Wo ist der ganze Impfstoff von Biontech hin?

Könnten die Deutschen entscheiden, würden sie eine Impfung mit dem Wirkstoff von Biontech bevorzugen. Doch das Mainzer Unternehmen liefert nur einen Teil seines produzierten Vakzins im eigenen Land aus. Der größere Anteil wird weltweit vermarktet.

Wo ist der ganze Impfstoff von Biontech hin?

Der Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-amerikanischen Partners Pfizer ist weltweit zu einem der wichtigsten Vakzine im Kampf gegen das Coronavirus geworden. Doch auch wenn Biontech ein deutsches Unternehmen ist, wird der Impfstoff nicht zuallererst nur in Deutschland ausgeliefert. Denn die Bestellung des Impfstoffs erfolgt nicht durch die Bundesregierung, sondern über die Europäische Union, was bei vielen für Unmut sorgt. So geht es auch Leser Alex: „Ich verstehe nicht, warum sich die Bundesregierung nicht Impf-Kontingente vom Hersteller im eigenen Land gesichert hat.“ Doch „wo ist dann eigentlich der ganze Impfstoff von Biontech hin?“, will Alex nun wissen.

Viele ärmere Länder werden beliefert

Zumindest der Großteil der in Deutschland verimpften Dosen kommt von der Mainzer Firma. Wie das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) auf der Seite „impfdashboard.de“ angibt, stammen von den inzwischen fast 20 Millionen ausgelieferten Impfdosen mehr als 12 Millionen von Biontech (Stand: 7. April). Danach folgen Astrazeneca mit 5,5 Millionen und Moderna mit 1,7 Millionen Impfdosen.

Außer Deutschland beliefern Biontech/Pfizer auch die andern Staaten der Europäischen Union sowie viele weitere Länder weltweit. So ist bekannt, dass die beiden Unternehmen rund 40 Millionen Dosen ihres Impfstoffs „Comirnaty“ über die „COVAX“-Initiative der Weltgesundheitsorganisation (WHO) insgesamt 92 ärmeren Ländern zukommen lassen wollen. Über die finanziellen Details der Vereinbarung sei jedoch nichts bekannt, wie die „Ärztezeitung“ berichtet. Die „COVAX“-Initiative liefert dabei laut dem Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) unter anderem an Länder in Asien, Afrika und Südamerika.

Konkret bekannt ist, dass der Impfstoff von Biontech und Pfizer zuletzt nach Kolumbien geliefert wurde. Dort kamen laut vfa am Flughafen der Hauptstadt Bogota 117.000 Dosen an. Zudem gingen Ende Februar 117.000 Dosen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs nach Südkorea. Einen Plan zur Lagerung, Verteilung und Verabreichung von Biontech- und Pfizer-Impfstoffen arbeite derzeit Bangladesch aus, wie die vfa berichtet. Die dortige Regierung sei dort Anfang Januar 2021 auf ein Kaufangebot für ein Impfstoffkontingent eingegangen, das die „COVAX“-Initiative unterbreitet hatte. Über die Konditionen sei aber bisher nichts bekannt.

Dagegen lehnte laut vfa Südafrika ein Kaufangebot ab. Der vorgeschlagene Preis von zehn US-Dollar pro Dosis sei halb so hoch wie der reguläre Preis in den USA. Dennoch habe die südafrikanische Regierung das Kaufangebot als „unerschwinglich“ abgelehnt, so die vfa. Die „Afrikanische Union“ hat sich hingegen Impfstoff von Biontech und Pfizer gesichert. Wie viele von den 270 Millionen Dosen, die für die Mitgliedsstaaten bestellt wurden, allerdings konkret von dem Mainzer Unternehmen und seinem US-Partner stammen, sei nicht bekannt, so die vfa. Wie Biontech schließlich noch selbst auf seiner Seite bekanntgibt, soll in Kooperation mit dem chinesischen Pharma-Unternehmen Fosun ein gerade in China getesteter Impfstoff in China, Macau, Hongkong und Taiwan vermarktet werden - sobald er die behördliche Zulassung erhalten hat.

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