Trotz „Notlage“: Ärger um verweigerte Toiletten-Nutzung in Mainzer Restaurants

Diesen Moment wird Leserin Lisa wohl in schlechter Erinnerung behalten. Von Menstruationsbeschwerden geplagt erhielt sie trotz Schilderung ihrer Situation in einigen Mainzer Restaurants keinen Zutritt zu den Toiletten. Was die Restaurants dazu sagen.

Trotz „Notlage“: Ärger um verweigerte Toiletten-Nutzung in Mainzer Restaurants

Wer schon einmal in der Stadt unterwegs war und plötzlich dringend eine Toilette benötigt hat, der weiß, dass die Suche danach sehr unangenehm sein kann. Ähnlich erging es nun kurz vor Weihnachten Leserin Lisa (29). Für sie wurde die Suche nach einem sauberen Klo zur Qual.

Wie Lisa berichtet, habe sie plötzlich ihre Periode bekommen und sei deswegen auf ein Klo angewiesen gewesen. „Eine öffentliche Toilette, auf der ich war, war jedoch verdreckt und hatte weder Seife noch Klopapier.“ In ihrer Notlage fragte Lisa dann bei Restaurants in der Mainzer Altstadt an, ob sie deren Toilette benutzen dürfe. Doch obwohl sie ihre Lage „frustriert geschildert“ sowie einen Impfausweis vorgelegt habe, sei sie letztlich abgewiesen worden. „Ich bin zweimal geimpft und hatte einen aktuellen Test dabei und habe sogar noch Geld angeboten für den Toilettengang.“ Dennoch sei ihr dreimal der Zutritt verweigert worden. „Alle sagten, es geht nicht“, berichtet die 29-Jährige. Dafür habe sie aber absolut kein Verständnis.

So beurteilen die Restaurants die Sachlage

Bei zwei von den insgesamt drei Restaurants, die Lisa abwiesen, handelt es sich um das Mosch Mosch und Pizza Hut. Auf Anfrage von Merkurist erklären die Unternehmen nun, warum Lisa keinen Zugang zur Toilette in ihrem Lokal erhielt.

Bei Pizza Hut nimmt man den Vorfall ernst. Wie „Franchise Business Coach“ So-Ra Chang erklärt, habe man Kontakt mit dem Personal des Pizza-Hut-Restaurants in Mainz aufgenommen, um dem Vorfall am 18. Dezember zu prüfen. „Wir bedauern, dass sich die Dame in der unangenehmen Situation befand.“ Aufgrund der Corona-Situation handele das Personal vor Ort mit erhöhter Vorsicht, um die eigenen Mitarbeiter und gleichzeitig auch die Gäste vor Ort bestmöglich zu schützen. „Zudem sorgten drohende Bußgelder bei Nichteinhaltung der lokalen Regelungen ebenfalls dafür, dass das Personal mit erhöhter Vorsicht agiert.“

„In dem Vorfall ist es korrekt, dass die Dame einen Impfausweis vorgelegt hat“, erklärt Pizza Hut-Coach Chang. Jedoch besage die 2G-Plus-Regel, die in Mainz auch zum Zeitpunkt des Vorfalls galt, dass neben dem Impfausweis (bzw. Genesen-Nachweis) auch ein tagesaktuelles Negativ-Testergebnis vorgezeigt werden muss. „Ein tagesaktuelles Negativ-Testergebnis wurde nicht vorgelegt, somit konnte das Personal der Dame leider keinen Zutritt in das Restaurant gewähren.“ Prinzipiell werde bei Pizza Hut allen Menschen der Zutritt zur Toilette gewährt, so Chang. Jedoch müsse das Restaurantpersonal sich in der Corona-Situation an die Regelungen und Vorschriften des Landes halten und entsprechend der Kontrollpflicht nachkommen.

Bei Mosch Mosch hätte die Entscheidung, Lisa auf Toilette zu lassen, durchaus anders ausfallen können, wie eine Managerin des Unternehmens aus Frankfurt erklärt. So habe sie mit dem Restaurantmanager aus Mainz gesprochen. Dieser könne allerdings den Vorfall nicht zeitlich und auch nicht einem bestimmten Mitarbeiter zuordnen. Mosch Mosch erlaube jedoch an sich in solchen Not- beziehungsweise Ausnahmesituationen, zum Beispiel auch bei Müttern mit Kindern, durchaus den Toilettengang unter den jeweils geltenden Coronaregeln der Bundesländer.

Dennoch achte man aktuell, vor allem wegen der Weihnachtsmärkte in der Nähe, verstärkt auf die Coronaregeln - vor allem auch wegen Kontrollen, so die Mosch Mosch-Managerin. Es sei also nicht die Richtlinie des Restaurants, alle Nicht-Gäste abzuweisen, die dringend die Toilette benutzen wollen. Möglicherweise könnte vielleicht aufgrund einer bestimmten Uhrzeit nur ein Koch vor Ort gewesen sein, der sich mit den Richtlinien nicht so gut auskennt wie die Kellner. Wie die Mosch Mosch-Managerin sagt, habe es sich auch der Mainzer Storemanager nicht so richtig erklären können, warum die Kundin abgewiesen wurde, da das Personal durch aus so gebrieft sei, Ausnahmen zuzulassen.

Für Lisa verlief die Suche nach einer sauberen Toiletten trotz aller Unannehmlichkeiten letztlich doch noch erfolgreich. „Ein kleines asiatisches Restaurant, Asia Bamboo, hat mich dann auf Toilette gelassen.“ Dennoch betont die 29-Jährige noch einmal, dass es einfach unangenehm sei, als Frau keinen Zugang zu einer sauberen Toilette zu haben, gerade wenn man zum Beispiel Periodenunterwäsche oder einen Menstruationcup nutzt.“ Sie hoffe jedoch, dass Frauen in einer ähnlichen Notlage in Zukunft auf mehr Verständnis vor Ort treffen.

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