Freizeitpark statt Volksfesten: Schausteller entwickeln neues Konzept

Viele Mainzer Schausteller stecken aufgrund der Corona-Krise in akuter finanzieller Not. Um nun doch noch etwas Geld verdienen zu können, entwickeln die Schausteller aktuell ein Konzept für einen mobilen Freizeitpark. Wo dieser entstehen könnte.

Freizeitpark statt Volksfesten: Schausteller entwickeln neues Konzept

Seit Monaten haben die Mainzer Schausteller kein Geld mehr verdient. Da bis Ende August aufgrund der Corona-Regelungen auch alle Großveranstaltungen - wie die Johannisnacht und die Sommerlichter - untersagt sind, droht vielen nun der finanzielle Ruin. Um das zu verhindern, arbeiten der Schaustellerverband Rheinhessen e.V. und die Interessengemeinschaft Mainzer Schausteller und Marktbeschicker (IMSM) nun an der Idee, einen mobilen Freizeitpark in Mainz oder Umgebung zu verwirklichen.

Start Mitte Juni?

Wie der 1. Vorsitzende des Schaustellerverbands Rheinhessen e.V., Georg Spreuer, sagt, hätten die Schausteller zurzeit defacto ein Berufsverbot. „Wir haben seit Dezember kein Geld mehr verdient und auch bis zum 31. August droht ein Totalausfall.“ Viele Schausteller lebten aktuell von finanziellen Reserven, doch wenn diese aufgebraucht sind, stehe die Insolvenz bevor, sagt Spreuer. Um nun wieder etwas Geld zu verdienen, entwickle man gerade ein coronakonformes Konzept für einen mobilen Freizeitpark, der aber natürlich nicht die Volksfeste komplett ersetzen könne.

Die Idee zum Freizeitpark komme daher, dass diese ja aufgrund der neusten Verordnungen generell wieder öffnen dürften, sagt der Vorsitzende der Mainzer Schausteller, Marco Sottile. Das Gelände, auf dem der Park enstehen soll, würde dann eingezäunt und der Zutritt gesteuert, damit nicht zu viele Leute vor Ort sind. Um den Freizeitpark ernsthaft betreiben zu können, müssten jedoch noch die Corona-Maßnahmen etwas gelockert werden, sagt Sottile. Denn es sei beispielsweise zwei Schulkindern schwer zu vermitteln, dass sie nicht gemeinsam in einem Auto auf dem Kinderkarussell fahren dürfen, obwohl sie sonst miteinander spielen. Eine Partymeile würde der Freizeitpark aber nicht, auch auf den Ausschank von Alkohol sei wohl zu verzichten.

Das Konzept für den Freizeitpark sei aktuell noch in Bearbeitung, könnte der Stadt Mainz aber wahrscheinlich schon in der nächsten Woche vorgelegt werden. „Vielleicht wäre ein Start des Freizeitparks Mitte Juni realistisch, doch dann nicht nur für 14 Tage, denn wir brauchen Planungssicherheit“, so Sottile. Wie Georg Spreuer sagt, fände er eine Öffnung des Freizeitparks über den Zeitraum der Sommerferien hinweg ideal. Denn so könne man zumindest einen Teil der laufenden Kosten wieder einspielen. Die Stadt Mainz hätte grundsätzlich auch schon positiv auf die Idee der Schausteller reagiert.

Standort für den Freizeitpark

Doch wo soll der Freizeitpark dann vorübergehend entstehen? Geht es nach der Mainzer SPD-Stadtratsfraktion, die die Idee der Schausteller unterstützt, wäre das Messegelände in Hechtsheim ein geeigneter Standort. „Wir bitten die Stadt zu prüfen, ob nicht doch auf dem Messegelände Platz sowohl für die Schausteller als auch für das Autokino ist. Dort wäre es ein zusätzliches Angebot, eine zusätzliche Attraktion, auch für die vielen Familien, die dieses Jahr nicht in den Urlaub fahren können“, so die SPD in einer Pressemitteilung. Außerdem wäre es für viele ein schöner Sommertag, wenn man als Familie Spaß auf dem Rummel haben und den Abend dann mit einem Film ausklingen lassen könnte, so die SPD.

Schausteller Marco Sottile erachtet das Messegelände jedoch nicht für geeignet. „Hechtsheim ist abgelegen, die Lage nicht optimal.“ Dazu sieht Sottile den Standort in Hechtsheim durch das Autokino eher geschmälert. „Besser wäre es in der Stadt am Rheinufer“, so Sottile. Auch sein Schausteller-Kollege Spreuer schlägt das Rheinufer - zwischen der Theodor-Heuss-Brücke und dem Raimundi-Tor - als Standort vor, wahlweise noch den Volkspark.

Doch gegen letzteren Standort wäre zumindest die Mainzer SPD: „Gerade weil viele Familien dieses Jahr wohl nicht in den Urlaub fahren, ist der Volkspark unentbehrlich und sollte nicht für zwei Monate abgesperrt werden.“ Schausteller Sottile hält unter Umständen auch einen Freizeitpark im Umkreis von maximal 20 bis 30 Kilometern rund um Mainz für vorstellbar. Dort sei man auch schon in Verhandlungen, sagt Sottile. Generell komme es aber immer auf die Infrastruktur an, die vor Ort für einen Freizeitpark erforderlich sei. Wo das nun sein könnte, wird sich also in den nächsten Wochen zeigen. (js)

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