Ebersheimer Weihnachtshaus: Trotz Schicksalsschlag geht es weiter

Erwin Blankenberger schmückt seit 41 Jahren sein Haus zur Weihnachtszeit mit Lichterketten. Der Grund dafür ist seine im Wachkoma liegende Tochter. Warum der Familienvater trotz seines hohen Alters daran festhält, das Haus leuchten zu lassen.

Ebersheimer Weihnachtshaus: Trotz Schicksalsschlag geht es weiter

Es ist eine Geschichte, die zu Herzen geht: Vor 41 Jahren, im März 1983, veränderte ein tragischer Unfall das Leben der Familie Blankenberger aus Ebersheim für immer. Ihre damals 16-jährige Tochter Anja verunglückte so schwer, dass sie seitdem im Wachkoma liegt. Doch die Familie gab die Hoffnung nie auf und kümmerte sich aufopferungsvoll um Anja.

Einmal im Jahr machen die Blankenbergers Anja eine ganz besondere Freude: Sie schmücken ihr Haus und den gesamten Garten mit Lichterketten und hellstrahlenden Weihnachtsfiguren. Denn Anja reagiert auf die Beleuchtung, wie Vater Erwin Blankenberger berichtet.

Haus wieder geschmückt

Vor zwei Jahren stand das Schmücken des Hauses dann aber lange auf der Kippe. Denn die Familie musste einen weiteren schweren Schicksalsschlag verkraften: Erwin Blankenbergers Ehefrau starb nach einem Schlaganfall. Sie hatte zuvor bereits mit schweren Herzproblemen zu kämpfen. „Ich wollte nach dem Tod meiner Frau zunächst gar nichts mehr machen, aber weil ich das Haus ja schon immer wegen meiner Tochter geschmückt habe, habe ich mich dann doch umentschieden“, sagte Blankenberger damals. Und auch in diesem Jahr entschied sich der Familienvater wieder dazu, Haus und Garten zu illuminieren. „Meine Frau hätte es auch so gewollt, deshalb habe ich es wieder gemacht.“

Wie Blankenberger gegenüber Merkurist sagt, habe er das Haus wieder ganz alleine geschmückt, auch wenn er wesentlich länger dafür brauche als früher. „Ich habe mir vorab schon einen ganzen Monat Zeit gelassen und dabei auch viele alte Sachen repariert.“ Insgesamt seien es auch etwas weniger Leuchtelemente als noch im letzten Jahr. Seine Tochter reagiere aber nach wie vor sehr positiv auf die bunten Lichter. Und auch die Ebersheimere Kinder freuen sich wieder über das Weihnachtshaus. „Da stehen schon immer morgens einige, wenn sie auf dem Weg zur Schule sind, und staunen“, sagt Blankenberger, der die LED-Lichterketten von 6:30 bis 21 Uhr einschaltet.

Seine Tochter Anja pflegt er komplett alleine. „Sie ist halt doch auf meine Frau und mich geprägt nach all den Jahren, andere Pflegekräfte nimmt sie nicht an“, sagt Blankenberger. Im letzten Jahr habe sie lange mit gesundheitlichen Problemen kämpfen müssen. Inzwischen geht es ihr aber wieder besser“, so Blankenberger. Seine Lichterketten will der Ebersheimer noch bis in den Januar hängen lassen und erst dann allmählich wieder mit dem Abbau beginnen. Wie es dann 2025 aussehen wird, weiß der Familienvater noch nicht sicher. Solange es ihm jedoch gesundheitlich gut geht, will er das Haus und seinen Garten weiterhin schmücken, sagt Blankenberger.

Rückblick

Im März 1983 wurde die damals 16-jährige Anja Blankenberger unverschuldet Opfer eines schweren Verkehrsunfalls. Eine Autofahrerin verlor die Kontrolle über ihren Wagen und erfasste Anja auf dem Bürgersteig. Danach beging die Frau Fahrerflucht und flog in den Urlaub. Sie konnte später von der Polizei überführt und rechtskräftig verurteilt werden.

Anja fiel nach dem Unfall ins Wachkoma. Sie wurde zunächst ein Jahr lang in der Uniklinik Mainz behandelt, ehe ihre Eltern sie mit nach Hause nahmen und seitdem dort pflegen. Nun ist es Vater Erwin, der sich rührend um seine Tochter kümmert und ihr mit dem festlichen Lichtermeer jedes Jahr aufs Neue eine Freude bereitet.