2005: Die verrückte Geschichte hinter der Mainzer Tor-Show in Bochum

Ein Fußball-Comic zu einem Bundesliga-Spiel zwischen dem VfL Bochum und Mainz 05 wurde 2005 zum Kult. Denn Zeichner Guido Schröter sagte ein völlig irres Endergebnis falsch vorher – und hatte doch den richtigen Riecher.

2005: Die verrückte Geschichte hinter der Mainzer Tor-Show in Bochum

Wenn am Samstag der VfL Bochum den 1. FSV Mainz 05 zum ersten Spiel der neuen Bundesliga-Saison empfängt, dürfte Comiczeichner und Autor Guido Schröter wohl ganz genau hinsehen. Denn als beide Teams 2005 zum ersten Mal in Bochum in einem Bundesligaspiel aufeinandertrafen, erfüllte sich eine völlig verrückte Prophezeiung Schröters, die ihm und vielen Mainzer Fans bis heute in Erinnerung geblieben ist. Wobei: Eigentlich erfüllte sich Schröters Ergebnisstipp gar nicht richtig – doch gerade das macht diese Geschichte nur noch verrückter.

Am 30. April 2005 reiste der FSV mit Trainer Jürgen Klopp zu einem entscheidenden Spiel im Bundesliga-Abstiegskampf nach Bochum. In seiner ersten Saison als Bundesligatrainer der 05er hatte Klopps Bekanntheit in Deutschland zwar rasch zugelegt, der gefeierte Welttrainer von heute war er da aber noch nicht. Stattdessen haftete Klopp der Ruf des modernen, von Statistiken getriebenen Trainers an. So erinnert sich Comiczeichner Schröter noch heute an Klopps Image zurück, wie er in einem aktuellen Interview auf der Website von Mainz 05 berichtet.

Klopps Duell mit dem Kult-Trainer

Schröter, der zu dieser Zeit in den Stadionzeitungen einiger Bundesligisten seine Comics veröffentlichte, griff dieses Image Klopps vor dem Spiel auf. „Das habe ich dann in den Comic eingebunden, in dem Klopp, als junger, moderner Trainer komplexere Statistiken verwendet, während sich (Peter) Neururer (damals Bochum-Trainer *Anm. d. Red.), als erfahrener Trainer auf simple Statistiken beruft und das Ganze auf das Toreschießen reduziert“, erklärt er heute. Im Comic von damals sagt Kult-Trainer Neururer am Ende des Spiels zu Klopp: „Und alles sechs Jahre schießen wir mal sechs Tore in einem Spiel… Und das ist heute.“ In den Hintergrund seiner Zeichnung setzte Schröter eine Stadion-Anzeigetafel, auf der das Ergebnis eingeblendet steht: 6:2 für den VfL Bochum. Nach 90 verrückten Minuten in Bochum stand am späten Nachmittag Ende April 2005 tatsächlich das Endergebnis 6:2 auf der Anzeigetafel – doch nicht der VfL hatte den Kantersieg eingefahren, sondern Mainz 05.

Und Guido Schröter? Der saß an diesem Nachmittag mit Freunden zusammen und bekam zunächst nicht mit, dass das völlig ungewöhnliche Endergebnis 6:2 tatsächlich zustande gekommen war. Im Interview auf der 05er-Website erinnert er sich zurück: „Abends haben wir dann aber die Sportschau geguckt. Als die Torfolge kam, versank ich immer mehr im Fernsehsessel und als das 2:6 fiel, hatte ich Ganzkörper-Gänsehaut und dachte: ‘Das kann doch nicht wahr sein.’“ Dass der FSV das Spiel so hoch gewann und nicht wie vorhergesagt der VfL Bochum, fand der Comiczeichner dann „fast noch besser“.

Und diesmal?

Während die Mainzer mit dem haushohen Sieg den Klassenerhalt praktisch sicher hatten, stiegen die Bochumer am Ende der Saison 2004/2005 in die zweite Bundesliga ab. Guido Schröter zeichnete nicht mehr für die VfL-Stadionzeitung, was allerdings nichts mit seiner verfehlten Prophezeiung zu tun hatte: „Ich habe aber ohnehin nicht mehr viel für Stadionzeitungen geschrieben, als ich anfing, für die Süddeutsche Zeitung zu arbeiten. Fans haben sich damals auch nicht bei mir gemeldet, ohne die sozialen Medien war das aber auch nicht so einfach“, sagt er heute. Doch was tippt Schröter für das anstehende Bundesligaspiel zwischen dem VfL und Mainz 05? „Ich könnte mir vorstellen, dass Mainz 6:2 gewinnt“, sagt er im Scherz und schiebt nach: „Nein, so etwas wiederholt sich nicht!“

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