Gewichtheber des AC Weisenau verlieren ihren Trainingsraum

Im Jahr 1904 haben die Gewichtheber des AC Weisenau das Kulturhaus in Weisenau noch mit aufgebaut. Jetzt soll es abgerissen werden und ein neues gebaut werden. Doch im neuen Kulturhaus soll kein Platz mehr für die Gewichtheber sein.

Gewichtheber des AC Weisenau verlieren ihren Trainingsraum

Für die Gewichtheber des AC Weisenau sind es sehr ungewöhnliche Trainingsräume: Denn derzeit trainieren sie in den engen Zimmern einer alten Kindertagesstätte. Ihr ehemaliger Trainingsraum im Weisenauer Kulturheim wird nämlich mitsamt dem Gebäude abgerissen. Bis 2020 soll dort ein neues Kulturhaus gebaut werden.

Eigentlich war die ehemalige Kita nur als Übergangslösung gedacht, bis das neue Kulturheim fertig ist. Doch in diesem soll es keinen Platz mehr für die Gewichtheber geben. Da nach der Fertigstellung des Kulturheims aber auch die alte Kindertagesstätte abgerissen werden soll, gibt es momentan keine Alternative für die Gewichtheber. Der ehemalige erste Vorsitzende des AC Weisenau, Reiner Kirch sagt: „Wenn wir nicht ins Kulturheim können, gibt es keine Perspektiven mehr. Dann wird der Verein in kürzester Zeit nicht mehr existieren.“

Die Kindertagesstätte als Übergangslösung

Seit dem Umzug trainiert die Gruppe in zwei kleinen Räumen, die durch einen engen Flur verbunden sind. „Im Raum hinten darf man eigentlich keine Gewichte fallen lassen. Die Decken sind dafür nicht ausgerichtet“, so Kirch. Sportlerin Sonja Layher sagt: „Jetzt dürfen wir die Gewichte nicht mehr abwerfen, sondern sollen sie abfangen. Dabei kann man sich verletzen.“ In den kleineren Raum passen maximal vier Personen. Manchmal müssen die Sportler über den Flur ausweichen. Bis 2020 kann und soll der Verein in den Räumen der alten Kita bleiben. Was danach passiert, ist aber noch nicht sicher.

Trainingsraum in neuen Plänen nicht mehr enthalten

In den ersten Umbauplänen des neuen Kulturheims sei der Trainingsraum für die Gewichtheber noch eingeplant gewesen. Vor zwei Wochen wurden dann aber die fertigen Pläne für das neue Gebäude vorgestellt und der Kraftraum war nicht mehr vorhanden. „In den neuen Plänen ist nur noch die Rede von einem Mehrzweckraum und keinem Kraftraum“, sagt Kirch. „Unser Heber Alex ist dann erstmal aufgestanden und hat gefragt, was mit dem Kraftraum sei. Da wurde uns nur gesagt, dass wir Bescheid bekommen, sobald eine Lösung in Sicht ist.“

In einer Planungsrunde am Montag wurde dem AC Weisenau eine mögliche Raumnutzung zugesagt, wenn er sich mit dem Karnevalsverein CCW und dem Ortsvorsteher arrangieren könne. „Wenn es überhaupt klappt, fürchten wir, dass wir nur noch ein geduldeter Gast in dem Haus sind und unsere Wettkämpfe nicht mehr stattfinden dürfen“, sagt Kirch. „Die Wettkämpfe gehen von Oktober bis April. Das fällt genau in die Fastnachtszeit. Wir haben aber auch schon die letzten Jahre versucht, uns zu arrangieren und haben unsere Wettkämpfe mit den Gegnern getauscht.“

Ist eine Lösung in Sicht?

Die Vereinsmitglieder sind empört. Der Verein habe das alte Kulturheim mit errichtet und laut eines Vertrages von 1985 auch das Recht, dort weiterhin zu trainieren. Der Vertrag wurde abgeschlossen, als das Kulturheim wegen zu hoher Betriebskosten an die Stadt verkauft werden musste. Auch Ortsvorsteher Ralf Kehrein (SPD) bestätigt: „Vereine, die zur Kulturgemeinschaft gehörten, die das Kulturheim errichtet und lange Jahre betrieben hat, haben dieses Recht von der Stadt bei der Übernahme zugesichert bekommen.“

„Keiner hat Interesse, das Gewichtheben und den AC Weisenau zu verdrängen, auch wenn sich das vielleicht momentan schwer vermitteln lässt.“- Ralf Kehrein

Die vorhandenen Räume des Kulturheims stehen laut Kehrein allen Vereinen offen. Da bei der Planung des Gebäudes aber kein Kraftraum mit eingeplant ist, dürfte das schwierig werden. „Derzeit prüft die Stadt, ob in Mainz eine Art ‘Kraftsporthalle’ entstehen könnte. Dies hätte den Vorteil, dass alle Kraftsportler optimale Bedingungen für ihren Sport vorfinden würden“, sagt Kehrein. „Sollte dies aus welchen Gründen auch immer nicht gelingen, können in dem neu entstehenden Multifunktionsraum die Voraussetzungen für die Nutzung durch die Gewichtheber geschaffen werden.“ (pk/rk)

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