Müssen Karstadt und Kaufhof in Mainz schließen?

Rund die Hälfte aller Filialen von Kaufhof und Karstadt soll geschlossen werden. Davon betroffen sein könnten auch Warenhäuser in Mainz und Wiesbaden.

Müssen Karstadt und Kaufhof in Mainz schließen?

Bis zu 80 Filialen der Warenhaus-Kette „Karstadt Kaufhof“ könnten in den nächsten Monaten und Jahren schließen. Das sieht der Entwurf eines Sanierungskonzeptes für das Unternehmen vor, über den mehrere Medien berichteten. Bis zu zehn Prozent der Stellen sollen demnach zusätzlich eingespart werden - vor allem in Reisebüros und bei Karstadt-Sport. Schon Anfang April hatte die Warenhauskette ein Schutzschirmverfahren auf den Weg gebracht. Das Verfahren ist auf Unternehmen zugeschnitten, die eigentlich gesund sind, aber durch besondere Umstände in Schwierigkeiten geraten sind. Der besondere Umstand in diesem Fall: die Corona-Krise.

Laut Jörg Funder, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule Worms, ist der Karstadt-Kaufhof-Konzern in einer dreifach schwierigen Lage. „Klassische Warenhäuser alter Prägung passen nur noch schwer in die heutige Zeit. Sie haben ihre Daseinsberechtigung, aber nicht in dieser Menge.“ Hinzu komme der Zusammenschluss zwischen Kaufhof und Karstadt, der ein Riesenprojekt sei, und schließlich die Corona-Krise.

Was bedeutet das für die Filialen in Mainz und Wiesbaden?

Für zentral organisierte Kaufhäuser wie Karstadt-Kaufhof sei es schwierig, die großen Flächen auf die lokalen Begebenheiten der einzelnen Standorte auszurichten. Zudem seien Kaufhäuser die „letzte Domäne der Gewerkschaften“, die eine starke Mitbestimmung hätten. „Das heißt aber nicht, dass ich ihnen den schwarzen Peter zuschieben will“, so Funder. Allerdings mache das eine Restrukturierung schwieriger.

Der Konzern müsse Verfehlungen früherer Jahre aufholen, was in den letzten zehn Jahren gut gemacht worden sei. „Es wurden Prozesse optimiert, Flächen neu konzipiert“, so Funder. Die Schließung vieler Filialen sei dennoch unumgänglich. „Wir haben in einer Studie vor einigen Jahren bereits errechnet, dass es in Deutschland ein Potenzial für zirka 70 bis 80 Filialen gibt, also die Zahl, die jetzt auch genannt wird.“ Doch was bedeutet das für die Filialen in Mainz und Wiesbaden?

In dem Verfahren müsse jetzt jeder einzelne Standort genau angesehen werden, so Funder. Mainz habe zwei große Häuser mit sehr unterschiedlichen Standortqualitäten: Der Kaufhof habe eine gute Lage am Brand, der Karstadt sei allerdings zu weit abgeschlagen. „Auch wenn es das Einzelhandelskonzept der Stadt Mainz so vorsieht: Der Kunde läuft beim Einkaufen nicht quer durch Mainz.“ Der Komplex rund um Karstadt als Ankermieter wird in den nächsten Jahren umgebaut, die Arbeiten starten bald (wir berichteten). Schließen könnte er dennoch, so Funder: „Ein Schutzschirmverfahren erleichtert auch die vorzeitige Kündigung von noch lang laufenden Verträgen.“

Entscheidung könnte bald fallen

Funder will keine Prognose abgeben, ob eines der beiden Mainzer Häuser schließen muss, könne sich aber eher vorstellen, dass es Karstadt treffen könnte. In Wiesbaden haben laut Funder hingegen beide Häuser eine attraktive Lage. Hier sei die Chance größer, dass beide überleben. „Generell könnte es aber in Mainz und Wiesbaden so laufen, dass sich in Zukunft jeweils eines der Häuser auf ein bestimmtes Sortiment konzentriert und das zweite Haus auf ein anderes Sortiment.“

Klarheit darüber, welche Häuser überleben, gibt es laut Funder wohl schon in vier bis acht Wochen. „Der Gewerkschaft Verdi sollte jetzt der Restrukturierungsplan vorliegen, jetzt entscheidet sich, ob sie ihn mittragen oder nicht.“ Dann wird der Plan den Gläubigern vorgelegt und mit den Mehrheitseignern abgestimmt.

Und vermutlich werden dann viele Mitarbeiter ihren Job verlieren. „In den Häusern, die geschlossen werden, ist das wohl unausweichlich. Sorgen macht mir aber auch, dass in den Bestandsfilialen Personalkosten abgebaut werden sollen“, sagt Funder. „Das Warenhaus steht aber für ein Einkaufserlebnis. Dafür braucht es den Menschen.“

Kritik der Altstadt-SPD

Auch die Mainzer Altstadt-SPD sieht eine drohende Schließung kritisch. „In der derzeitigen Krise sind viele, gerade kleinere Betriebe in wirtschaftliche Notlage geraten und versuchen verzweifelt, sich und ihre Belegschaften durch diese Situation zu retten.“ Die SPD erwarte deshalb gerade von großen Konzernen wie der Signa Holding als Eigentümerin der Warenhäuser, dass sie ihre Standorte und damit auch zahlreiche Arbeitnehmer mit allen Mitteln zu halten versuchen. „Es darf nicht sein, dass der mittelständische Einzelhandel und die Gastronomie in Mainz an ihre Grenzen gehen, um Arbeitsplätze zu erhalten, große Betriebe aber gleichzeitig Massenentlassungen planen“, so die Vorsitzenden der Altstadt-SPD, Lutz Hofer und Marie Kaiser, in einer Erklärung.

Wie es nun genau weitergeht, ist noch unklar. Die Pressestelle von Kaufhof hat auf eine Anfrage bisher nicht reagiert und sich auch sonst noch nicht in der Öffentlichkeit zu den künftigen Plänen geäußert. Insgesamt gibt es deutschlandweit 170 Filialen von Karstadt und Kaufhof, darunter auch in Mainz, Wiesbaden, Frankfurt und Darmstadt. 32.000 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen. (js/df)

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