Rätsel um Autokennzeichen auf Flyer der Stadt Wiesbaden

Eine Version des Wiesbadener Flyers zu einem Bauprojekt sorgte bei einigen Bewohnern für Verwirrung: Auf diesem war ein Auto mit dem Kennzeichen „MIL HH 88“ zu sehen. Hinter „HH 88“ könnte man „Heil Hitler“ vermuten. Doch wie kam dies auf den Flyer?

Rätsel um Autokennzeichen auf Flyer der Stadt Wiesbaden

Die Boelckestraße in Mainz-Kastel soll in den nächsten Jahren von zwei auf vier Spuren ausgebaut werden. Die Stadt Wiesbaden wirbt mit einem Flyer für den Ausbau der Straße, der an die Anwohner verteilt wurde. Doch ein Detail auf dem Bild irritiert. Auf dem Nummernschild des Autos ist das Kennzeichen „MIL HH 88“ zu sehen. Sowohl "HH" als auch "88" sind laut Bundeszentrale für politische Bildung im Neonazi-Milieu Abkürzungen für "Heil Hitler". Auf Autokennzeichen findet man diese Kombination deshalb nicht mehr oder nur noch selten. Doch warum ist ein solches Kennzeichen auf einem Flyer der Stadt Wiesbaden abgebildet? Was sagt die Stadt dazu?

Auf Merkurist -Anfrage erklärt ein Sprecher des Verkehrsdezernats: „Üblicherweise werden in entsprechenden Flyern der Landeshauptstadt Wiesbaden überhaupt keine Kennzeichen dargestellt. Aus diesem Grund wurde auch kein Wiesbadener oder Mainzer Kennzeichen verwendet.“ Zudem sei es in dieser Art von Grafiken schon aus Datenschutzgründen nicht üblich, Kennzeichen oder Teile davon zu zeigen. Demnach spielt auch „MIL“, was für den Kreis Miltenberg steht, eigentlich keine Rolle. Im Fall des Flyers zur Boelckestraße sei ein Retuschieren des Fahrzeugs versäumt worden, so der Sprecher. „Gemeinsam mit der beauftragten Agentur, die den entsprechenden Flyer entworfen hat, wurde inzwischen der Entstehungsvorgang nachvollzogen.“

Wie konnte es dazu kommen?

Dabei habe sich herausgestellt, so der Sprecher der Stadt Wiesbaden, dass der zuständige Grafiker das Bild über eine Internetsuche gefunden habe, um die Grafik nicht individuell in einer 3-D-Software anfertigen zu müssen. Dieses Bild habe der Grafiker der Agentur spontan ausgewählt, ohne dass er von dem Zusammenhang der Buchstabenreihenfolge etwas gewusst habe, erklärt der Sprecher.

„Auch bei der späteren Abnahme des Bildes im Team der Agentur sowie beim Tiefbau- und Vermessungsamt der Landeshauptstadt Wiesbaden ist das Kennzeichen niemandem aufgefallen“, sagt der Sprecher. Üblicherweise werden Zahlenkombinationen wie diese im politisch rechten Spektrum als Codes verwendet, um eigentlich strafbare Äußerungen zu tätigen, ohne dafür belangt zu werden. Zahlenkombinationen stehen hier zumeist im Zusammenhang mit der Ordnungszahl eines Buchstabens im Alphabet. Dass die Zahlen-Zeichen-Kombination auf dem Fahrzeug aus der rechten Szene stammt, bestreitet die Stadt aber nicht. „Die Zahl ‘88’ steht in diesem Zusammenhang für ‘HH’ – ‘Heil Hitler’“, so der Sprecher. „Dieser Umstand hat etwa dazu geführt, dass inzwischen in zahlreichen Bundesländern die Vergabe solcher KFZ-Kennzeichen verboten wurde. Ein ‘Erfolgsfaktor’ bei der Platzierung eines solchen Codes ist es aber, dass diese Strategie gerade nicht allgemein bekannt ist.“

Eine Sache betont der Sprecher allerdings: „Insgesamt distanzieren sich die beauftragte Agentur sowie das Tiefbau- und Vermessungsamt der Landeshauptstadt Wiesbaden ausdrücklich von entsprechend rechtem Gedankengut.“ Das Kennzeichen sei inzwischen aus der Grafik herausretuschiert und eine neue Grafik in den Sozialen Medien eingestellt worden. (df)

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