Corona-Krise trifft Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen hart

Behindertenwerkstätten und soziale Einrichtungen sind von den Sicherheitsmaßnahmen rund um die Corona-Krise stark betroffen. Ein großes Problem für die Betriebe: Viele Menschen mit Behinderung sind Risikopatienten.

Corona-Krise trifft Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen hart

Die Schutzmaßnahmen wegen des Coronavirus legen einige Teile der Gesellschaft bis auf Weiteres lahm (wir berichteten). Betroffen sind nicht nur Gastronomen und viele weitere Betriebe in Mainz, auch Werkstätten für Menschen mit Behinderungen müssen nun besondere Maßnahmen ergreifen.

Die Gesellschaft für Teilhabe und Integration „in.betrieb“ führt zwei integrative Kindertagesstätten sowie Werkstätten für Menschen mit Behinderungen in Hechtsheim und Nieder-Olm. „in.betrieb“-Geschäftsführer Michael Huber sagt gegenüber Merkurist: „Alle Gemeinschaftseinrichtungen für Menschen mit Behinderung sind per se stark betroffen; die meisten unserer betreuten Personen sind Risikopatienten oder sollten als solche betrachtet werden.“ Die integrativen Kitas seien seit Montag geschlossen, hier wurde vorübergehend eine Notbetreuung eingerichtet.

Risiko soll vermieden werden

Am Dienstag wurde außerdem auf Empfehlung des Landes Rheinland-Pfalz eine Tagesförderstätte geschlossen - hier würden normalerweise 55 Schwerst- und Mehrfachbehinderte betreut. Außerdem wurde am Dienstag beschlossen, die Werkstätten in Mainz und Nieder-Olm vorübergehend zu schließen. „Wir sehen in den dort betreuten Menschen ebenfalls per se eine Risikogruppe und möchten eben jedes mögliche Risiko in unserer Verantwortung vermeiden“, so Huber. Lediglich eine ambulante Wohnbegleitung sei noch tätig, um Menschen in ihrem privaten Wohnumfeld zu begleiten.

In den Werkstätten von „in.betrieb“ sind 580 Menschen mit geistiger Behinderung beschäftigt. Dazu kommen rund 130 Fach- und Verwaltungskräfte. Insgesamt trägt die Gesellschaft die Verantwortung für 900 betreute Personen und 300 Angestellte. Maßnahmen wie Home Office seien lediglich für Führungskräfte möglich. Rund 95 Prozent der „in.betrieb“-Angestellten seien in direkter Betreuung tätig oder würden diese Betreuung koordinieren und begleiten - hier sei das klassische Home Office daher nicht immer möglich.

Auch „gpe“ muss starke Einschränkungen vornehmen

Auch der soziale Dienstleister „gpe“ ist von den Corona-Schutzmaßnahmen betroffen. „Wir haben eine große Verantwortung unseren Werkstattbeschäftigten gegenüber“, sagt Jörg Greis, Geschäftsführer der gpe Gesellschaft für psychosoziale Einrichtungen gGmbH in Mainz. „Erstens haben wir als Werkstatt einen Betreuungsauftrag, und zweitens haben viele der Beschäftigten aufgrund von Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko, schwer zu erkranken.“ Rund 330 Menschen mit Behinderung und noch einmal so viele Mitarbeiter ohne Behinderung sind bei „gpe“ angestellt.

Deshalb gibt es in verschiedenen gpe-Einrichtungen seit Montag (16. März) deutliche Einschränkungen. Die Entscheidung hierfür habe sich der gpe-Krisenstab nicht leicht gemacht. „Wer uns kennt, weiß, dass wir sehr gewissenhaft und verantwortungsvoll mit solchen Überlegungen umgehen“, so Greis. „In diesem Fall steht der Schutz vor einer Infektion eindeutig im Vordergrund.“ Sorgfältige Desinfektionsmaßnahmen stünden ebenso auf dem Programm wie eine mögliche Vermeidung des Kontakts mit Virenträgern.

Viele Einrichtungen bleiben geschlossen

Der „Gast Hof Grün“, ein Café und Mittagsrestaurant in der Mainzer Neustadt, empfängt deshalb keine Gäste mehr. Hier sind in Küche und Service Menschen mit Behinderung im Einsatz. Sie werden zwischenzeitlich anderweitig beschäftigt oder durchlaufen individuelle Schulungen. Dasselbe gilt für die Stadtkantine im Stadthaus sowie die Schul- und Kitaverpflegung. Auch einige Unterstützungs- und Beratungsangebote entfallen: So finden in der ergotherapeutischen Praxis der gpe vorerst keine Gruppenangebote mehr statt, und auch der „Kaffeeklatsch“ in der Tagesstätte des Gemeindepsychiatrischen Zentrum muss ausfallen.

Im „Café unplugged“, einem Beratungscafé für junge Menschen bis 27 Jahre, bleibt der offene Bereich geschlossen. „Davon betroffen sind ausgerechnet die niederschwelligen Angebote“, sagt Leiter Christopher Haas. Alle Programmpunkte und die Erstberatungsgespräche im „unplugged“ sind gestrichen. Die Erstberatung findet nun allerdings verstärkt via Telefon unter der Nummer 06131-9067600 statt. Die Einschränkungen gelten vermutlich bis zum 20. April.

Bis auf Weiteres geöffnet bleiben die Integrationsbetriebe der gpe: die „natürlich“-Biomärkte in Mainz und Ingelheim, die CAP-Märkte in Mainz-Weisenau und Jugenheim, das Hotel „INNdependence“ in der Mainzer Oberstadt, das Bistro „Citadelle“ auf der Zitadelle und das Café „Karl“ in Ingelheim.

Weitere Informationen teilen „in.betrieb“ und „gpe“ auf ihren Webseiten mit. (df)

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