Wurden muslimische Mädchen an Mainzer Schule während Ramadan diskriminiert?

Aufregung an einem Mainzer Gymnasium: Muslimische Mädchen sollen dort im Zusammenhang mit ihrer Religion diskriminiert worden sein. Beim Landesverband der Muslime sorgt der Fall für Bestürzung. Was der Direktor der Schule sagt.

Wurden muslimische Mädchen an Mainzer Schule während Ramadan diskriminiert?

Wurden zwei muslimische Mädchen an einem Mainzer Gymnasium während des Ramadans im Schwimmunterricht diskriminiert? Das behaupten jedenfalls unabhängig voneinander zwei Väter, deren Töchter gemeinsam mit den muslimischen Mädchen in einer Sportgruppe der Jahrgangsstufe 8 unterrichtet werden, gegenüber Merkurist. Demnach soll die Sportlehrerin den Mädchen nicht erlaubt haben, eine Schwimmprüfung wegen des Ramadans um eine Woche zu verschieben. Stattdessen soll die Lehrerin den Schülerinnen die Note 6 wegen Leistungsverweigerung gegeben haben – obwohl die Mädchen eine schriftliche Entschuldigung der Eltern dabei hatten.

„Kasernenton“ im Unterricht

Über ein solches Vorgehen kann Familienvater Brian* nur den Kopf schütteln. Seine Tochter war in besagter Schwimmstunde mit dabei und habe ihm später alles erzählt. „Wenn Schülerinnen die Wahl haben zwischen ihrem Glauben und der direkten, ins Gesicht gebrüllten Androhung einer 6 ist das mehr als die Ausnutzung persönlicher Macht, das ist Machtmissbrauch.“ Dieses Verhalten stelle den Glauben der Kinder und ihrer Eltern in Frage, sagt Brian. Ohnehin würde diese Sportlehrerin „nicht lange fackeln“ und es herrsche ein Ton wie im Kasernenhof.

Ähnlich beschreibt es Brians Tochter. Es sei „respektlos“ gewesen, wie die Lehrerin mit ihren muslimischen Mitschülerinnen umgegangen sei. „Die Entschuldigung wegen Ramadan ist als völliger Quatsch abgetan worden.“ Wie die Mädchen ihr dann später erzählt haben sollen, hätten sie die Benotung einfach hingenommen. Ihren Eltern hätten sie demnach nicht von dem Vorfall erzählt, aus Angst vor weiteren Konsequenzen seitens der Lehrerin. Auch eine weitere Schülerin, deren Vater sich bei Merkurist gemeldet hat, bestätigt den Vorfall und den von der Lehrerin gepflegten rauen Umgangston während des Unterrichts. Demnach habe die Lehrerin unter anderem andere Entschuldigungsschreiben der Eltern akzeptiert, wonach deren Töchter beispielsweise verletzt gewesen seien.

Die Schreiben der muslimischen Eltern und deren Entschuldigung seien als „Quatsch“ abgestempelt worden. Die Lehrerin, die auch als Personalrätin und Streitschlichterin agiert, soll dann gesagt haben, dass man während des Ramadans sehr wohl schwimmen dürfe. Eigentlich sei dies aber gar nicht das Thema gewesen, sagt die Mitschülerin der muslimischen Mädchen. Denn es sei darum gegangen, dass die Mädchen aufgrund des Fastenmonats etwas geschwächt gewesen seien und deswegen lediglich um Verschiebung der Benotung baten. Auch verbiete die Lehrerin den Schülerinnen generell, während des Sport-Unterrichts etwas zu trinken. Wie sie dann letztlich erfahren habe, erzählt die Schülerin, habe die Lehrerin für ihr Handeln schließlich noch Rückendeckung von der Schulleitung erfahren.

Doch wie bewertet nun der Direktor des betroffenen Gymnasiums den Vorwurf? Auf Anfrage von Merkurist erklärt er: „Ich kenne den Vorfall nicht. Ich halte so etwas für wenig möglich an unserer Schule. Im Ramadan nehmen wir Rücksicht auf unsere muslimischen Schüler.“ Das betreffe sowohl Kursarbeiten als auch den Sportunterricht. Man wolle natürlich nicht, dass dort jemand kollabiert. Die Sportlehrkräfte würden für die Unversehrtheit der Schüler sorgen. Doch wie kann es in diesem Fall nun weitergehen? „Ich möchte die Schüler(innen) beziehungsweise deren Eltern ermutigen, Dinge offen anzusprechen, falls es Probleme geben sollte“, so der Direktor. Der Dialog sei an der Schule sehr wichtig. Dazu habe man auch verschiedene Gremien, die die Anliegen der Schüler sehr ernst nähmen.

Verband der Muslime bestürzt

Beim Landesverband der Muslime e.V. (Schura Rheinland-Pfalz) ist man indes bestürzt über den Vorfall, von dem man bisher jedoch noch nichts erfahren habe. „Dieser Vorfall gibt uns zu denken, ob wir eine erhöhte Dunkelziffer solcher Vorfälle haben“, sagt Vorsitzender Akif Ünal. Natürlich seien die Schülerinnen verpflichtet, „ihren Bildungszielen nachzukommen“. Doch auch die Schule sei verpflichtet, einen schonenden Ausgleich zwischen dem Grundrecht auf Glaubensfreiheit und dem staatlichen Bestimmungsrecht im Schulwesen zu schaffen. Aber die Gewährung der Religionsfreiheit in einer vielfältigen Gesellschaft könne im Schulalltag leider immer noch zu Unsicherheiten führen.

Helfen, solche Vorfälle zu vermeiden, könne ein 2010 vom Bildungsministerium herausgegebenes Informationsblatt, erklärt Ünal. Diese könne als kurze praktische Handlungsempfehlung für den Schulalltag dienen. Sicherlich behandele dieses Faltblatt nicht alle Fälle. Jedoch gebe es einen guten Leitfaden für Konfliktlösungen. Wie Ünal sagt, „sind Vorurteile, Diskriminierungen gegenüber Muslimen ein gesellschaftliches Problem, das sich manchmal in den Schulen widerspiegelt.“ Jeder Fall sei aber zu viel und müsse aufgearbeitet werden.

*Name geändert

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