„Das Plus muss weg!“ – Gastronomen protestieren gegen aktuelle Regelungen

Seit die 2G-plus-Regelung in Gastronomie und anderen Betrieben eingeführt ist, verzeichnen einige Branchen massive Umsatzeinbrüche. Die Gastronomen machten heute ihrem Unmut in Mainz lautstark Luft.

„Das Plus muss weg!“ – Gastronomen protestieren gegen aktuelle Regelungen

Geimpft, genesen – und getestet: Nur dann darf man etwas essen gehen, ins Schwimmbad oder ins Fitnessstudio. Spontane Restaurantbesuche sind damit unmöglich geworden, den Betrieben bleiben die Gäste weg. Ausgenommen sind lediglich diejenigen, die bereits eine Auffrischungsimpfung erhalten haben.

Viele, vor allem kleinere Betriebe, bieten seitdem nur noch To-Go-Betrieb an, einige haben die Öffnungszeiten reduziert, wie etwa das Café Raab in Gonsenheim: „Aufgrund der weiterhin sehr angespannten Lage im Café Raab sehen wir uns leider gezwungen, einen weiteren Tag zu schließen“, heißt es auf der Facebookseite. Geöffnet ist das Café nun nur noch donnerstags bis sonntags. Dazu ein Bild des Gastraums vor zwei Tagen: gähnende Leere. Das Restaurant „Im Herzen Afrikas“ in der Gaustraße schließt komplett bis zum 4. Januar. Grund: „die Corona-Auflagen“. „Bullys Burger“ in der Parcusstraße will auf reinen To-Go-Betrieb umstellen (wir berichteten). „Die Gastronomie ist wieder einmal mehr grundlos zum absolutem Sündenbock auserkoren worden“, heißt es in einem Facebook-Post. Das Eisgrub in Mainz teilt mit, Testtermine für die Gäste zu vereinbaren. Ihr Vorteil: Direkt nebenan befindet sich eine Teststelle von Schnelltest Deutschland.

80 Prozent weniger Hotelgäste

„Es tut brutal weh“, sagt auch Malte Budde, General Manager im Hyatt Regency Mainz. 50 bis 60 Prozent weniger Gäste kommen in das Restaurant, 80 Prozent weniger ins Hotel. Feiern wurden abgesagt, vor allem Geschäftskunden blieben weg. „Wer um ein Uhr nachts in Hotel kommt, kann nirgendwo mehr einen Test machen“, so Budde. „Dann gehen die Menschen halt nach Wiesbaden in ein Hotel. Denn in der Nachbarstadt gilt – wie in vielen anderen Bundesländern – weiterhin die 2G-Regel, also ohne Test. Das Hyatt könne den Verlust – im Gegensatz zu vielen kleineren Betrieben – zwar auffangen, doch muss sich auch Budde darum sorgen, dass die Mitarbeiter verschwinden.

Ihren Unmut machten die Gastronomen am Dienstagvormittag in Mainz Luft: Der rheinland-pfälzische Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hatte dazu aufgerufen, sich auf dem Ernst-Ludwig-Platz vor dem Landtag zu versammeln: „Das Gastgewerbe kocht vor Wut, das Plus muss weg!“ hieß es in der Einladung zur Kundgebung. 150 Betriebe aus Rheinland-Pfalz hatten sich kurzfristig angemeldet, mindestens 200 Menschen waren gekommen. „Wir sind in größter Not“, rief Gereon Haumann, der Geschäftsführer der Dehoga, ins Mikrofon. „Von 20 Monaten Pandemie war die Gastronomie neun Monate lang geschlossen. Und diese 2G-plus-Regelung ist ein faktischer Lockdown.“

RKI empfiehlt 2G

Im Gespräch mit Merkurist erklärt Haumann, dass es kein einziges großes Infektionsgeschehen in der Gastronomie gegeben habe. „Das RKI hat klar 2G empfohlen.“ 150.000 Beschäftigte in Gastronomie und Tourismus seien nun betroffen, viele seien wieder in Kurzarbeit. Finanzielle Hilfen für die Betriebe kämen oft spät, was die Arbeitslosigkeit nach oben treiben werde. 70 bis 90 Prozent Umsatzausfall gebe es, tausende Arbeitsplätze seien gefährdet, so Haumann.

Ihre Forderungen wollen die Gastronomiebetriebe nun an Clemens Hoch (SPD), Minister für Wissenschaft und Gesundheit in Rheinland-Pfalz, übergeben. „Meine Erwartungshaltung ist klar, er hat alles in der Hand“, so Haumann.

Auch Malte Budde vom Hyatt hält auf der Kundgebung weiter das Plakat hoch. Viele seiner Mitarbeiter sind gekommen, sogar Kollegen von außerhalb. „Für uns ist das Plus ein Minus“, skandieren die Protestler. Und: „Keine Infektion, keine Schließung“, „Wir sind keine Corona-Leugner“. Budde sagt:„Die Politik ist einen Schritt zu weit gegangen.“ Was er sich wünscht, seien einheitliche Regelungen. Denn die Situation für die Gastronomie ist nun schon zum dritten Mal sehr schwierig geworden.

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