„bft“-Tankstelle wird Pop-Up-Location

Ausstellungen, Vorträge und Pfefferminzlikör - dort, wo im vergangenen Jahr noch getankt wurde, mischt inzwischen das Kollektiv „Substanz der Stadt“ mit einem bunten Programm auf.

„bft“-Tankstelle wird Pop-Up-Location

Seit August letzten Jahres sind die alte „bft“- Tankstelle sowie die angrenzende Autowerkstatt „Reifen Rauch“ in der Rheinallee offiziell geschlossen. Doch mittlerweile tut sich wieder etwas in den leerstehenden Räumen. Das Mainzer Kollektiv „Substanz der Stadt“ hat sich die Räumlichkeiten der Tankstelle zu Nutze gemacht und dort im April eine Pop-Up-Location mit einem gemischten Programm aus Kunst und Kultur eröffnet.

Betritt man die ehemalige Tankstelle, so sind links in einem abgetrennten Raum viele Flaschen gefüllt mit grünem Pfefferminzlikör zu sehen. Ansonsten ist der Eingangsbereich mit ein paar Pflanzen sowie einigen wenigen Sitzgelegenheiten bestückt. Der Psychologiestudent Frederic Pohl, der Teil von „Substanz der Stadt“ ist, beschreibt den Raum als „Get Together“. Besucher sollen sich hier begegnen und miteinander in Kontakt kommen können. Außerdem wurde einer der Räume, die sich im ersten Stock der alten „bft“-Tankstelle befinden, sowie die angrenzende Werkstatt zu Ausstellungsräumen umfunktioniert.

Was steckt hinter „Die Substanz der Stadt“?

Wer die „Substanz der Stadt“ schon länger kennt, weiß um ihren ehemaligen Pop-Up-Store in der Leibnizstraße der Neustadt. Mit dem Raum, den die sieben Freunde, die laut Frederic das „Hauptteam“ der „Substanz der Stadt“ bilden, letzten Sommer von Ende Juni bis Ende Juli gemietet hatten, fing nämlich alles so richtig an. Vorläufer dafür war die Herstellung eines eigenen Pfefferminzlikörs. „Initiiert wurde das eigentlich alles von Jonas, der wollte ein wertiges, lokales Produkt herstellen und das wurde dann am Ende dieser Pfeffi“, erzählt Frederic. Gemeint ist Jonas Müller-Kriz, der von Beruf Designer ist, und gemeinsam mit der Unterstützung seiner Freunde vor einigen Jahren einen eigenen Pfefferminzlikör herstellte. Frederic beschreibt den entstandenen Pfefferminzlikör als „Freundschaftsprodukt“, das weniger dem Zweck diente, direkt durchstarten zu wollen, sondern vielmehr ein Ergebnis aus Spaß und „Rumexperimentieren“ gewesen sei.

Daraufhin folgte die Idee, den Verkauf des eigenen Pfefferminzlikörs in ein größeres Projekt zu integrieren.„Irgendwann haben wir festgestellt, dass relativ viele Räume, in denen wir uns freizeitmäßig oder kulturell bewegt haben, nicht mehr da sind beziehungsweise zugemacht haben: die Planke Nord, das Gebäude 27 und auch andere Clubs in Mainz“, erklärt Frederic. Die Gruppe hatte das Gefühl, dass sich trotz einiger großer Feste in Mainz, kaum mehr kleine Lokalitäten finden ließen, die man in der Freizeit anlaufen könne. „Irgendwann dachten wir in unserem Freundeskreis, wir wollen was dagegen tun, einfach irgendwas tun, nicht nur rumsitzen“, erzählt der 26-Jährige weiter. Die Freunde wollten einen Ort schaffen, an dem sich Menschen in ihrer Freizeit gerne aufhalten und eröffneten hierfür ihren ersten Pop-Up-Store in der Leibnizstraße. Dort verkauften sie den Likör und zeigten kleinere Ausstellungen.

Das Projekt

Ursprünglich sollte bloß der Pfefferminzlikör den Namen „Substanz der Stadt“ tragen, doch irgendwann dachten die Freunde, dass der Name viel besser zu dem ganzen Projekt passen würde - der grüne Likör heißt nun „starke Minze“. Anfangs sei alles noch etwas unorganisiert gewesen und es sei noch nicht ganz klar gewesen, wohin die Reise des Projekts „Substanz der Stadt“ gehen sollte. Doch Frederic und seine Freunde erhielten schnell Zuspruch und viel positives Feedback. „Wir haben den Bedarf und den Erfolg bei der Sache gesehen und es war toll, dass so schnell so viele Leute zusammenkamen“, berichtet Frederic. „Also haben wir weitergemacht, uns besser strukturiert und professionalisiert“. Die „Substanz der Stadt“ sei aber kein profitorientiertes Projekt. Mit dem Geld, was die Freunde mit dem Verkauf des Likörs oder durch Spendengelder einnehmen, werden Miete, Renovierung oder sonstige Kosten beglichen: „Alles bleibt also in einem Kreislauf“, so Frederic.

Was erwartet Besucher in der alten Tankstelle?

Auf die ehemalige Tankstelle in der Rheinallee als ihren neuen Pop-Up-Store kam die „Substanz der Stadt“ per Zufall. Bis der Bau abgerissen wird, dürfen Frederic und seine Freunde die Räumlichkeiten noch bis Ende August für ihre Veranstaltungen nutzen. Neben dem hauseigenen Pfefferminzlikör und der Probeversion eines T-Shirts wird es künftig eventuell noch weitere Getränke sowie Merchandise-Produkte zu kaufen geben. Außerdem gibt es regelmäßig verschiedene Kunst- und Fotoausstellungen, es werden Filme gezeigt oder Vorträge gehalten. Auch Konzerte von DJs, Singer-Songwritern oder Jazzmusikern sowie eine Kleider- und Pflanzentauschparty habe es bereits in der ehemaligen Tankstelle gegeben. „Wir sind dabei sehr offen und wollen nicht nur eine Szene abdecken - es gibt also keine Grenzen“, sagt Frederic. Mit ihrem Konzept möchte das Kollektiv „Substanz der Stadt“ lokalen Künstlern und Kulturschaffenden Raum bieten, ihre Ideen umzusetzen und mit interessierten Menschen in Kontakt zu kommen. „Uns ist es wichtig, etwas Schönes aus leerstehenden Räumen zu machen.“

Dienstags, donnerstags und freitags können Interessierte von 18 bis 22 Uhr die ehemalige Tankstelle besuchen. Samstags hat der Pop-Up-Store von 15 bis 22 Uhr geöffnet. (df)

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