Mainzer Polizisten rassistisch beleidigt

Schlimmer Vorfall am Mainzer Bahnhofsplatz: Mitte Juli wurden zwei Polizisten von einem 25-Jährigen rassistisch beleidigt. Der Mainzer Polizeipräsident Reiner Hamm setzt ein Zeichen.

Mainzer Polizisten rassistisch beleidigt

Es ist mittlerweile keine Seltenheit mehr, dass Polizisten bei ihrer Arbeit beleidigt werden. „Respektlosigkeiten beschäftigen uns immer wieder. Für mich ist es schmerzhaft, wenn Kollegen beleidigt werden“, sagte der Mainzer Polizeipräsident Reiner Hamm bei einer Pressekonferenz am Montagnachmittag. Seltener komme es glücklicherweise vor, dass Beamte rassistisch beleidigt würden. Umso mehr schockierte den Polizeipräsidenten ein Vorfall, der sich am 17. Juli am Mainzer Bahnhofsplatz abspielte.

Was sich am Bahnhof abspielte

Die Polizisten Vanessa B. (27) und Murat A. (29) fuhren am Nachmittag Streife, dabei fiel ihnen ein Mann (25) auf, der sich lautstark mit seiner Freundin stritt. Die Polizisten beobachteten den Vorfall zunächst und gingen dann ruhig auf den Mann zu. „Was wollt ihr Bullen von mir?“, sei die erste Reaktion des Mannes gewesen. Immer wieder habe er die Polizisten angeschrien, beleidigt, sei distanzlos gewesen. „Wir sind die ganze Zeit ruhig geblieben“, sagt Murat A.

Dann beleidigte der 25-Jährige die Polizisten rassistisch. „Ich rede nur mit deutschen Polizisten“, habe er gerufen. Vanessa B. hat afroamerikanische, Murat A. türkische Wurzeln. Die Polizistin forderte Verstärkung an, schließlich kamen fünf weitere Polizisten. Den Beamten ohne Migrationshintergrund gegenüber zeigte er sich kooperativer. Dem Mann wurde ein Platzverweis erteilt, seine Personalien kontrolliert. Als er ging, brüllte er Vanessa B. und Murat A. noch „scheiß Ausländer“ hinterher. Die ganze Zeit über war der Vorplatz voll mit Menschen, die den Vorfall mitbekamen.

„Ein Zeichen setzen“

Das Kuriose: Wie sich herausstellte, ist der 25-jährige Mann selbst Grieche, seine Freundin Türkin. Das hielt ihn aber nicht davon ab, die beiden Polizisten zu beleidigen. Zudem stellte sich heraus, dass er ein Messer bei sich trug, das aber nicht zum Einsatz kam. Behördenchef Reiner Hamm lud die beiden Kollegen zum Gespräch ein, wird in den nächsten Tagen Strafanzeige gegen den Mann stellen. „Ich stelle mich als Behördenchef ganz klar vor die Beamten“, so Hamm. Mit der Pressekonferenz wolle er ein Statement setzen. „Ich akzeptiere keine Beleidigungen von Kollegen.“

Die beiden Beamten hätten sich hochprofessionell verhalten, indem sie ruhig geblieben seien. Auch bei der Pressekonferenz schilderten sie den Vorfall ruhig. „Die Beleidigungen haben uns schon getroffen. In diesem Ausmaß habe ich das zum ersten Mal erlebt“, sagt Murat A. Häufiger komme es sogar vor, dass er bei der Arbeit von Menschen mit Migrationshintergrund als Verräter bezeichnet werde, weil er bei der Polizei arbeite.

Von solchen Vorfällen wollen sich Vanessa B. und Murat A. aber nicht ihren Job vermiesen lassen. Vanessa B. sagt: „Es war mein Kindheitstraum, Polizistin zu werden. Und ich bin es immer noch gerne.“ (pk)

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