Wie Mainzer Frauen Karriere gemacht haben

Am 8. März ist Weltfrauentag. Vor über 100 Jahren sollte mit diesem Tag auf den damaligen Kampf der Frauen für weltweites Wahlrecht und Gleichberechtigung aufmerksam gemacht werden. Welche Bedeutung hat das Thema heute für die Mainzer Frauen?

Wie Mainzer Frauen Karriere gemacht haben

Von Journalistin Gundula Gause über Top-Managerin Eva Kreienkamp bis hin zu Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner – diese Frauen sind in ihrem Beruf besonders erfolgreich. Zum Weltfrauentag haben wir mit ihnen und weiteren erfolgreichen Mainzerinnen über die Chancen und Herausforderungen gesprochen, die Frauen in ihrer Karriere erwarten.

Gundula Gause (ZDF-Redakteurin und Nachrichtenmoderatorin)

Seit mehr als 25 Jahren ist Gundula Gause das Gesicht des „ZDF heute-journals“. Neben Claus Kleber moderiert sie als Co-Moderatorin die Nachrichtensendung. Doch Gause steht nicht nur vor der Kamera: Als Redakteurin arbeitet sie schon vor Ausstrahlung der Sendung hinter den Kulissen mit.

Keine negativen Erfahrungen

„Ich erlebe keinerlei Widerstände. Es sind Argumente, die im redaktionellen Austausch zählen. In einer Frage stand ich in der Bewertung einmal allein gegen eine zufällig rein männliche Redaktionsmannschaft. Da hätte ‘frau’ annehmen können, dass sie sich allein gegen Männer durchsetzen muss. Aber darum geht es nicht: Am Ende zählen inhaltliche Argumente und ein sachliches Miteinander.“

Journalismus wird weiblicher

„In vielen Sendern sind Frauen in Führungspositionen. Gerade wurde die Chefin vom Dienst in unserer ZDF-Chefredaktion, Dr. Yvette Gerner, zur Intendantin von Radio Bremen gewählt. Auch der SWR sucht dem Vernehmen nach eine Frau für diesen Führungsposten, der im Sommer neu besetzt werden muss. Aber auch auf der ‘Indianerebene’ der Redaktionen sehe ich ‘geschlechterübergreifende Chancengleichheit’ gegeben. Da sind wir ungefähr 50/50 aufgestellt. Und vor der Kamera sind doch wirklich viele Frauen – bald sind wir da soweit, Männer für Moderationsposten zu suchen… .“

Leidenschaft für den Job - das rät Gundula Gause

„Neugierig sein, sich engagieren, lebenslang lernen und so viel und so kreativ wie möglich arbeiten. Der Journalismus bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten – inhaltlich und in Bezug auf die Art der Tätigkeit. Meine Arbeit ist quasi mein Hobby – und dem gehe ich mit Leidenschaft nach. Die Freiheit, die damit verbunden ist, empfinde ich als Geschenk und geniale Kombination, die ‘frau’ und ‘man’ allerdings nicht dem Zufall überlassen sollte. Da lohnt es schon, die Augen offen zu halten, Kontakte zu pflegen, flexibel zu sein – und am Ende einfach gute Arbeit abzuliefern.“

Malu Dreyer (SPD, Ministerpräsidentin RLP)

Seit 2013 ist die stellvertretende Vorsitzende der SPD, Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz. Damit ist sie die erste Frau in diesem Amt. Besonders wichtig sind ihr Bildungsgleichheit und die Vereinbarkeit von Familie und Karriere.

Mehr Frauen in der Politik

„Als ich in der Politik begonnen habe, lautete die Begrüßung bei Sitzungen häufig noch: ‘Liebe Frau Dreyer, sehr geehrte Herren’. Das hat sich glücklicherweise mittlerweile geändert, insgesamt hat sich in der Politik in den vergangenen Jahren in dieser Hinsicht viel bewegt. Ich halte es für das Wichtigste, dass man sich auf seine Stärken besinnt und diese zur Geltung bringt und sichtbar macht. Und man sollte sich nicht selbst begrenzen und schon gar nicht sich begrenzen lassen. Aber wir dürfen die Frauen auch nicht damit allein lassen: Ohne gesetzliche Regelungen wie Quotierung wird es vielerorts nicht gehen.“

Das muss sich noch ändern

„Die Themen liegen auf der Hand: Frauen verdienen im Schnitt immer noch deutlich weniger als Männer. Sie arbeiten überdurchschnittlich häufiger in Teilzeit als Männer und in schlechter bezahlten sogenannten typischen Frauenberufen. In höheren Führungspositionen und vor allem in Spitzenpositionen sind Frauen immer noch in der absoluten Minderheit. Obwohl die jungen Frauen von heute besser ausgebildet sind, als alle Frauengenerationen vor ihnen. Der Frauenanteil im Bundestag liegt bei nur 30 Prozent. Und es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine Frau irgendwo in Deutschland Opfer von häuslicher Gewalt wird. Es bleibt also noch viel zu tun.“

Julia Klöckner (CDU, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft)

Seit 2018 ist die in Bad Kreuznach geborene CDU-Politikerin Julia Klöckner Bundeslandwirtschaftsministerin. Dazu ist sie auch noch Landesvorsitzende der CDU Rheinland-Pfalz und stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende. Wir haben sie gefragt, ob es für sie als Frau schwierig war, Karriere in der Politik zu machen und wie sie es schafft, ihren Job mit ihrem Privatleben zu vereinen.

Arbeitsalltag

„Wenn es um inhaltliche Themen und Auseinandersetzungen geht, dann tritt das Geschlecht eher in den Hintergrund. Dann fällt mir persönlich das gar nicht so sehr auf, dann geht es um das Argument und Sachdebatten. Grundsätzlich ist mir aber wichtig, dass immer auch Frauen dabei sind. Ich lasse auch in Besprechungsrunden nicht gelten, dass es keine weiblichen Fachpersonen gibt.“

Erfahrungen als Frau in der Politik

„Klar wird man als junge Frau öfter mal mit einem platten Spruch konfrontiert, das legt sich aber mit steigendem Alter und Position. Vor über 20 Jahren war ich mal Deutsche Weinkönigin. Es gibt politische Mitbewerber, die inhaltlich und sachlich in der politischen Auseinandersetzung nichts entgegenzusetzen haben und dann von der Weinkönigin sprechen. Das diskreditiert dann aber eher den Absender...“

Privatleben und den Job vereinbaren

„Planung ist hier das halbe Leben, Absprachen und Blocks im Kalender für meine Liebsten. WhatsApp-Gruppen können Wunder wirken... Ich setze Prioritäten: Familie geht auch dann vor, wenn ich einen politischen Termin hätte – denn es vergeht kein Wochenende, an dem ich nicht durchgehend Veranstaltungen und Anfragen im Zusammenhang mit meinem Beruf hätte. Privatleben und öffentliches Politikerleben versuche ich soweit es geht auseinander halten.“

Ursula Groden-Kranich (CDU MdB)

Die Hechtsheimerin Ursula Groden-Kranich ist seit 2013 CDU-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Mainz/Mainz-Bingen. Zuvor war sie zehn Jahre lang Hechtsheimer Ortsvorsteherin.

Umgang mit männlichen Kollegen im Berufsalltag

„Da ich in meinem ‘früheren’ Leben als Anlageberaterin bei einer großen Bank tätig war, bin ich es gewohnt mit vielen Männern zusammenzuarbeiten und kann mich seit dieser Zeit auch gut durchsetzen. Es gibt zwei Möglichkeiten, negativen Erfahrungen zu begegnen: Entweder mit Humor, das irritiert die meisten Männer, oder mit Klarheit und Deutlichkeit. Spätestens dann wissen sie, woran sie bei mir sind.“

Das rät Ursula Groden-Kranich jungen Frauen

„Es ist nie einfach, Karriere zu machen, egal, in welchem Beruf. Es lohnt sich auf jeden Fall, für seine Überzeugungen zu kämpfen. Das kostet Kraft, bringt aber auch viel Freude. Gerne stehe ich auch jungen Frauen als Mentorin zur Verfügung, um ihnen genau das vorzuleben und ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.“

Dr. Ursula Biernert (Personalvorstand der DB Cargo AG)

Die DB Cargo AG am Winterhafen ist eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn und beschäftigt mehr als 28.000 Mitarbeiter. Vor sechs Jahren stieg Dr. Ursula Biernert als Personalvorstand in die Geschäftsfeldleitung der DB Cargo AG ein.

In der Karriere kommt es nicht auf das Geschlecht an

„Egal ob Mann oder Frau – Hauptsache ist, Sie sind für die Stelle geeignet und bringen die richtigen Kompetenzen und Fähigkeiten mit. Das gilt für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übrigens genauso wie für Vorstände. Ich habe in meinem Berufsleben die Erfahrung gemacht, dass Leistung erkannt wird – unabhängig vom Geschlecht.“

Männlich geprägte Branche

„Wir sind auf einem guten Weg und haben bereits viel angestoßen, um den Frauenanteil – auch in Führung – beispielsweise durch eine gezielte Nachfolgeplanung zu erhöhen. Aber wir sind bei DB Cargo auch in einer traditionell männlich geprägten Branche unterwegs. Da geht also noch ein bisschen was. Für mich persönlich ist aber auch wichtig, dass ich einen Job wegen meiner Leistung und meinen Fähigkeiten habe und nicht aufgrund von Quoten.“

So unterstützt Dr. Ursula Biernert Frauen in ihrem Unternehmen

„In der Strategie des DB-Konzerns ist fest verankert, als Top-Arbeitgeber den Frauenanteil in den nächsten Jahren insgesamt und in Führungspositionen zu erhöhen. Dafür tun wir eine Menge, auch bei DB Cargo. Dazu gehören Initiativen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder die Erleichterung des Wiedereinstiegs.“

Eva Kreienkamp (Geschäftsführerin der Mainzer Verkehrsgesellschaft)

Seit knapp vier Jahren ist Eva Kreienkamp Geschäftsführerin der „Mainzer Verkehrsgesellschaft“ (MVG). Bei der MVG ist sie damit die erste Frau in dieser Position. Davor hatte sie schon in anderen Unternehmen verschiedene Führungsposten inne. Der „Spiegel“ betitelte Kreienkamp als „Top-Managerin mit Erfolgsgeschichte“.

Gesellschaftliche Veränderungen erforderlich

„Es ist eher nötig, Geschlechterstereotypen zu überwinden und die Arbeitsformen zu verändern, als sich gegen Männer durchzusetzen, damit in großen Unternehmen Männer und Frauen gleichermaßen Geschäftsführer oder Vorstände werden.“

Chancengleichheit in der MVG

„Wir achten in der Mainzer Verkehrsgesellschaft darauf, dass Frauen und Männer ihr Potential erkennen und ausleben können, in allen Berufen und Ebenen des Unternehmens.“

Katarzyna Kompowska (CEO Coface Nordeuropa)

„Coface“ ist ein Finanzdienstleister, dessen Deutschland-Zentrale sich in Mainz befindet. Katarzyna Kompowska ist nicht nur Geschäftsführerin von Coface Deutschland – vom Kisselberg aus steuert sie auch die Geschäfte für ganz Nordeuropa.

Negative Erfahrungen auf Grund ihres Geschlechts hat Katarzyna Kompowska bisher nicht gemacht

„Kaffee kann ich zwar auch ab und an servieren, erwarte aber auch das gleiche von meinen männlichen Kollegen – authentisch bleiben und selbstbewusst zu agieren, war immer meine Devise. Wobei ich zugeben muss, dass gerade in Branchen wie der unseren – Finanzen – natürlich mehr Männer als Frauen arbeiten und wir Frauen doch ein wenig mehr Durchsetzungskraft mitbringen müssen, als Männer.“

Trotz Chancengleichheit werden Frauen oft unrealistische Rollenbilder vermittelt

„Grundsätzlich herrscht Chancengleichheit, gerade im Bereich Bildung und Ausbildung. Im Vergleich zu anderen Ländern fällt mir schon auf, dass gerade in Deutschland von Frauen extrem viel erwartet wird und es nahezu unmöglich ist, all den Erwartungen zu entsprechen. Jungen Frauen positive Rollenbilder und keine alten Klischees zu zeigen und vorzuleben, ist sicherlich so eine Aufgabe bei der mehr getan werden müsste. Das muss aber aus der gesamten Gesellschaft heraus kommen, nicht nur seitens der Wirtschaft.“

So unterstützt Katarzyna Kompowska Frauen in ihrem Unternehmen

„Coface hat 2017 ein Programm eingeführt, das wir ‘Women to Win’ nennen. Damit versuchen wir gezielt, Frauen für Führungspositionen zu begeistern und unterstützen sie mit entsprechenden Trainings. Unser Ziel ist es definitiv, den Anteil von weiblichen Führungskräften zu erhöhen, denn Diversity kann die Unternehmen nur stärker machen.“

Ein Beitrag von Michelle Oesterheld und Anne Sophie Feil

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