Stau, Unfälle, Berufsverkehr: Kommt bald Tempo 70 auf der Rheinhessenstraße?

Nach einem tödlichen Unfall im Oktober flammt die alte Diskussion um die Hauptverkehrsachse wieder auf.

Stau, Unfälle, Berufsverkehr: Kommt bald Tempo 70 auf der Rheinhessenstraße?

Knapp ein Jahr ist es nun her, dass die Höchstgeschwindigkeit auf dem ortsinneren Teil der Rheinhessenstraße auf 50 km/h herabgesetzt wurde. Ein schwerer Unfall im Oktober dieses Jahres, bei dem ein Mann ums Leben kam, hat die langjährigen Diskussionen um die Rheinhessenstraße jetzt wieder aufleben lassen. Wie der SWR berichtet, gibt es nun Gespräche darüber, ob auf der gesamten Rheinhessenstraße außerorts das Tempolimit 70 eingeführt werden sollte. Momentan ist auf einigen Streckenabschnitten der Landstraße von Harxheim nach Hechtsheim noch Tempo 100 erlaubt.

Vor allem die fehlende Verkehrssicherheit sei Grund für diese Überlegungen. „Wir sehen den dringenden Bedarf, die Unfalldichte auf der Rheinhessenstraße anzugehen“, erklärt David Nierhoff, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Mainzer Stadtrat, in einem Pressestatement. „Maßnahmen dazu können Temporeduzierungen und Hinweise auf Abstandsregeln und Überholverbote sein, da zu geringer Abstand und Begegnungsverkehr mit 100 km/h immer wieder als Unfallursache benannt werden.“

Einen ganz anderen Ansatz wiederum verfolgt die CDU, die seit Jahren für einen vierspurigen Ausbau der Rheinhessenstraße plädiert. „Eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit wird die Situation nicht verbessern“, meint Oliver Wernersbach, Vorsitzender der CDU-Kreistagsfraktion Mainz-Bingen. „Mit einem vierspurigen Ausbau hätten andere Maßnahmen, wie beispielsweise das Aufstellen einer Leitplanke, bereits erfolgen können.“

Streitfrage Rheinhessenstraße

Doch nicht nur das nun wieder in den Vordergrund gerückte Thema der Verkehrssicherheit spielt eine Rolle in der Diskussion. Vor allem der Verkehrsfluss ist seit Jahren Streitthema zwischen CDU und Grünen. So ließ die CDU Mainz bereits 2018 in einem Pressestatement verlauten, dass nur ein vierspuriger Ausbau der Straße der Verkehrsdichte zu den Stoßzeiten gerecht werde. Die Grünen wiederum argumentierten 2019, dass sich der Stau durch einen Ausbau nicht auflösen, sondern aufgrund der Ampeln nur bis an den Hechtsheimer Ortseingang verschieben würde und die Lösung in einem besseren ÖPNV-Angebot läge.

Zuletzt im Juli dieses Jahres ist das Vorhaben der CDU an einer Abstimmung im Mainzer Stadtrat gescheitert. Verkehrsdezernentin Janina Steinkrüger (Grüne) begründete die Entscheidung damals damit, ein gesteigertes Verkehrsaufkommen und versiegelte Böden verhindern zu wollen. „Wir brauchen für unsere Lebensqualität und als wesentlichen Baustein für den Klimaschutz die ökologische Verkehrswende, ein vierspuriger Ausbau konterkariert dieses Ziel“, betont auch Verkehrssprecher Nierhoff (Grüne). „Wer Straßen baut, wird Verkehr ernten.“

Neue Forderungen

Aus CDU-Kreisen in Ebersheim und der Verbandsgemeinde Bodenheim erklingt indes der Wunsch nach beidem: einem besseren ÖPNV-Angebot und einem Ausbau der Straßen. Die Infrastruktur müsse im gleichen Maße mitwachsen wie das Umland, aus dem immer mehr Menschen in Richtung Mainz fahren, betont die Ebersheimer Ortsvorsteherin Anette Odenweller (CDU). Für den Ausbau des ÖPNV sei unter anderem auch eine eigene Busspur denkbar, so Robert Scheurer (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bodenheim. „An dieser Stelle braucht es den großen Wurf und keine Notlösung.“

Ob die derzeitigen Gespräche im Mainzer Stadtrat tatsächlich zu einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 km/h führen, ist noch offen. Wie der SWR berichtet, sei die Frage wohl noch nicht dem Landesbetrieb Mobilität besprochen worden.

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