Warum eine ehemalige Kneipe aufruft, Michael Ebling nicht zu wählen

Eine Woche vor der bevorstehenden OB-Wahl mischt sich plötzlich eine ehemalige Mainzer Altstadtkneipe in den Wahlkampf ein. Warum der Betreiber dazu aufruft, auf keinen Fall Michael Ebling zu wählen und wie sich dieser dagegen wehrt.

Warum eine ehemalige Kneipe aufruft, Michael Ebling nicht zu wählen

Ein provokativer Facebook-Post der ehemaligen Altstadt-Kneipe Viva Moguntia sorgt derzeit für Aufsehen. Darin ruft das Viva seine ehemaligen Gäste auf, bei der kommenden Wahl auf keinen Fall Michael Ebling zu wählen. Auch bei einer eventuell bevorstehenden Stichwahl sollen, laut Post, vor allem junge Wähler Ebling keine Stimme schenken. Das begründet der Verfasser damit, dass Ebling „einen wesentlichen Anteil an der Schließung unserer Gastronomie hatte“. Weiter heißt es, Ebling habe die über 3000 gesammelten Unterschriften gegen die Schließung ignoriert, zudem habe der zuständige Leiter des Rechts- und Ordnungsamtes der Kneipe mit „sehr umstrittenen und fragwürdigen Methoden sehr zugesetzt“.

Das Viva Moguntia musste Ende Juni diesen Jahres endgültig schließen, nachdem es über Jahre hinweg immer wieder zu Beschwerden von Anwohnern gekommen war (wir berichteten). Unter dem Post ist eine Diskussion entbrannt. Doch was sagt Ebling selbst zu den Vorwürfen?

Schließung war richtig und notwendig

Der OB bestätigt zunächst, dass die Stadtverwaltung die Schließung der Kneipe vorangetrieben hatte. Als Grund nennt er die durch das und rund um das Viva herrschenden Umstände: Pöbeleien, an Hauswände urinierende Gäste und extreme Lärmbelästigung. Ebling betont allerdings, dass der Schließung zahllose erfolglose Gespräche und Versuche, mit dem Betreiber eine Lösung herbeizuführen, vorangegangen seien.

„Ich bin bekanntermaßen für Gaststätten und Kneipen in der Stadt und für einen oder auch zwei gepflegte Schoppen in unserer schönen Altstadt oder am Rhein oder auf dem Marktfrühstück zu haben“, stellt er klar. „Wenn es aber in der Altstadt eine einzige Kneipe und einen einzigen Wirt gibt, der sich nicht an Regeln hält und über den wir über Jahre hinweg zahllose und kontinuierliche Anwohnerbeschwerden erhalten haben, muss konsequent eingeschritten werden. Dies hat das Ordnungsamt getan.“ Außerdem sei es letztendlich zu einer einvernehmlichen Einigung über die Schließung zwischen der Stadt und dem Betreiber gekommen. Doch was sagt er zu der Anschuldigung, mehr als 3000 Unterschriften ignoriert zu haben?

„Eine Unterschriftenliste allein kann nicht dazu führen, dass die Verwaltung ihr rechtmäßiges und notwendiges Verhalten ändert. Auch und gerade die Interessen der Bewohner dieses Teils der Altstadt waren hier höher zu bewerten und diese Menschen waren vor dem VIVA und ihren Gästen zu schützen.“

Unberechtigte Vorwürfe

Laut Ebling hatte die vom Viva Moguntia ausgehende Lärmbelästigung konsequent das Maß überschritten, das für eine Kneipe angebracht sei. Die Kneipengäste hätten kontinuierlich über die Stränge geschlagen. „Zudem scheint der Betreiber sich mit der Schließung nicht komplett abfinden zu wollen: Nach der Schließung veranstaltete er weiterhin Privatpartys“, so Ebling weiter. Die letzte dieser Art habe erneut von Polizei und Ordnungsamt beendet werden müssen, samt einer Strafanzeige gegen den ehemaligen Betreiber.

Der Vorwurf, der zuständige Leiter des Rechts- und Ordnungsamtes habe „umstrittene und fragwürdige Methoden“ eingesetzt, hat laut dem OB weder Hand noch Fuß. „Diese Behauptung verbreitet der ehemalige Betreiber schon seit längerem, ohne auch nur ansatzweise darzulegen, was er damit meint. Sofern er auf die eingeleiteten Ordnungswidrigkeiten-Verfahren oder die Schließung der Gaststätte rekurriert, so wäre es für ihn möglich gewesen, diese einer gerichtlichen Überprüfung zu unterziehen. Das hat er - wohl aus gutem Grund - unterlassen.“

Auf die Nachfrage von Merkurist, sich zu dem Facebook-Post zu äußern, reagierte der ehemalige Viva-Betreiber bisher nicht. (rk)

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