Einem Mainzer Traditionsstand droht das traurige Ende

Schon seit den 70er-Jahren gibt es auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt das Nussknacker-Haus. Doch so wie es aussieht, gibt es keine Zukunft mehr für den Traditionsstand.

Einem Mainzer Traditionsstand droht das traurige Ende

Jahrzehntelang gehörte das Nussknacker-Haus zum festen Repertoire der Stände auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt. Hier gab es Engelsfiguren, Nussknacker, Räuchermännchen, Schwibbögen, Pyramiden und eine große Auswahl an Baumbehang – alles importiert aus dem Erzgebirge. Doch dem Traditionsstand droht nun das Aus.

Seit 1977 war der Stand in jedem Jahr auf dem Weihnachtsmarkt an der Heunensäule zu finden. Anfang der 2000er-Jahre hatte Rolf Weiß das Nussknacker-Haus übernommen, nachdem er in Rente gegangen war. Schon im Frühling reiste Weiß zu Messen nach Ostdeutschland, im Herbst kaufte er seine Waren und etikettierte sie, damit er sie dann von Ende November bis kurz vor Heiligabend auf dem Mainzer Weihnachtsmarkt verkaufen konnte. Doch Rolf Weiß erkrankte schwer, war 2019 letztmals auf dem Markt vertreten. Im Corona-Jahr 2020 fiel der Weihnachtsmarkt aus, 2021 konnte Weiß den Laden wegen der schweren Krankheit schon nicht mehr betreiben. Ende 2021 starb er.

Besucher fragten schon nach dem Nussknacker-Haus

Rolf Weiß’ Sohn Michael sieht keine Möglichkeit, den Traditionsstand weiter zu betreiben, wie er gegenüber Merkurist sagt. „In der Familie findet sich leider kein Nachfolger, da wir alle berufstätig sind. Die Vorbereitung auf die Weihnachtsmarkt-Saison würde zu viel Zeit in Anspruch nehmen“, so Weiß. Realistisch betrachtet könne der Stand nur von Selbstständigen betrieben werden, sagt er. Mit Auf- und Abbau, Inventur und Buchhaltung sei man als Betreiber des Standes sicherlich drei oder vier Monate im Jahr beschäftigt.

„Es tut mir sehr weh, weil der Stand einfach auf den Mainzer Weihnachtsmarkt gehört. Im letzten Jahr gab es viele Rückfragen an die Marktleitung, was denn aus dem Nussknacker-Haus geworden sei“, so Weiß. Beliebt sei der Stand bei Einheimischen, aber eben auch bei Touristen gewesen.

Weiß hofft, dass sich für das Nussknacker-Haus ein neuer Betreiber findet. Er besitzt noch viele Waren, wie beispielsweise die berühmten Engelsfiguren, Pyramiden oder die Nussknacker. Weiß sagt: „Wenn sich kein Nachfolger findet, wäre das leider das Ende einer langen Tradition.“

Die übriggebliebenen Waren will Michael Weiß nun am Samstag und Sonntag, den 19. und 20. November, in einem Sonderverkauf anbieten. Die Originalwaren aus dem Erzgebirge werde er dann jeweils von 10 bis 16 Uhr „zu günstigen Preisen“ in seinem „Sinnbild“-Studio in der Alfred-Döblin-Straße 25 (Hechtsheim) verkaufen.

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