Neues Besucherzentrum am Mainzer Judensand feierlich eröffnet

Am Mainzer Judensand hat ein neues Besucherzentrum eröffnet. Es soll die Geschichte des UNESCO-Welterbes vermitteln und einen neuen, respektvollen Zugang schaffen.

Neues Besucherzentrum am Mainzer Judensand feierlich eröffnet

Mit einem Festakt und einem anschließenden Bürgerfest hat die Landeshauptstadt Mainz am Sonntag (6. September) das neue Besuchszentrum Sali-Levi-Haus am Alten Jüdischen Friedhof eröffnet. Das Haus schafft einen neuen Ort der Information und Begegnung an der UNESCO-Welterbestätte.

Eine Dauerausstellung führt Besucher in die Geschichte des mittelalterlichen Magenza ein und zeigt die Bedeutung der jüdischen Gemeinde von Mainz für das europäische Judentum. Von seiner erhöhten Lage aus ermöglicht das Sali-Levi-Haus einen besonderen Blick über den Judensand, ohne die Würde der Begräbnisstätte zu beeinträchtigen. „Mit dem Sali-Levi-Haus erhält der Judensand einen Ort, von dem aus seine Geschichte verständlich und zugleich respektvoll vermittelt werden kann“, sagt Oberbürgermeister Nino Haase (pateilos).

Anna Kischner, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Mainz-Rheinhessen, betonte die besondere Verantwortung: „Wir verstehen uns als Nachfolgegemeinde der mittelalterlichen Mainzer SchUM-Gemeinde und tragen damit eine besondere Verantwortung für dieses einzigartige Erbe.“ Das neue Zentrum mache diese Geschichte sichtbar und zugänglich.

Auch Dr. Katharina von Schnurbein, Koordinatorin der Europäischen Kommission zur Bekämpfung von Antisemitismus, war anwesend. „Jüdisches Erbe sichtbar zu machen ist ein Schlüssel für die Wahrnehmung von jüdischem Leben heute“, so von Schnurbein. Das Sali-Levi-Haus werde als Zentrum des Lernens und Austausches dazu einen entscheidenden Beitrag leisten.

Einer der ältesten jüdischen Friedhöfe Europas

Der Alte Jüdische Friedhof „Judensand“ zählt zu den bedeutendsten jüdischen Begräbnisstätten Europas. Rund 1.700 historische Grabsteine zeugen von über 1.000 Jahren jüdischer Geschichte. Gemeinsam mit den Monumenten in Speyer und Worms bildet der Judensand das UNESCO-Welterbe „SchUM-Stätten“, das 2021 als erstes jüdisches Welterbe in Deutschland anerkannt wurde. Das Sali-Levi-Haus ist das erste Besuchszentrum im Welterbe.

Der Name des Hauses erinnert an den Mainzer Rabbiner Sali Levi, der gemeinsam mit Rabbiner Siegmund Salfeld wiederentdeckte mittelalterliche Grabsteine auf den Judensand zurückbrachte und so den Denkmalfriedhof schuf. Der Vorplatz des Zentrums wurde nach Siegmund Salfeld benannt. Der Zugang zum Denkmalfriedhof selbst bleibt aus religiösen Gründen gläubigen Personen vorbehalten.

Bürgerfest und Eröffnungswoche

Nach dem Festakt feierten zahlreiche Mainzer und Gäste die Eröffnung bei einem Bürgerfest. Führungen durch die Ausstellung und über den zugänglichen Teil des Friedhofs gaben erste Einblicke.

In den kommenden Tagen wird das Programm mit Angeboten für Schulklassen, weiteren Führungen und Veranstaltungen im Rahmen der SchUM-Kulturtage fortgesetzt.