Als das „Skylab“ auf Mainz zu stürzen drohte

Wo wird das Weltraumlabor „Skylab“ abstürzen? Sind die tonnenschweren Trümmer eine Gefahr für Mainz und das Rhein-Main-Gebiet? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Magazin „Der Spiegel“ im Jahr 1979. Was es damit auf sich hat.

Als das „Skylab“ auf Mainz zu stürzen drohte

„Skylab stürzt zur Erde. Gefahr für Mainz?“ Das prangte in großen weißen und gelben Lettern auf dem Titel der „Spiegel“-Ausgabe vom 2. Juli 1979. Daneben eine auf die Stadt zurasende Raumstation, im Hintergrund zu erkennen die Mainmündung und die Südbrücke. Einzelne Bauteile haben sich schon gelöst und drohen auf die Erde zu stürzen. Denn vor 40 Jahren ging im Rhein-Main-Gebiet die Angst um. „Weltraumpanik“, wie es das Magazin damals nennt. Könnte das US-amerikanische Weltraumlabor hier abstürzen? Würden Menschen durch Trümmer verletzt werden?

In ihrer neun Seiten langen Titelgeschichte beleuchteten die Redakteure des Magazins damals die mögliche Gefahr aus dem All. Das „Skylab“, ein 77 Tonnen schweres und 36 Meter langes Weltraumlabor, war 1973 von der US-Amerikanern in den Äther geschossen worden. Es war laut „Spiegel“-Artikel „das erste bemannte Himmelslabor“. Drei Mannschaften hatten im „Skylab“ geforscht und unter anderem die Sonne beobachtet.

„Skylab soll herunter, je eher, desto besser.“ - Weißes Haus in Washington

Sonnenwinde, die die Forscher ebenfalls beobachteten, wurden dem „Skylab“ schließlich zum Verhängnis, sie trieben die Raumstation in Richtung Erde. 1974 war das Labor bereits zu einem „Geisterschiff“ geworden, bis 1977 verlor es immer weiter an Höhe und geriet schließlich ins Trudeln. Per Funk stabilisierten NASA-Techniker die Lage des Himmelslabors ein letztes Mal. Doch 1978 gab die US-amerikanische Weltraumagentur NASA schließlich bekannt, dass man das Labor nicht mehr retten könne. Und das Weiße Haus in Washington fällte die Entscheidung: „Skylab soll herunter, je eher, desto besser.“ Ersten Prognosen zufolge sollte es aber nicht vor 1983 abstürzen. Wo und wann genau der Absturz erfolgen sollte, war aber schwer zu sagen.

Absturzort 50. Breitengrad?

Als ein möglicher Absturzort wurde aufgrund der Bahnen, die die Raumstation zog, der 50. Breitengrad errechnet. In Deutschland hätte dies unter anderem Mainz betroffen. Doch auch andere Städte wie Stuttgart, Bayreuth oder München hätten von Trümmern getroffen werden können. „Stürzt Skylab auf Mainz? Denkbar. Die Kreisbahnen des Himmelslabors überziehen einen Erdgürtel, der bis 50 Grad nördlicher (und 50 Grad südlicher) Breite reicht“, schrieb der „Spiegel“. Und weiter: „Auch die zwei Tonnen schwere bleierne Filmkassette (in der die Skylab-Himmelsaufnahmen gegen kosmische Strahlung abgeschirmt wurden) wird als bombengleiches Geschoß ankommen - kann sein, im Dachstuhl eines Hauses am Mainzer Ballplatz. Außer diesen beiden werden insgesamt noch zehn schwere Skylab-Trümmer erwartet. Die beiden halbmannshohen Steuerkreisel etwa und einige tonnenschwere Sauerstofftanks - wie, wenn einer davon ins nahegelegene „Heute“-Studio schlüge, neben Frau Dr. Weges Wetterkarte? Wird Heinrich Schiemann kommentieren?“

„Weltraumpanik“ in Mainz: Für die Schüler solle es schulfrei geben, damit sie sich in Sicherheit bringen könnten, lautete ein Vorschlag des hessischen CDU-Politikers Walter Korn. Eine weitere Empfehlung: „Das deutsche Volk solle am Krisentag gewissenhaft Radio hören“, so der Bonner Stab für besondere Lagen. Doch so mancher nahm es laut Artikel auch mit Humor: „Begründete Angst oder nur weltweite Hysterie? Ein Reisebüro im Rhein-Main-Gebiet warb mit dem Slogan: ‘Skylab kommt! Vergessen Sie Ihre Angst im sicheren Skandinavien!’“, heißt es weiter. Die NASA setzte ein Manöver in Gang, um den Koloss in unbewohnte Gegenden zu bewegen und dort abstürzen zu lassen. Und das gelang auch.

Denn letztlich blieben die Ängste unbegründet. „Skylab“ stürzte am 11. Juli 1979 ab - allerdings nicht über dem Rhein-Main-Gebiet, sondern südöstlich von Perth in Australien. Dort gingen die Trümmer in den frühen Morgenstunden nieder, verletzt wurde niemand. (js)

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