Mainz 1945: Als das Feuer vom Himmel fiel

Mit 435 Bombern flog die Royal Air Force über Mainz hinweg und legte die Stadt in Schutt und Asche. Heute jährt sich der Tag des britischen Bombenangriffs zum 75. Mal.

Mainz 1945: Als das Feuer vom Himmel fiel

Selbst heute nach 75 Jahren sind im Stadtbild von Mainz noch etliche Narben des Zweiten Weltkriegs zu sehen, mit denen die Stadt im wörtlichen Sinne „gebrandmarkt“ wurde. Eine davon: die Kirche St. Christoph in der Hinteren Christofsgasse. Sie wurde bis auf ihre Grundmauern zerstört und ist für die nachfolgenden Generationen ein Mahnmal. Doch nicht nur die Kirche fiel dem wohl schwersten Angriff auf Mainz im Jahr 1945 zum Opfer.

Mainz in Flammen

Um 16:30 Uhr begann der Angriff - und dauerte nur 15 Minuten. Das alte Mainz gab es danach nicht mehr. 425 Bomber der britischen Royal Air Force flogen am 27. Februar den Angriff auf Mainz und warfen dabei knapp 1500 Tonnen an Bomben ab, die die Stadt in ein reines Flammenmeer verwandelten. In einem gewaltigen Flächenbrand bildete sich in der Großen Bleiche und Umgebung ein Feuersturm: Durch die Hitze stieg Luft nach oben und zog Frischluft nach, die das Feuer nur weiter anfachte - die Große Bleiche verwandelte sich für die Menschen in eine brennende Hölle. Augenzeugen berichteten von einer brennenden Stadt, deren Flammen sich wie eine einzige Fackel nach oben zusammenschlossen. Verbranntes sei bis nach Gonsenheim geflogen.

Mehr als 1200 Menschen starben, darunter auch der gesamte Konvent des Kapuzinerinnenklosters. 80 Prozent der Innenstadt wurden bei diesem Angriff zerstört. Das gerade renovierte Alice-Krankenhaus wurde dem Erdboden gleichmacht. Unter den Trümmern im historischen Stadtzentrum ragte nur der Dom nahezu unversehrt empor - er hatte lediglich Schäden am Dach.

Tod im Luftschutzkeller

Insgesamt waren am Schicksalstag vor 75 Jahren 2600 alliierte Bomber und Jagdflugzeuge im deutschen Luftraum. Die aus Sachsen und dem Ruhrgebiet zurückkehrenden Bomber der US-Luftflotte und der eigens auf Mainz angesetzte Kampfverband der Briten wurden vom deutschen Flugmeldedienst zu spät gemeldet. Hilflos fliehende Menschen konnten das Brummen der Bomber schon fast hören, so berichteten Zeitzeugen. Bombensichere Luftschutzräume in den Kellern der Mainzer Aktienbrauerei und der Sektkellerei Kupferberg blieben nahezu ungenutzt - 4000 Einwohnern hätten diese Bunker bei rechtzeitiger Alarmierung Schutz geboten.

Viele Menschen atmeten auf, wenn sie Schutz gefunden hatten, jedoch boten Luftschutzkeller weniger Schutz als tieferliegende Bunker. Zwar waren die Keller mit Durchbrüchen verbunden, teils sogar durch ganze Viertel, aber viele trauten sich nicht, im Dunkeln durchzuklettern. Das Warten auf Rettung wurde somit zur tödlichen Erstickungsfalle. Auch wurden viele Ausgänge verschüttet und die Menschen blieben in den Kellern gefangen. Im Neubrunnenhof gab es 200 Tote. Im Keller des Kapuzinerinnenkloster in der Gymnasiumstraße starben 40 Nonnen und ihre Oberin - kniend im Gebet.

Am 22. März 1945 war der Krieg für Mainz zu Ende: Einheiten der Wehrmacht zogen sich über den Rhein aus der Stadt zurück oder kapitulierten vor der 3. Amerikanischen Armee. Bis Juli 1945 blieb Mainz unter amerikanischer Verwaltung, danach wurde die Stadt unter französische Verwaltung gestellt. Von 154.000 Einwohnern (Stand 1939) blieben 76.000 - viele Mainzer kehrten erst Jahre später wieder zurück.

Schwere Angriffe vor 1945

Der Angriff heute vor 75 Jahren war zwar der schlimmste auf Mainz, jedoch bei weitem nicht der erste: Bis Ende 1944 durchpflügten bereits über 7000 Tonnen Bomben das Mainzer Stadtgebiet. Im Jahr 1940 flogen zum ersten Mal Bomben auf Mainz. 1941 trafen weitere viele Stadtteile und den Hauptbahnhof. Der erste schwere Angriff fand am 12. August 1942 statt: Britische Bomber warfen 134 Tonnen Brandbomben und 203 Tonnen Sprengbomben auf die Innenstadt. Insgesamt starben bei den Angriffen 2800 Menschen.

Anlässlich des 75. Jahrestags der Zerstörung von Mainz zeigt das Stadthistorische Museum Mainz im Stadthaus Große Bleiche von 27. Februar bis 9. April Fotografien der zerstörten Stadt. Der Eintritt ist kostenlos. (df)

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