Mombacher Hochbrücke als grüner Hot Spot: Wie realistisch ist die Idee?

Umnutzung statt Abriss: Diese Idee eines Architekturbüros für die Mombacher Hochbrücke kam gut an. Der Mombacher Ortsvorsteher muss die Hoffnung auf eine neue grüne Lunge im Stadtteil aber dämpfen.

Mombacher Hochbrücke als grüner Hot Spot: Wie realistisch ist die Idee?

„Mega Idee“, „Ich sag nur: Wow“ und „Bitte sofort so umsetzen“ - so und ähnlich euphorisch reagierten viele Merkurist-Leser auf die Idee, aus der Mombacher Brücke einen grünen Treffpunkt für alle Mainzer zu machen. Das Wiesbadener Architektur- und Designbüro „3deluxe“ hatte diese Zukunftsvision für die Brücke, die eigentlich abgerissen werden soll, in der vergangenen Woche veröffentlicht (wir berichteten). Doch wie realistisch ist dieser Plan?

„Ich fand die Idee als solche wunderbar“, sagt der Mombacher Ortsvorsteher Christian Kanka (SPD) dazu. „Ein neuer grüner Lungenzug würde Mainz an dieser Stelle sehr gut tun.“ Hoffnung, dass die Hochbrücke tatsächlich umgebaut wird, hat er aber nicht.

„Selbstverständlich wäre es mir lieber, dass die Brücke bleibt und sinnvoll genutzt wird. Das ist aber ein Wunsch, der in der Realität nicht beziehungsweise kaum umsetzbar ist.“ - Christian Kanka, Mombacher Ortsvorsteher

„Selbstverständlich wäre es mir lieber, dass die Brücke bleibt und sinnvoll genutzt wird. Allerdings ist das ein Wunsch, den wohl ein Großteil von uns hat, der aber in der Realität nicht beziehungsweise kaum umsetzbar ist“, sagt Kanka. Das liege daran, dass der verbaute Spannstahl in der Brücke anfällig für Risse sei, was das Bauwerk zum Einsturz bringen könnte. Wann das passiert, könne man laut einem Gutachten auch mithilfe von vielen Kontrollen nicht vorhersagen. „Das halte ich für höchst beunruhigend und gefährlich und bin andererseits erleichtert darüber, dass sich die zuständigen Ämter der Stadtverwaltung diesem Problem mit höchster Priorität angenommen haben“, so der Ortsvorsteher weiter. Es gehe dabei um die Sicherheit der sich darunter bewegenden Menschen, Fahrzeuge aber auch der Gebäude - das dürfe man bei „all der Träumerei von einer Umnutzung“ nicht vergessen.

Laut Kanka kommt wohl nur der bereits geplante Abriss der Brücke in Frage. Und selbst dieses Vorhaben sei kompliziert. „Schon der Abriss wird eine riesige Herausforderung für alle werden, wegen der sich darunter befindenden Straßen, Gleise und Gebäude und zudem auch ziemlich teuer“, erklärt er. „Ein dementsprechender Neubau der Hochbrücke wäre schon aus finanziellen Gründen kaum begründbar, auch im Hinblick auf die Folgekosten.“

Stadt äußert sich nicht dazu

Die Stadt selbst äußert sich nicht zu der Vision des Architekturbüros. „Solche Ideenvorschläge von gewerblichen Büros kommen bei vielen vergleichbaren Baumaßnahmen“, sagt Stadtpressesprecher Ralf Peterhanwahr auf Anfrage. „Derlei kommentieren wir nicht.“ Kanka kann das verstehen. Auch er bezweifelt, dass im Ortsbeirat eine ernsthafte Diskussion darüber entstehen wird. „Man muss auch bedenken, dass sobald sich der Ortsbeirat oder der Stadtrat mit Anträgen oder Anfragen zu diesem Thema beschäftigt, sich dann auch die entsprechenden Fachämter mit diesen Themen auseinandersetzen müssen“, erklärt er. „Das kostet die jeweiligen Ämter viel Zeit. Das halte ich im vorliegenden Fall, wegen der Gefährlichkeit eines nicht vorhersehbaren Einsturzes, für mehr als bedenklich.“

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