Der Mainzer Carneval-Verein (MCV) und die Mainzer Fastnacht eG zeigen sich solidarisch mit dem Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly. Das teilen die beiden Organisationen in einer gemeinsamen Erklärung mit. Zuvor hatte ein Moskauer Gericht Tilly in Abwesenheit zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt.
Grund für das Urteil sind die von Tilly gebauten Motivwagen, die den russischen Präsidenten Wladimir Putin und den Krieg in der Ukraine kritisieren. Die Mainzer Fastnachter bezeichnen das Urteil als ebenso lächerlich wie die Anklage und den Prozess selbst.
„Dass künstlerische Freiheit und politische Satire derart kriminalisiert werden, macht uns betroffen – und wütend“, erklärt Hannsgeorg Schönig, Präsident des Mainzer Carneval-Vereins. Die Tradition der Fastnacht wurzle im freien Wort und im klaren Bekenntnis zur Demokratie. „Das Recht darf dem Unrecht nicht weichen – und schon gar nicht dienen“, so Schönig weiter.
Auch die Mainzer Fastnacht eG will sich von dem Urteil nicht beirren lassen. „Es war leider zu erwarten, dass das Gericht in Moskau so entscheidet“, so Vorstandssprecher Markus Perabo. „Die Mainzer Fastnachter lassen sich davon nicht beeindrucken und werden weiterhin in Vorträgen und Motivwagen das Weltgeschehen karikieren.“
„Wir alle sind Jacques Tilly“
Für den Kreativkreis des MCV, der die politischen Motivwagen entwickelt, ist das Urteil ein alarmierendes Signal. Sprecher Boris Henkel nennt es ein „absurdes Urteil“ eines „Pseudo-Gerichts“. „Dass dieses repressive, inhumane System einen Künstler mit Haft bedroht, weil er es durch seine Satire kritisiert, zeigt, wie kostbar es wiederum ist, in einem Land zu leben, das die Stärke besitzt, Satire zu tolerieren“, so Henkel.
Er bekräftigt die Solidarität mit dem Künstler: „Mit ihm wurden alle angeklagt und verurteilt, denen Meinungsfreiheit, Freiheit der Kunst und Freiheit der Satire ein wichtiges Anliegen ist. Einmal mehr entgegnen wir dem Machthaber im Kreml: ‘Wir alle sind Jacques Tilly’!“ Der MCV und die Mainzer Fastnacht eG verstehen das Urteil als Auftrag, weiterhin klar und furchtlos Stellung zu beziehen.