Wie ein Mainzer Startup Kleidung neues Leben gibt

Mit seinem Startup VinoKilo schenkt Robin Balser aus Bodenheim Kleidungsstücken „ein neues Leben“. Hinter dem Namen steckt ein ungewöhnliches Konzept.

Wie ein Mainzer Startup Kleidung neues Leben gibt

Das Lager des Startups VinoKilo im Laubenheimer Gewerbegebiet wirkt von außen wie eine unscheinbare Industriehalle. Doch darin hängen in diffusem Licht reihenweise Kleidungsstücke an langen Stangen übereinander, bunte Lichterketten beleuchten die Aluminiumregale. Die internationalen Teammitglieder von VinoKilo beziehen Secondhand-Mode aus aller Welt, bereiten sie in ihrem sogenannten „Warehouse“ von Hand auf und verkaufen sie.

Das Startup VinoKilo wurde vor drei Jahren von Robin Balser gegründet. Er kennt das Konzept, Kleidung nach Gewicht zu verkaufen, aus den Niederlanden. Dort hatte er vor ein paar Jahren ein Klamotten-Tauschgeschäft. Als er das Geschäft aufgab und im November 2015 zurück nach Mainz zog, musste er die übrig gebliebene Ware loswerden. Im geräumigen Wohnzimmer eines Freundes in der Neustadt verkaufte er die Kleidung zu Kilopreisen. Es schien gut anzukommen, schon damals kamen 450 Besucher. Ein zweites Event folgte im Schon Schön und schließlich meldete er seine Firma an. Da auf den Kilosale-Events auch Wein ausgeschenkt wird, kam er auf den Namen VinoKilo.

Was kostet ein Kilo Vintage-Kleidung?

„Wir haben jetzt dreijähriges Bestehen und seitdem 100 Tonnen Kleidung ein neues Leben gegeben“, so Balser. Seitdem habe sich der Umsatz jährlich verdoppelt, erzählt er. In diesem Jahr seien insgesamt 140 Events in Deutschland, Österreich, Luxemburg, Niederlande und Skandinavien geplant. Kleidung nach Kilo zu kaufen sei eine Art Spiel für die Kunden, beobachtet Balser. „Sie stehen am Ende vor der Waage und fiebern mit, was es wohl wiegt. Und dann sind sie glücklich, wenn es doch nicht so viel kostet, wie sie dachten.“

Die Preise seien außerdem transparent: „Wir unterscheiden nicht nach Marken. Jedes Kleidungsstück ist individuell, aber der Preis ist immer gleich. Es ist wie eine Schatzsuche, das ist der Spaß dabei.“ Zurzeit sei die Vintage-Kleidung auf den Events für 30 Euro pro Kilo erhältlich. Ein T-Shirt kostet demnach etwa fünf Euro, eine Jeans je nach Größe um die 18 Euro, ein Flanellhemd circa neun Euro. Pro Wochenende würden so etwa zwei Tonnen Kleidung wiederverwertet, schätzt Balser.

Nachhaltiger Konsumkreislauf

Es gehe ihm nicht darum, mit einzelnen Verkäufen großen Gewinn zu machen, er wolle vielmehr eine große Masse erreichen. „Je mehr Menschen wir für Secondhand begeistern können, desto größer ist der Impact auf die Umwelt“, so Balser. Einen nachhaltigen Konsumkreislauf unterstützt er schon seit langem. Stolz zeigt er seine Schuhe und erzählt: „Meine Lederschuhe haben einfach die entsprechende Qualität und ich kann immer zum Schuhmacher gehen und sie reparieren lassen.“

„Kleidungsstücke wurden nicht kreiert, um weggeschmissen zu werden.“ – Robin Balser

Laut VinoKilo wirft jeder Deutsche durchschnittlich zwölf Kilo Kleidung im Jahr weg. „Ich persönlich würde viel mehr Geld ausgeben für Sachen, die länger halten. Ich glaube nicht, dass Kleidungsstücke kreiert wurden, um weggeschmissen zu werden“, sagt er. So kam Balser zu der Mission, weggeworfene Kleidung vor der Entsorgung zu retten. Um noch mehr Menschen zu erreichen, ist VinoKilo vor einem Jahr auch online gegangen. Von Laubenheim aus wird die dort bestellte Vintage-Kleidung nach ganz Europa versandt.

(rk/ps)

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