Wofür ist der Mittelstreifen in der Großen Langgasse?

Der Mittelstreifen in der Großen Langgasse ist in erster Linie als Querungshilfe für Fußgänger gedacht. Doch dürfen ihn auch Autos mitbenutzen?

Wofür ist der Mittelstreifen in der Großen Langgasse?

Zwei Jahre lang wurde die Große Langgasse in der Mainzer Altstadt umgebaut, ehe sie Ende 2019 wieder in beide Fahrtrichtungen freigegeben wurde. Ziel der Maßnahmen war es, die Straße für Fußgänger und Fahrradfahrer attraktiver zu machen. Seitdem gibt es auch einen etwa 1,50 Meter breiten Mittelstreifen. Doch welchen Zweck erfüllt er eigentlich?

Userin „Mainzel Frau“ schreibt in ihrem Snip: „Autofahrer benutzt zum Überholen von zwei Radfahrern (18 kmh) den Mittelstreifen.“ Eine der Radfahrerinnen sei sie selbst gewesen. „Wir waren kurz vorm Kreisel und er gab richtig Gas, um vor uns wieder einzuscheren. Die Situation war gefährlich und rücksichtslos.“ Zum einen sei der Autofahrer also zu schnell unterwegs gewesen, zum anderen habe er den Mittelstreifen mitbenutzt. War letzteres erlaubt oder nicht?

Stadt-Pressesprecher Ralf Peterhanwahr sagt auf Merkurist-Anfrage: „Der überfahrbare gepflasterte Mittelstreifen ist im Wesentlichen als Querungshilfe für den Fußgänger vorgesehen.“ Allerdings könne er tatsächlich auch für Überholvorgänge von Autofahrern mitgenutzt werden. „Fahrstreifen und Mittelstreifen sind durch unterschiedliche Materialien optisch voneinander abgegrenzt, es ist jedoch keine durchgezogene Linie aufgebracht, die ein Befahren des Mittelstreifens grundsätzlich untersagen würde.“

„Konzept hat sich bewährt“

Große Fahrzeuge können den Mittelstreifen zudem auch beim Abbiegen mitnutzen. Dadurch gebe es mehr Flexibilität im Straßenverkehr. Voraussetzung ist natürlich, dass das Tempolimit und ein Sicherheitsabstand eingehalten werden, was im Beispiel der Leserin offensichtlich nicht der Fall war.

Wie Pressesprecher Peterhanwahr sagt, habe sich das Konzept schon vorher in anderen Städten bewährt. „Auch in Mainz hat die Verwaltung den Eindruck, dass ein funktionierendes Miteinander von motorisiertem und nicht motorisiertem Verkehr entstanden ist.“ Der Ausbau in einer Ebene vermittele dem Fußgänger nicht das Gefühl, auf einer für ihn reservierten Fläche zu stehen. Andererseits biete es die Möglichkeit, die Straße in zwei Etappen queren zu können.

Ein anderes Thema ist jedoch der Kreisel in der Großen Langgasse, den es ebenfalls seit dem Umbau gibt. Zwar lägen es derzeit noch keine Hinweise vor, dass er häufiger überfahren werde. Doch ist das laut Peterhanwahr nicht auszuschließen. „Die Minikreisel sind im übrigen so konzipiert, dass die Insel von größeren Fahrzeugen, deren Schleppkurve für die schmale Fahrbahn ohnehin zu groß ist, bei Bedarf auch überfahren werden darf.“ Die Verwaltung werde stichprobenartig prüfen, ob hier ein Problem vorliegt.

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