für die etwas andere Auslandserfahrung. Sein Traum: von Deutschland nach Chile trampen. Nach der Fahrt mit 68 Autos, einem LKW und vier Segelbooten berichtet er über sein bisheriges Abenteuer.

Mainzer trampt nach Südamerika

Er wollte neue Menschen kennenlernen, andere Länder entdecken: Joshi Nichell aus Mainz hat sich vor einem halben Jahr auf Weltreise begeben. Sein Ziel ist Chile. Auf seinem bisherigen Weg musste er unter anderem den Atlantik überqueren - doch davon ließ er sich nicht aufhalten. „Bei meiner Reise ist der Weg das Ziel“, sagt Joshi. Um mitMerkurist über seine bisherigen Erlebnisse zu sprechen, meldet sich der Mainzer von der Karibik-Insel Guadeloupe. Ob er am Ende wirklich in Chile ankommen wird, weiß er selbst noch nicht genau; wichtiger sei ihm der Weg und die Chance, die beeindruckende Natur Südamerikas fotografieren zu können.

Nachdem sein erklärtes Ziel der Weg war, wollte Joshi nicht einfach in ein Flugzeug steigen. Deshalb machte er sich von Mainz aus direkt per Anhalter in Richtung Südamerika auf. „Ich will langsam ankommen in Südamerika“, sagt er. Zeit scheint für Joshi flexibel geworden zu sein - zunächst plante er, zirka zehn Monate unterwegs zu sein. Doch nun will er sich keinen zeitlichen Rahmen mehr setzen.

Seine Reise führte Joshi bisher nach Spanien, Marokko, Teneriffa und bis nach Guadeloupe. Zunächst begleitete ihn eine Freundin, doch ihre Wege trennten sich. Das Pappschild - mit dem Ziel Chile - das er zu Beginn seiner Reise schrieb, begleitet ihn aber immer noch. Das und sein 30 Kilogramm schwerer Rucksack, in dem sich alles befindet, was er braucht. „Außer Strom und Internet; das ist Mangelware auf meiner Reise“, sagt Joshi. Im Rucksack befindet sich ein Moskitonetz und eine Hängematte, die er einfach aufhängt, wenn er abends keinen Schlafplatz gefunden hat. „Das passiert allerdings nicht allzu oft. Meistens werde ich aufgrund meines Gepäcks von Einheimischen angesprochen oder komme mit ihnen ins Gespräch. Oft bekomme ich dann einen Schlafplatz und etwas zu Essen angeboten“, sagt Joshi. Das sei sowieso das schönste am Trampen. Man bekomme sehr viel geschenkt und vor allem lerne man beeindruckende Menschen kennen.

Besondere Begegnungen

„Je weiter man sich entfernt, desto mehr ändert sich der Blickwinkel auf die Welt“, sagt Joshi. Dazu tragen wesentlich auch die Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen aus aller Welt bei. Joshi erwähnt immer wieder, dass ihn die Menschen, denen er auf seiner Reise begegnet, verändern. „Vielleicht war ich vorher naiv, doch nun habe ich Vertrauen“, sagt er. Das Vertrauen strahlt er auch aus - er handelt alleine aus seinem Bauchgefühl heraus. Die Reaktionen, die er von den Menschen, denen er begegnet, erhält, spiegeln sein Vertrauen wider, meint er. Eine Begegnung, die ihm besonders am Herzen liegt, fand auf Teneriffa statt. Ein Einheimischer nahm ihn und einen Freund, den er unterwegs kennenlernte, bei sich zu Hause auf. Ganze sechs Wochen blieben sie dort, sogar Weihnachten verbrachten sie zusammen und ihr Gastgeber wurde für Joshi wie ein Vater.

Nicht immer beherrscht Joshi die Sprache der Menschen, denen er begegnet. So kam es auch einmal vor, dass ein Busfahrer ihn zu einem Freund schickte, der ihn bekochte, aber kein Wort mit ihm sprechen konnte. „Es war eine sehr berührende Begegnung. Wir haben uns fast nur mit Gesten verständigt und zusammen Rum getrunken.“

Vom Segeln berichtet Joshi nur Positives. Besondere Momente erlebte er, als er endlich von einem Boot aus in den Ozean springen konnte oder bei einer Nachtwache den Vollmond über dem Wasser „schweben“ sah. „Die Segler sind sehr weltoffene Menschen. Man merkt direkt, wenn man sich sympathisch ist“, sagt Joshi. Doch einmal gab es Probleme mit einem Kapitän. Die Vorstellungen des 64-Jährigen und den jungen Mitreisenden gingen auseinander, was die Essensgewohnheiten und die an Bord gesprochene Sprache betraf. Deshalb entschied man sich, getrennte Wege zu gehen. Einmal wurde er auch ein bisschen seekrank, denn die drei Meter hohen Wellen peitschten tagelang um das Boot, und er konnte sich nur an Deck und an der frischen Luft aufhalten.

Kaum Vorbereitung nötig

Vorbereitet auf die Reise habe er sich nicht wirklich, sagt Joshi. In einem Blog habe er gelesen, dass es möglich sei, per Anhalter mit Booten zu reisen. Daraufhin habe er einige Foren gefunden, in denen Kapitäne Reisebegleiter suchen und umgekehrt. Handgegenkoje.de ist beispielsweise so ein Internetforum, in dem er eine schwimmende Mitfahrgelegenheit gefunden hat. Ansonsten hängte er Zettel in den Häfen auf oder ging direkt auf die Steege, um die Bootsbesitzer anzusprechen. „Das einzige Mal, als ich zuvor auf einem Segelboot war, segelte ich eine halbe Stunde mit einem Freund auf dem Rhein“, sagt Joshi. Spezielle Kenntnisse an Bord benötigt man laut Joshi nicht, denn die meisten würden lediglich Reisegefährten der Gesellschaft wegen suchen. Zu den Aufgaben, die man übernehmen soll, gehören meistens kochen und die Nachtwache.

Angesprochen auf die Reaktionen seiner Familie bezüglich seiner Reisepläne sagt er: „Von meinen Eltern bekomme ich immer den Rücken gestärkt.“ Seine Eltern sehen alles sehr entspannt und machen sich keine Sorgen, da sie auf ihn vertrauen. Mit seinem ein Jahr älteren Bruder unternahm er 2014, als er gerade einmal 16 Jahre alt war, sogar schon eine abenteuerliche Reise nach Norditalien. Die Brüder verbrachten den gesamten Urlaub in der Natur und versorgten sich selbst.

Wann er wieder nach Deutschland zurückkommt, weiß er nicht. Joshi sagt: „Man braucht einfach mehr Zeit, als ein paar Tage, um eine ganze Insel kennenzulernen. Und manchmal benötigt man auch mal eine Pause, um alles auf sich wirken zu lassen.“ Auf Guadeloupe ist er nun auch schon seit mehr als einem Monat. Nächste Woche will er zum Hafen gehen und nach einem Boot suchen, dass ihn nach Kolumbien mitnehmen kann.

Auf Joshis YouTube-Kanal könnt ihr seine Vlog-Beiträge und seine Fotografien sehen.

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