Mainzer Geschäftsleute laufen Sturm: Ärger über Klo-Container vor Ladenzeile

Umsatzeinbußen, Müll und Urin-Gestank: Wenn am Freitag die Johannisnacht startet, dann sind die Ladenbesitzer in der Johannisstraße gefrustet. Der Grund: ein großer Klo-Container, der ihre Geschäfte verdeckt und weitere Probleme mit sich bringt.

Mainzer Geschäftsleute laufen Sturm: Ärger über Klo-Container vor Ladenzeile

In wenigen Tagen startet die Johannisnacht in Mainz. Bei vielen Besuchern dürfte die Vorfreude auf dieses Event nach zwei Jahren coronabedingter Pause sicherlich groß sein. Seinen Siedepunkt erreicht hat das Stimmungsbarometer hingegen schon in der Johannisstraße. Allerdings ist die Stimmung hier eher explosiv. Und das hat einen guten Grund, wie die dort ansässigen Geschäftsleute gegenüber Merkurist erzählen. Denn wegen der Johannisnacht hat die Stadt direkt vor der Ladenzeile, wie schon in den letzten Jahren auch, einen Klo-Container abgestellt.

Finanzielle Einbußen durch weniger Kundschaft

„Das ist einfach geschäftsschädigend, was hier gemacht wird“, sagt der Inhaber des „Barber Shop am Dom“, Rami Sargon Shabah. Der Klo-Container verdecke quasi die ganze Ladenzeile und sorge somit dafür, dass die Laufkundschaft die Geschäfte in der Straße gar nicht mehr wahrnimmt. „Dadurch haben wir erhebliche Umsatzeinbußen.“ Der finanzielle Schaden sei nicht gerade gering. In der Zeit, in der der Container vor seinem Laden stehe, lebe er quasi nur von der Stammkundschaft, erklärt Shabah. Er habe keine Lust mehr, dieses Vorgehen einfach weiter hinzunehmen. Die anderen Geschäftsleute und er hätten der Stadt bereits einige Vorschläge gemacht, wo man den Klo-Container noch aufstellen könnte. „Der Bischofsplatz würde sich noch eignen, da wäre auf jeden Fall Platz“, so der „Barber Shop“-Inhaber. Dann wäre der Blick auf sein und die anderen Schaufenster wieder frei. Doch die Stadt sei nicht auf den Vorschlag eingegangen.

Seit Jahren schlechte Erfahrung mit dem Klo-Container vor ihrem Schaufenster macht auch Dana Boniello vom Feinkostgeschäft „Selection Boniello Feinkost & Co“ direkt neben dem Barber Shop. Auch sie müsse in den kommenden acht bis zehn Tagen, an denen der Container ihr komplettes Geschäft verdeckt, finanzielle Einbußen hinnehmen. Zudem gebe es noch ein weiteres Problem. Speziell am Festwochenende liege immer wieder Müll vor der Ladenzeile. „Leere, kaputte Flaschen sind auch keine Seltenheit und teilweise wird auch hingekotzt.“ Hier habe die Stadt jedoch dafür gesorgt, dass diese Hinterlassenschaft beseitigt wird, sagt Boniello.

Besonders unangenehm sei auch der teils beißende Urin-Geruch, sagt Barber Shop-Chef Shabah. Das kann auch „Huthaus am Dom“-Inhaberin Gieg bestätigen. „Das ist gar nicht angenehm, wenn hier Besucher des Fests einfach hinter den Klo-Container urinieren, nur um sich das Geld für die Benutzung zu sparen.“ Sie jedenfalls, so Gieg, werde sich in diesem Jahr sparen, ihr Haus und das Schaufenster für die Johannisnacht zu dekorieren. „Denn das kostet viel Geld und wahrgenommen wird es wegen dem Klo-Container eh nicht.“ Möglicherweise, so die Geschäftsleute übereinstimmend, werde man sich jetzt noch einmal an die Stadt wenden, um eine Lösung des Problems herbeizuführen

Neuer Standort für Klo-Container?

Bei der Stadt Mainz hat man indes zumindest Verständnis für die Geschäftsleute. „Natürlich versteht die Verwaltung, dass sich die Begeisterung mancher Geschäftsinhaber zum Thema Standorte der Toiletten graduell in Grenzen halten“, sagt Stadtsprecher Ralf Peterhanwahr auf Merkurist-Anfrage. Ob dem Wunsch der Ladenbetreiber, den Standort des Klo-Containers zu verändern, entsprochen werden kann, ist fraglich. Denn: „Die Johannisnacht hat seit vielen Jahren einige fest definierte Standorte für Toilettenwagen, da diese teils auch nur an direkten Kanalzugängen gestellt werden können“, so der Stadtsprecher. Solche Plätze im Festbereich seien sehr begrenzt. So befinde sich beispielsweise auch im Bereich des Parkplatzes des Bischöflichen Ordinariats ein Toilettenwagen während der Johannisnacht 2022.

Eher machtlos sei die Stadt, wenn es um die Geruchsbelästigung geht, die durch „Wildpinkler“ verursacht wird. „Solche Vorkommnisse sind immer wieder zu beobachten und sind kaum zu unterbinden, sprechen aber doch sicherlich gerade aus diesem Grunde nicht gegen das Angebot von Toilettenwagen als solches“, sagt der Stadtsprecher. Kontrollen vor Ort, um das „Wildpinkeln“ zu unterbinden, seien dann durchaus möglich. Wie Peterhanwahr sagt, sei der Vollzugsdienst im Festbereich in „vielfältiger Weise“ im Einsatz.

Verständnis für die Stadt zeigt indes der Vorsitzende der Mainzer Schausteller, Marco Sottile. „Das für die Johannisnacht zuständige Amt 80 plant die Veranstaltung sehr gewissenhaft.“ Durch die Baustelle an der Johanniskirche gebe es aktuell aber nicht viele Möglichkeiten, den Klo-Container anders zu stellen. Wenn die Baustelle aufgehoben sei, könnte man das Problem sicher lösen, so Sottile.

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