„QueerWein“-Initiative von Grünen-Ministerin sorgt für Kritik

Mit der Initiative „QueerWein“ will Grünen-Ministerin Binz einen weiteren Schritt hin zu mehr Gleichberechtigung und Akzeptanz von queeren Lebensweisen einleiten. Doch die Aktion des Familienministeriums kommt nicht bei jedem gut an.

„QueerWein“-Initiative von Grünen-Ministerin sorgt für Kritik

Neue Offensive für die „Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt“ in Rheinland-Pfalz: Familienministerin Katharina Binz (Grüne) will nun queere Lebensweisen auch in der „Weinwelt“ stärken. Mit der neuen Initiative „QueerWein Rheinland-Pfalz soll diese Vielfalt im Bundesland jetzt sichtbarer gemacht werden. „Ich lade alle lesbischen, schwulen, bisexuellen, transidenten, intergeschlechtlichen und nichtbinären Winzerinnen und Winzer aus Rheinland-Pfalz ein, mir gute Weine vorzuschlagen“, erläutert David Profit, Staatssekretär und Landesbeauftragter für gleichgeschlechtliche Lebensweisen und Geschlechtsidentität (LGBTIQ*), die Zielsetzung der Initiative.

Initiative sorgt für Kritik

Aus den vorgeschlagenen Weinen sollen dann, wie das Familienministerium mitteilt, zwei Weine ausgewählt, angekauft und ein Jahr lang bei repräsentativen Anlässen verschenkt werden. Rund 500 Flaschen Wein zum Preis von maximal zehn Euro (pro Flasche) will das Ministerium dann selbst ankaufen. Beteiligen an der „QueerWein Rheinland-Pfalz“-Initiative können sich alle Weingüter in Rheinland-Pfalz, „in denen queere Menschen in verantwortungsvoller Position tätig sind“, gibt das Familienministerium bekannt.

Doch die Initiative der Grünen-Ministerin kommt nicht bei allen gut an. Vor allem die ehemalige Bundeslandwirtschaftsministerin und ehemalige Vorsitzende der CDU in Rheinland-Pfalz, Julia Klöckner, kritisiert das Vorgehen. Auf Twitter reagiert sie beinahe hämisch mit einem „Nah bei de Leut“ auf die Initiative. Dann legt sie noch einmal nach. „Unsere Winzer an der Ahr treibt ganz Anderes um: Keller sind komplett weggespült worden von der Flut, ganze Ernten verloren gegangen. Da steht die sexuelle Identität nicht im Vordergrund“, sagt Klöckner in der „Bild“. Im Übrigen habe auch die Güte eines Weines damit nichts zu tun. „Ich glaube, dass durch solche Aktionen den berechtigten Anliegen der Queerszene eher ein Bärendienst erwiesen wird“, schätzt die Politikerin die Situation ein.

Auch bei den Nutzern der sozialen Medien sorgt die „QueerWein“-Initiative für Verwunderung. So kommentiert eine User: „Vielleicht sollte die Landesregierung lieber mal eine queere Straßenbaukolonne ausschreiben, damit die Vielfalt der Straßen im #Ahrtal wieder sichtbar wird?“ Ein weiterer User meint: „Selbst als Gay interessiert es mich nicht, wer das keltert, die Qualität zählt.“ Und der Account „queer.de“ meint: „Endlich mal eine berauschende Akzeptanzkampagne.“

Wie die Winzer reagieren

Beim Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V. freut man sich indes zwar grundsätzlich über Aktionen, die das Thema Wein in den Fokus rücken, sagt Sprecher Andreas Köhr. Doch ob es tatsächlich so etwas („QueerWein“) brauche, sei die Frage. Denn unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung seien ja auch sonst alle Winzer bei allen Wettbewerben und Ausschreibungen dabei. Aber kommt die Aktion unter den rheinland-pfälzischen Winzern bisher gut an? „Dazu haben wir aktuell noch überhaupt keine Rückmeldungen erhalten“, sagt Köhr.

Dem LGBTIQ*-Landesbeauftragten Profit gehe es beim „QueerWein“ aber vor allem auch darum, für Akzeptanz zu werben. „Obwohl unsere Gesellschaft in den letzten Jahren offener geworden und die rechtliche Gleichstellung vorangekommen ist, erfahren lesbische, schwule, bisexuelle, transidente, intergeschlechtliche und nichtbinäre Menschen immer noch auch Diskriminierungen“, so Profit. Der „QueerWein“ sei somit ein Beitrag für mehr Selbstverständlichkeit.

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