Könnte eine autofreie Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden gebaut werden?

Autos, Busse, Fahrradfahrer und Fußgänger – sie alle müssen den Weg über die Theodor-Heuss-Brücke nehmen, wenn sie zwischen Mainz und Mainz-Kastel pendeln wollen. Für Radfahrer und Fußgänger ist das nicht immer einfach. Was sich ändern soll.

Könnte eine autofreie Brücke zwischen Mainz und Wiesbaden gebaut werden?

Besonders an warmen, sonnigen Wochenenden tummeln sich viele Menschen auf der Theodor-Heuss-Brücke. Spaziergänger und Radfahrer teilen sich die beiden kombinierten Rad- und Gehwege entlang der Straße. Eine Merkurist-Leserin nennt das „eine Zumutung“ und hat damit eine Diskussion in der Kommentarspalte ausgelöst. Die einen meinen, es brauche eine bessere Beschilderung, Markierungen auf dem Boden, getrennte Geh- und Radwege oder gleich eine zweite, autofreie Rheinbrücke, andere finden, das Miteinander auf der Brücke funktioniere eigentlich ganz gut.

Auch im Ortsbeirat waren die kombinierten Geh- und Radwege entlang der Rheinbrücke im vergangenen Herbst Thema. Der Ortsbeirat bat die Stadt darum, zu prüfen, wie die Verkehrsströme zum Beispiel durch Schutzstreifen, Markierungen oder ähnliche Maßnahmen entflochten werden könnten. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in Wiesbaden findet das schwierig. „Eine Entflechtung benötigt Platz an anderer Stelle. Aufgrund der hohen Nutzung durch den Kraftverkehr würde eine Reduzierung seiner Fläche zu neuen Probleme führen“, sagt Günni Langer vom ADFC dazu. Aus Sicht des ADFC sei es eine Option, die Fahrtrichtungen zu trennen. Aber: „Dazu muss es attraktive Querungen auf der Brücke geben, gerade auf der Mainzer Seite fehlt dies komplett.“ Markierungen lehnt der ADFC ab, „damit je nach Nachfrage die Verkehrsteilnehmer selbstständig ihren Raum einnehmen.“

„Wer akzeptiert, dass auf der Brücke die Fußgänger Vorrang haben, kommt stressfrei voran.“ - Günni Langer, ADFC

Insgesamt sei es eher wichtig, dass man aufeinander Rücksicht nimmt. „Wer akzeptiert, dass auf der Brücke die Fußgänger Vorrang haben, kommt stressfrei voran.“ Radfahrer müssen ihre Geschwindigkeit anpassen, wenn sie Fußgängern begegnen. Insgesamt seien dem Club auch keine größeren Probleme bekannt. Ähnlich sieht das auch das Wiesbadener Verkehrsdezernat. Dass nicht alle Rücksicht nehmen, sei ein Ärgernis, so ein Sprecher. Ein Unfallschwerpunkt sei der gemeinsame Geh- und Radweg jedoch nicht. Auf den Beschluss des Ortsbeirates hin habe das Verkehrsdezernat die Situation geprüft, plane aber weder neue Markierungen noch eine Trennung der Fahrtrichtungen. Für einen getrennten Geh- und Radweg sei die erforderliche Breite nicht gegeben. Aber an zwei Auffahrten auf die Brücke wird sich etwas ändern.

Zwei Maßnahmen an Auffahrten geplant

Noch in diesem Jahr wird auf der Verbindungsrampe zwischen Reduit und Hochkreisel bergauf ein Radschutzstreifen eingerichtet. Die Parkplätze entlang der Straße fallen dafür weg. „Bislang kommt es aufgrund der zu geringen Fahrbahnbreite im Begegnungsfall von zwei Pkw oft zu kritischen Situationen, in denen ein Pkw über eine längere Strecke rückwärtsfahren muss und dabei andere Verkehrsteilnehmer gefährdet“, so der Sprecher des Verkehrsdezernats dazu. Der entsprechende Antrag des Ortsbeirats wurde bereits 2019 beschlossen.

Darüber hinaus soll der gemeinsame Geh- und Radweg entlang der Eisenbahnstraße zwischen dem Bahnhof Kastel und dem Hochkreisel verbreitert werden. Dafür seien Eingriffe in die Bahnböschung nötig. Wann der Weg verbreitert wird, sei deshalb abhängig von den geplanten Arbeiten zum barrierefreien Ausbau des Bahnhofs. „Aktuell gehen wir daher davon aus, dass die städtische Maßnahme an der Eisenbahnstraße Anfang 2023 begonnen werden kann.“

Zweite Rheinbrücke ohne Autos?

Auf lange Sicht soll es aber noch bequemer werden, von Mainz nach Wiesbaden und zurück zu fahren. Dafür läuft derzeit eine Machbarkeitsstudie, die mögliche Streckenvarianten für einen Radschnellweg zwischen den beiden Städten prüft. Eine Strecke über die Theodor-Heuss-Brücke wird ebenso geprüft wie eine Strecke über eine ganz neue Brücke. „Im Rahmen der Machbarkeitsstudie wird perspektivisch mit untersucht, ob eine solche Schnellverbindung über eine neue, nur für den Fuß- und Radverkehr freigegebene Rheinbrücke geführt werden könnte“, so der Sprecher des Verkehrsdezernats.

Günni Langer vom ADFC glaubt nicht wirklich daran. „Eine neue Brücke wird seit langem geprüft und wird nicht ohne Förderung des Bundes errichtet“, sagt er. „Daher würde eine zusätzliche Brücke immer auch Pkw-Spuren enthalten.“ Und das lehne der ADFC innerhalb des Mainzer Autobahnrings ab. „Innerhalb des Ringes soll der Umweltverbund gestärkt werden.“ Auch die Stadt räumt Hürden beim Bau einer ganz neuen Rheinbrücke ein. „Ein Projekt dieser Größenordnung hätte eine Reihe an administrativen, finanziellen und planerischen Hürden zu nehmen und wäre daher nur langfristig umsetzbar.“ Die Entscheidung darüber, welcher Weg am besten ist, müssten die jeweiligen politischen Gremien treffen, wenn die Machbarkeitsstudie abgeschlossen ist.

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