Kurz vor Beginn der Marktfrühstück-Saison hat Merkurist den Mainzer Oberbürgermeister zum Interview getroffen. Haase verrät, was er vom neuen Standort am Schillerplatz hält, was das Marktfrühstück der Stadt Mainz bringt und wie er über Kritik in Sachen Lärm und Müll rund um das Marktfrühstück denkt.
Merkurist: Wie finden Sie denn die Entscheidung, dass es vom Leichhof auf den Schillerplatz geht?
Nino Haase: Ich möchte einen bekannten Fastnachtssänger zitieren, den Ignaz aus der aktuellen Kampagne: Wann wird das Frühstück wieder richtig? Ich freue mich, wenn wir irgendwann wieder an den richtigen Ort des Marktfrühstücks zurückkehren können.
Was stört Sie am Schillerplatz?
Ich wünsche dort einen guten Erfolg. Es war eine Entscheidung, die zusammen mit den Winzern getroffen wurde. Ich wünsche mir aber eigentlich, dass alle Standorte möglichst nah am Markt sind. Ich hoffe, dass wir am Schillerplatz auch das Thema mit dem Verkehr in den Griff bekommen. Das halte ich dort für nicht ganz leicht. Man muss sich mal vorstellen, gerade bei den ersten Marktfrühstücksevents im März, April, Mai, wenn das Wetter gut ist, sind da eben Tausende Leute. Das ist nicht ganz trivial.
Genau dies zeigt sich schon gleich zu Beginn, wenn der eigentlich für den 14. März geplante „Start“ des Marktfrühstücks am Schillerplatz nun kurzfristig um eine Woche verschoben werden muss, weil wir am selben Tag zwei größere Demonstrationen in der Innenstadt haben. Da das Demonstrationsrecht sehr hoch gewichtet wird und zudem ein Aufzug durch die Stadt samt Schillerplatz angemeldet wurde, entfällt die geplante Premiere am Schillerplatz nach Rücksprache mit den Sicherheitsbehörden, um jegliche Gefährdung auszuschließen.
Sie wirken skeptisch, was den Schillerplatz angeht.
Der Gutenberg-Express fährt am Leichhof. Am Schillerplatz fahren Busse. Wir werden sehen, ob die Verlegung einen Vorteil bringt. Aber langfristig freue ich mich, wenn wir wieder einen Standort haben, der dem ursprünglichen näherkommt. Ich fand es am Leichhof immer recht entspannt. Klar, die ersten Male war es immer super voll, und dann hat man die Gutenberg-Bahn in der Mitte. Ob die Verlegung nun eine Verbesserung darstellt, werden wir sehen. Ansonsten müssen wir nach weiteren Alternativen suchen.
Denken Sie denn, dass zwei Standorte für das erste Marktfrühstück reichen?
Das ging wohl organisatorisch nicht anders. Aber ich glaube tatsächlich, dass drei Standorte zur Entzerrung schon sehr viel beitragen.
Am Fischtor hat sich bei uns ein Anwohner beschwert, dass das gesunde Maß an Lärmbelästigung teilweise überschritten werde. Wie sehen Sie das?
Ich bin ebenso Anwohner. Und um ehrlich zu sein, ich kriege es überhaupt nicht mit. Klar, ich nehme Kritik ernst. Aber ich nehme auch ernst, dass wir eine Veranstaltung dieser Art in der Stadt haben wie das Marktfrühstück, das uns wirklich überregional bekannt macht, das die Menschen anzieht, Identität stiftet. Dass auch solche tollen Events nicht nur positive Begleiterscheinungen haben, weiß ich auch. Ich sehe auch Wildpinkler. Und ich sehe, dass vielleicht nicht alle perfekt ihren Müll mitnehmen. Wenngleich ich sagen muss, dass gerade die Wiese am Fischtorplatz nach einem Event eigentlich ziemlich gut aussieht – dafür, dass dort hunderte Leute sind. Und es sind Familien da, junge Leute, Studierende. Wir haben keine laute Musik, es gibt dort keine Lautsprecher.
Können Sie die Ablehnung denn nachvollziehen?
Ich kann die Ablehnung in dieser Form nicht nachvollziehen. Wir haben in den letzten Jahren schon vieles entschärft. Wir haben das Event verkürzt. Das geht jetzt samstags bis 16 Uhr – in einer deutschen Großstadt! Wenn man nicht mehr aushält, dass ein paar 100 Leute schnattern, lachen und ein bisschen Wein trinken und dann gehen und sonntags niemand mehr da ist – dann bin ich langsam an dem Punkt, dass ich sage: Das muss man in einer Großstadt einfach mal akzeptieren.
Es ist eine außerordentlich positive, friedliche Atmosphäre, die dort ausgestrahlt wird. Und diese Lebensfreude gehört zu Mainz. Und wenn das manchen Menschen zu viel Lebensfreude ist, dann tut es mir leid.
Welche Vorteile bringt das Marktfrühstück der Stadt Mainz?
Das Marktfrühstück trägt dazu bei, dass Menschen in die Stadt kommen, wir sehen es beim Handelsumsatz insgesamt. Wir sehen es aber auch in der Hotellerie, dass wir dort in den letzten Jahren steigende Umsatzzahlen und Übernachtungszahlen haben.
Seit wie viel Jahren gibt es das Marktfrühstück in der Form? 20 Jahre ungefähr. Und ich habe wirklich noch nie Ausschreitungen, Aggressivität oder sonst irgendwelche Vorfälle erlebt. Es gibt Idioten, es gibt Wildpinkler und da erwischen wir übrigens auch immer relativ viele. Aber in der Summe ist das so eine friedliche, gewinnbringende, lebensbejahende Veranstaltung, dass ich mich freue, dass wir sie haben. Und wir werden sie schützen.
Danke für das Gespräch, Nino Haase.
Das Interview führten Ralf Keinath und Peter Kroh.