Warum ein Roboter auf Mias Schulbank steht

Mia ist an Krebs erkrankt. Zur Schule gehen kann sie daher oft nicht. Dennoch kann sie seit kurzem lückenlos am Unterricht teilnehmen – mit einem Avatar.

Warum ein Roboter auf Mias Schulbank steht

Mias Platz in ihrer Schule ist nicht mehr leer. Dort steht nun ein kleiner weißer Roboter auf ihrem Tisch. Wenn er spricht, ist Mias Stimme zu hören. Der Avatar auf der Schulbank ist ein Telepräsenzroboter. Mit seiner Hilfe können Kinder, die an Krebs erkrankt sind am Unterricht in ihrer Schule teilhaben – während sie zuhause oder in der Klinik sind. Mittels App können sich die Kinder vom Krankenbett aus mit dem Roboter verbinden. Durch eine eingebaute Kamera und ein Mikrofon können sie per Live-Stream am Präsenzunterricht teilhaben. Über die App, etwa auf einem Tablet, steuert das Kind den Avatar, es kann seinen Kopf drehen, sieht den Stream und hört, was um ihn herum geschieht.

Weiterhin Bedarf

„Das Projekt des Avatars ist ein wichtiges Angebot für Kinder, die aufgrund ihrer schweren Krankheit im Krankenhaus oder zu Hause bleiben müssen“, sagt Andrea Grimme vom Mainzer Förderverein für Tumor- und Leukämiekranke Kinder. Es ist bereits der fünfte Avatar, den der Förderverein an Schulkinder ausgeben konnte, die an der Universitätsmedizin behandelt und vom Verein betreut werden. „Es besteht weiterhin Bedarf“, sagt Vorstand Kai Leimig. „Aufgrund der begeisterten Rückmeldungen der anderen Nutzerinnen und Nutzer wissen wir, wie wichtig nicht nur die Teilnahme am Unterricht ist, sondern auch der Kontakt zu den Mitschülern.“

Für die 16-jährige Mia bedeutet der Avatar ein „Stück Normalität“, wie sie sagt. Im vergangenen Dezember erkrankte sie an Krebs und ist seitdem in Behandlung. „Ich kann ohne schlechtes Gewissen mal einen Tag zu Hause bleiben, ohne Schulstoff zu verpassen. Ich hoffe, dass der Avatar auch noch nachfolgenden Kindern helfen wird, den Schritt in ein normales und gesundes Leben zu erleichtern.“

Finanziert durch Spenden

Prof. Dr. med. Dirk Jäger unterstützt, dass Schüler während ihres stationären Aufenthalts Zugang zur eigenen Schule und den Klassenkameraden bekommen. Jäger ist ehrenamtlicher Direktor der Abteilung Medizinische Onkologie im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg. Als Vorstandsvorsitzender der Bristol Myers Squibb-Stiftung Immunonkologie spendete er den Avatar und das entsprechende Tablet an die Mainzer Kinder. Etwa 3500 Euro hat der Roboter gekostet, die laufenden Kosten betragen 700 Euro pro Jahr, getragen von Spendengeldern des Vereins. Mia wird „ihren“ Avatar so lange benutzen, bis sie selbst wieder in die Schule gehen. Danach kann er einem Kind zur Verfügung gestellt werden.

„Anfangs ist es immer komisch, statt dem Mitschüler den Roboter im Klassenraum sitzen zu haben“, weiß Andrea Grimme von Berichten aus den Schulen. „Doch die Kinder und auch die Lehrer gewöhnen sich schnell daran. Oft geht der Avatar sogar in den Pausen mit auf den Schulhof.“

Der Verein ist auf Spenden angewiesen. Das Spendenkonto und Infos zu den Projekten findet ihr hier.

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