Mordfall Susanna F. - die Chronologie der Ereignisse

Rund zweieinhalb Wochen liegen zwischen dem Mord an Susanna F. und der Festnahme ihres mutmaßlichen Mörders Ali Bashar. Merkurist zeichnet noch einmal nach, was seitdem passiert ist.

Mordfall Susanna F. - die Chronologie der Ereignisse

Dieser Mord erschüttert ganz Deutschland: In der Nacht vom 22. auf den 23. Mai wurde die Mainzerin Susanna F. in Wiesbaden-Erbenheim vergewaltigt, ermordet und an andere Stelle begraben. Rund zweieinhalb Wochen später wird der Tatverdächtige Ali Bashar im Irak verhaftet. Merkurist zeichnet noch einmal die Chronologie der Ereignisse nach.

22. Mai: Susanna kommt am Abend nicht nach Hause. Zuvor war sie an diesem Tag mit Freunden in Wiesbaden unterwegs.

Noch in der selben Nacht wird die 14-Jährige ermordet.

23. Mai: Susannas Mutter meldet ihre 14-jährige Tochter bei der Mainzer Polizei als vermisst.

24. Mai: Die Mutter startet einen Aufruf auf Facebook und bittet um ein Lebenszeichen ihrer Tochter. In den nächsten Tagen wendet sie sich immer wieder über Facebook an die Öffentlichkeit.

29. Mai: Susannas Mutter teilt der Polizei in Mainz und Wiesbaden mit, dass eine Bekannte ihr erzählt hat, Susanna sei tot und in Wiesbaden-Erbenheim neben den Bahngleisen begraben. Die Polizei versucht daraufhin, die Hinweisgeberin zu ermitteln, scheitert aber, weil diese mit ihrer Mutter im Kurzurlaub und nicht erreichbar ist. Die Polizei ermittelt in den folgenden Tagen weiter. Unter anderem ist ein Polizeihubschrauber im Einsatz, mit dem die Beamten eine Stelle nahe der Bahngleise in Erbenheim finden, an der Erdbewegungen stattgefunden hatten. Die Stelle wird überprüft, aber nichts vorgefunden.

30. Mai: Nach zahlreichen telefonischen und persönlichen Abklärungen zwischen den Polizei-Kollegen übernimmt die Polizei in Wiesbaden den Fall, da die Vermisste sich hauptsächlich dort aufhielt. Susanna hatte laut Polizei bereits seit Februar die Schule geschwänzt und war öfter abgängig, ohne dass die Polizei eingeschaltet worden war. Die Polizei leitet eine Telefonüberwachung und -ortung ein, außerdem Verkehrsabfragen und eine Öffentlichkeitsfahndung.

Vermutlich am selben Tag reist die Familie des später Tatverdächtigen Ali Bashar überstürzt aus der Flüchtlingsunterkunft in Erbenheim ab, in der sie bis dahin untergebracht war.

1. Juni: Um 21:29 Uhr werden über ein Onlineportal acht Flugtickets von Düsseldorf nach Istanbul für den Folgetag gebucht, vermutlich von der Familie des später Tatverdächtigen Ali Bashar.

2. Juni: Der gebuchte Flug um 14:35 Uhr wird von den acht Personen nicht angetreten, sondern auf einen Flug am Abend umgebucht - alles unter anderen Namen, als die, die der Polizei bekannt waren. Bei der Ausreisekontrolle um 18 Uhr erscheint die komplette Reisegruppe, Wortführerin ist eine Frau. Die Gruppe legt zwei Laissez-passer-Papiere für je vier Personen vor, die wohl vom irakischen Konsulat ausgestellt worden waren. Die Papiere sind in arabischer Schrift verfasst und mit Lichtbild. Auch die Bordkarten und acht Aufenthaltsgenehmigungen für die Bundesrepublik Deutschland legte die Familie vor - letztere waren unter den der Polizei bekannten Namen ausgestellt. Ein Abgleich zwischen Ticketnamen und Aufenthaltsgenehmigung findet nicht statt. Die komplette Familie Bashar fliegt um 19:10 Uhr nach Istanbul.

2. Juni: Um 23 Uhr kommt das Flugzeug in Istanbul an. Anschließend fliegt die Gruppe nach Erbil im Irak.

3. Juni: Gegen 18:30 Uhr erscheint ein 13-jähriger Flüchtling bei der Polizei in Wiesbaden. Der Junge erklärt, Susanna sei ermordet worden und nennt den 20-jährigen Iraker Ali Bashar als möglichen Täter. Dieser habe ihm von der Tat erzählt und auch einen Tatort genannt. Nachdem der 13-Jährige vernommen wurde, untersucht die Polizei die von ihm genannte Stelle in den Feldern in Erbenheim als Platz einer möglichen Vergewaltigung.

Noch in der Nacht wollen die Ermittler den beschuldigten 20-Jährigen überprüfen, der in der Flüchtlingsunterkunft im Kreuzberger Ring in Erbenheim lebt. Doch sie finden die Wohnung leer auf, die gesamte irakische Flüchtlingsfamilie ist verschwunden. Der Hausmeister gibt später an, dass die Familie (Vater, Mutter und sechs Kinder) ihre Post vom 1. Juni noch nicht abgeholt habe. Am Tag zuvor habe er sie zuletzt gesehen. Die Polizei stellt Kleidungsstücke aus der Wohnung sicher.

4. Juni: Am Nachmittag macht die Polizei öffentlich, dass sie die Suche nach Susanna intensiviert. Bis einschließlich zum 6. Juni arbeiten an jedem Tag rund 300 bis 400 Polizisten an dem Fall. In Wiesbaden-Erbenheim wird das Gelände großflächig durchsucht: Polizisten suchen den Boden ab, auch Leichenspürhunde und ein Polizeihubschrauber werden eingesetzt. Die Polizei Wiesbaden erhält in diesen Tagen Unterstützung von anderen Polizeistellen.

6. Juni: Am Nachmittag finden die Ermittler die Leiche eines Mädchens nahe der Bahnlinie in Erbenheim. Die Leiche ist mit Gräsern und Holz bedeckt und nicht leicht zu erkennen. Ein Etikett der Kleidung ragt aus dem Reisig heraus und macht einen Polizisten auf die Stelle aufmerksam. Weitere Vernehmungen in Wiesbaden führen zur Festnahme eines zweiten Tatverdächtigen. Der 35-jährige türkische Staatsbürger lebt in einer anderen Flüchtlingsunterkunft in Erbenheim.

7. Juni: Nach der in der Nacht durchgeführten Obduktion der Leiche sind die Ermittler sicher, dass es sich um die 14-jährige Susanna handelt. Außerdem gehen sie davon aus, dass das Mädchen Opfer eines Sexual- und Gewaltdeliktes geworden ist. Die Polizei und die Staatsanwaltschaft suchen öffentlich mit Bildern nach dem noch immer flüchtigen Ali Bashar.

Der zweite Verdächtige wird dem Haftrichter vorgeführt. Bei der Vernehmung stellt sich heraus, dass der dringende Tatverdacht gegen ihn nicht mehr zu begründen ist. Der Haftbefehl wird von der Staatsanwaltschaft Wiesbaden zurückgenommen.

8. Juni: Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) gibt bekannt, dass Ali Bashar im Nordirak von kurdischen Sicherheitskräften festgenommen wurde.

9. Juni: General Tarek Ahmed, Chef der Polizei in Dohuk (Irak), gibt bekannt, dass Ali Bashar den Mord und die Vergewaltigung an Susanna nach seiner Festnahme gesteht.

Gegen 20:35 Uhr landet Ali Bashar in Begleitung der Bundespolizei am Frankfurter Flughafen. Unmittelbar danach wird er per Hubschrauber ins Polizeipräsidium in Wiesbaden gebracht.

10. Juni: Bashar sagt umfassend vor einer Amtsrichterin im Polizeipräsidium Wiesbaden aus. Die Vernehmung dauert mehrere Stunden. Auch ein Dolmetscher ist anwesend. Er gibt zu, Susanna getötet zu haben, bestreitet jedoch die Vergewaltigung. Als Motiv für den Mord an Susanna gibt der 20-jährige an, dass er aufgrund von Verletzungen im Gesicht der 14-jährigen Mainzerin befürchtet habe, dass sie die Polizei informieren würde. Die Verletzungen seien durch einen Sturz entstanden. Die Ermittlungsrichterin ordnet daraufhin die Untersuchungshaft an.

Um 20:35 Uhr wird Bashar mit einem Polizeihubschrauber nach Frankfurt geflogen und dort in eine Justizvollzugsanstalt eingeliefert.

Stand: 10. Juni 2018

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