Werden Tauben in der Osteinunterführung vergrämt?

Viele ärgern sich über die Verschmutzung in der Osteinunterführung am Hauptbahnhof. Dafür verantwortlich sind allem Anschein nach vor allem die zahlreichen Tauben. Was die Stadtverwaltung dagegen tut.

Werden Tauben in der Osteinunterführung vergrämt?

Graffiti, Urin, Zigarettenstummel: Der Anblick der Osteinunterführung, die Kaiser-Wilhelm-Ring und die Mombacher Straße verbindet, ist für viele Mainzer ein Graus. Gerade die Hinterlassenschaften von Tauben sind vielen ein Dorn im Auge. Auch ein Merkurist-Leser fragt sich in seinem Snip: „Was passiert mit der Taubenplage und der daraus folgenden ekligen Verschmutzung des Gehweges in der Osteinunterführung?“

Wie Ralf Peterhanwahr, Pressesprecher der Stadtverwaltung, auf Anfrage von Merkurist mitteilt, werde die Fahrbahn unterhalb der Eisenbahnbrücke zwei- bis dreimal wöchentlich gereinigt. Zuständig sei hier der Entsorgungsbetrieb. „Die Reinigung des Bürgersteiges erfolgt ebenfalls, aber in geringerem Umfang.“ Oberhalb der Straße und der Gehwege sei die Deutsche Bahn zuständig, da die Eisenbahnbrücke zu ihrem Gelände gehöre.

Doch kann die Stadt etwas gegen die Tauben tun, die sich in der Unterführung niederlassen? Dies war im Februar Thema im Stadtrat, konkret in einer Anfrage der Grünen-Fraktion. Darin heißt es: „Die Stadt Mainz arbeitet hier seit geraumer Zeit mit der Stadttaubenhilfe Mainz zusammen. Im vorigen Jahr konnte in der Anne-Frank-Schule ein Taubenschlag eingerichtet werden.“ Auch die Parken in Mainz GmbH (PMG) sei seit einigen Monaten mit der Stadttaubenhilfe in Kontakt, um in Mainzer Parkhäusern weitere Taubenschläge zu errichten.

Stadt vergrämt Tauben nicht

Eine Vergrämung oder Vertreibung finde vonseiten der Stadt an der Osteinunterführung nicht statt, so Peterhanwahr. Dies falle hier nicht in den Zuständigkeitsbereich, da sich das Gelände im Besitz Dritter befinde. Laut der Grünen-Anfrage aus dem Februar sind im vergangenen Jahr allerdings Maßnahmen für eine Vergrämung angestoßen worden. So seien Fangnetze angebracht worden. „Von Seiten der Stadttaubenhilfe Mainz und des Tierschutzvereins Mainz und Umgebung war zu hören, dass diese Maßnahme ohne Absprache erfolgte“, heißt es weiter. Bei der Installation der Netze seien mehr als 30 Tauben eingeschlossen worden und „qualvoll verendet“.

Doch wer war für das Anbringen der Netze zuständig? Die Stadt verwies damals an die Deutsche Bahn und fügte hinzu, dass ihr ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz nicht bekannt sei. „Für die Installation der Fangnetze muss das Fachunternehmen eine Genehmigung nach dem Tierschutzgesetz einholen und in der Folge auch die ordnungsgemäße Durchführung der Maßnahme überwachen und verantworten.“

Deutsche Bahn hat Fangnetze angebracht

Wie eine Sprecherin der Deutschen Bahn gegenüber Merkurist bestätigt, seien die Netze tatsächlich im Dezember 2019 angebracht worden - zur Vergrämung der Vögel. Grund dafür waren Bauarbeiten, die an der Überführung durchgeführt werden mussten. „Um den Eingriff in den Lebensraum der Tiere so gering wie möglich zu halten, wurden die Instandsetzungsarbeiten in den Dezember – außerhalb der sensiblen Brutzeit – gelegt.“ In Zusammenarbeit mit einer Mitarbeiterin des Tierheims haben Mitarbeiter die Brücke dann nach Taubengelegen abgesucht. „Die dabei aufgefundenen zwei Jungtiere wurden zur weiteren Pflege ins Tierheim gebracht.“

Die Arbeiten an der Brücke, die noch immer andauern, finden überwiegend am Tage statt, so die Sprecherin. „Die Netze der Taubenvergrämung werden regelmäßig kontrolliert und ‘gefangene’ Tauben in enger Abstimmung mit der Stadttaubenhilfe Mainz befreit.“ Anders als in der Anfrage der Grünen beschrieben, sei der Verein beim Anbringen der Netze vor Ort gewesen. „Er überzeugt sich bei sporadischen Besuchen auf der Baustelle über den Fortschritt der Maßnahme und des Tierwohls.“

Sowohl Tierschutz und als auch die Umsetzung dieser Baumaßnahmen nach für den Eisenbahnbetrieb geltende Richtlinien seien anspruchsvoll. „Im Einzelnen werden wird auch weiterhin regelmäßig darauf achten, dass gefangene Tauben in einem vertretbaren Zeitraum befreit werden und dass die Netze nachgespannt bleiben, damit keine Tauben hindurchschlüpfen können. Leider ist es uns auf Grund der Brückenkonstruktion nicht möglich die Netze ganz straff zu spannen“, so die Sprecherin abschließend. (mm)

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