Noch etwas mehr als eine Woche, dann findet wieder die Johannsisnacht (19. bis 22. Juni) in Mainz statt (wir berichteten). Zu dem Fest zu Ehren von Johannes Gutenberg werden auch dieses Jahr Tausende Besucher erwartet. Viele davon kommen, um auf das Volksfest am Rheinufer zu gehen und dort die großen Fahrgeschäfte zu testen, die es nicht auf jeder Kerb gibt. Doch unter Umstäden werden diese Highlight-Fahrgeschäfte in den nächsten Jahren in Mainz nicht mehr dabei sein.
Denn die geplante Sanierung des Mainzer Rheinufers sorgt für einen handfesten Konflikt. Während die Stadt zwischen dem Fischtorplatz und der Rheingoldhalle mehr Grünflächen schaffen und Beton reduzieren will, schlagen die Schausteller Alarm. Sie befürchten, dass die Pläne das Aus für große Fahrgeschäfte auf Traditionsfesten wie dem Rhein-Frühling und der Johannisnacht bedeuten könnten.
„Eine Schande“: Schausteller sehen Feste in Gefahr
Die Neugestaltung hätte zur Folge, dass für mehrere große Attraktionen kein Platz mehr wäre. „Außer dem Riesenrad wären dann auch das Kettenkarussell und der Autoscooter betroffen“, erklärt der Vorsitzende der Mainzer Schausteller, Marco Sottile, gegenüber Merkurist. Auch kleinere Fahrgeschäfte und bis zu 30 weitere Stände seien bedroht. „Es ist eine Schande, die Volksfeste wären dann nicht mehr attraktiv genug und nicht mehr konkurrenzfähig.“
Obwohl er und seine Kollegen an einem Kompromiss interessiert seien, habe man bisher keine gemeinsame Lösung mit der Stadt gefunden. Sottile fragt sich, warum ausgerechnet dieser Abschnitt umgestaltet werden soll, während es an anderer Stelle, etwa am Zollhafen, eine echte „Betonwüste“ gebe. Sollte die Stadt keine Kompromissbereitschaft zeigen, erwägen die Schausteller eine Klage. Es gehe um ihre Existenz und um die Tradition, denn ohne die großen Attraktionen würden die Besucher ausbleiben.
Sottile verweist zudem darauf, dass die Schaustellerkultur seit diesem Jahr als immaterielles Kulturerbe in Deutschland anerkannt sei. „Und das kriegt man nicht einfach mal so zuerkannt“, betont er. Von dem Versprechen des Oberbürgermeisters Nino Haase, eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung zu finden, habe er bisher nichts gemerkt.
Haase: „Stadt braucht Veränderung“
Oberbürgermeister Nino Haase zeigt sich im Gespräch mit Merkurist hingegen zuversichtlich: „Ich bin überzeugt davon, dass wir einen Kompromiss finden, der beides abdecken kann.“ Die großen Fahrgeschäfte könnten sicherlich an einem anderen Ort, aber weiterhin am Rheinufer aufgestellt werden. Dies werde intensiv mit den Fachämtern diskutiert. Gleichzeitig betont Haase die Notwendigkeit, in einer dicht besiedelten und stark versiegelten Stadt wie Mainz neue Grünflächen zu schaffen, um die Lebensqualität zu erhöhen und auf den Klimawandel zu reagieren. „Natürlich unter anderem auch am Rheinufer. Da wohnen viele Menschen, und deswegen muss man das auch entsprechend entwickeln“, so Haase. Es gebe immer diese Diskrepanz zwischen einer Stadtplanung und einer Aufstellfläche.
„Wir leben 340 Tage im Jahr ohne Jahrmarkt. Da müssen wir schon schauen, dass wir auch in dieser Zeit für die Menschen ein lebenswertes Rheinufer bieten“, so Haase. Es sei eine Abwägung, die man treffen müsse. Wenn die Baustelle am Rathaus verschwinde, würden viele Flächen wieder frei. Haase bittet um Vertrauen und versichert, dass man gemeinsam mit den Schaustellern eine Lösung finden werde: „Eine Stadt braucht auch immer ein bisschen Veränderung. Aber am Ende werden wir einen Kompromiss finden, auch Lösungen am Ufer – gemeinsam mit den Schaustellern.“ Letzlich müsse man aber auch dem Rechnung tragen, dass eine Stadt in warmen Sommern lebenswert bleibt und den Menschen Möglichkeiten zur Naherholung unmittelbar in der Nähe ihres Wohnortes bietet, so Haase.
Marco Sottile ist von den Aussagen des OBs noch nicht überzeugt. „Den Kompromiss muss man deutlich vor der Umgestaltung des Rheinufers finden.“ Zu den Flächen, die wieder frei werden sollen, wenn die Baustelle am Rathaus verschwindet, hat Sottile eine klare Meinung: „Das wird nicht funktionieren, weil das Rheinufer hinterm Rathaus unterspült ist.“ Deshalb müsse man also unbedingt schon vorher Möglichkeiten ausloten, welche Flächen in Frage kommen und nicht die Lösung suchen, wenn es zu spät ist, sagt Sottile. Denn Mainzer Bürger und Unternehmer bräuchten Planungssicherheit.