Leichenfund in Erbenheim: Susanna vergewaltigt und ermordet

Suche nach Tatverdächtigem Ali Bashar

Leichenfund in Erbenheim: Susanna vergewaltigt und ermordet

Bei der am Mittwoch in Erbenheim gefundenen Leiche handelt es sich um die seit dem 22. Mai vermisste Susanna aus Mainz. Das gaben Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag auf einer Pressekonferenz bekannt.

Demnach habe eine DNA-Analyse am Donnerstagmorgen ergeben, dass es sich bei der Toten zweifelsfrei um die Vermisste aus Mainz handelte. Auch die Todesursache ist mittlerweile klar: Es liegt ein Tötungsdelikt vor, Susanna starb durch Gewalteinwirkung auf den Hals. Genauere Angaben zur Todesursache können derzeit aber nicht gemacht werden. „Es ist ein sehr abscheuliches Verbrechen und wir sind mit unseren Gedanken bei der Familie“, erklärte Polizeipräsident Stefan Müller.

Weiterhin geht die Staatsanwaltschaft derzeit davon aus, dass das Mädchen zuvor vergewaltigt wurde. Zwei Beschuldigte wurden dringend verdächtigt, Susanna am 22. Mai beziehungsweise in der Nacht zum 23. Mai in einem Feld in Erbenheim vergewaltigt und in der Folge zur Verdeckung der Straftat ermordet zu haben. Einer der beiden Verdächtigen, ein 35-jähriger Mann, wurde inzwischen wieder freigelassen (wir berichteten). Der Beschuldigte, Ali Bashar, soll die Tote verschleppt und an einer anderen Stelle vergraben und mit Reisig bedeckt haben. Der Polizei liegen Informationen vor, dass sich das Opfer und der Iraker gekannt haben sollen. Sie habe ihn möglicherweise bereits zuvor in der Unterkunft besucht.

Weiter heißt es, dass Susanna ein „Kennverhältnis“ mit dem Bruder des Beschuldigten gehabt haben soll und sich auch eine Beziehung mit ihm vorstellen konnte. Der Bruder habe dies jedoch abgelehnt.

Der 20-jährige Ali Bashar aus dem Irak ist dringend tatverdächtig. Er war in einer Flüchtlingsunterkunft in Wiesbaden untergebracht. Gegen Bashar liegt ein Untersuchungshaftbefehl vor, er befindet sich derzeit auf der Flucht. Es liegen Erkenntnisse vor, dass das Ziel die Stadt Erbil im Irak ist. Der Iraker war in der Vergangenheit bereits mehrfach polizeilich aufgefallen.

Der weitere Beschuldigte konnte noch am gestrigen Abend festgenommen werden. Gegen ihn lag ebenfalls ein Haftbefehl vor. Er wurde am Donnerstag einem Haftrichter vorgeführt und am Abend des gleichen Tages freigelassen.

Hinweis führt zu Iraker

Am 29. Mai wurde der Mutter von einer Bekannten mitgeteilt, dass Susanna tot sei und in Erbenheim neben den Bahngleisen begraben sei. Dieser Hinweis gelangte auch an die Beamten. Die Polizei konnte die Hinweisgeberin aber nicht kontaktieren, da sie sich im Urlaub befand. Die darauf eingeleitete Suche in Erbenheim verlief zunächst erfolglos.

Am 3. Juni erschien ein 13-jähriger Flüchtling auf dem 1. Revier in Wiesbaden, der den Beamten mitteilte, Susanna sei vergewaltigt und ermordet worden. Er nannte auch Ali Bashar als Täter. Er konnte den Beamten auch den späteren Fundort der Toten sagen. Der Tatverdächtige selbst habe ihm das eigenen Angaben zufolge erzählt.

Als die Polizei die Wohnung des Irakers überprüfen wollte, war diese schon leer, die Familie Bashar war verschwunden. Zeugen erklärten, die Familie sei am Donnerstag hastig abgereist. Die Beamten fanden in der Wohnung zahlreiche Kleidungsstücke, die derzeit vom LKA untersucht werden.

Die Polizei geht davon aus, dass die Familie am 2. Juni um 19:10 Uhr von Düsseldorf nach Istanbul geflogen ist. Die Ticketbuchungen erfolgten unter falschen Namen. Bei der Ausreisekontrolle der achtköpfigen Familie wurden zwei Laissez-Passé-Papiere für je vier Personen vorgelegt, die vermutlich im Irak ausgestellt wurden. Auch acht Aufenthaltsgenehmigungen unter den Klarnamen der Familienmitglieder wurden ausgehändigt. Ein Abgleich zwischen Ticketnamen und Aufenthaltsgenehmigung hat am Flughafen nicht stattgefunden. Von Istanbul nahm die Familie einen Anschlussflug in den Irak.

Hintergrund

Die 14-jährige Susanna aus Mainz war seit dem 22. Mai verschwunden, einen Tag später wurde sie bei der Polizei als vermisst gemeldet. Ihre Mutter hatte zuletzt am 23. Mai Kontakt zu ihr. Ihre Tochter habe ihr mitgeteilt, sie sei mit ihrem Freund nach Paris und in zwei bis drei Wochen wieder zurück. Jegliche Kontaktversuche blieben seitdem unbeantwortet.

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