Schadstoffe in der Luft: Wie schmutzig ist es in Mainz?

Deutschland hat zu viel Stickoxid in seinen Städten – das urteilte nun der Europäische Gerichtshof. Damit habe das Land „jahrelang Recht gebrochen“. Wie sieht es in Mainz aus?

Schadstoffe in der Luft: Wie schmutzig ist es in Mainz?

26 Städte sind deutlich zu schmutzig, zumindest im Untersuchungszeitraum, den der Europäische Gerichtshof als Maßstab für seine Klage nahm. Zwischen 2010 und 2016 seien die Grenzwerte am Luftschadstoff Stickoxid „systematisch und fortdauernd“ überschritten worden, heißt es im aktuellen Urteil. Bereits 2018 hatte die EU-Kommission Deutschland vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt. Die Bundesregierung habe nicht genug getan, um die EU-Luftreinhalterichtlinie einzuhalten. Auch die Bundesumwelthilfe hatte in etlichen Städten geklagt.

Grenzwert liegt bei 40 mg Stickstoffdioxide pro Kubikmeter Luft

Das Gesetz besagt, dass der Wert an Stickstoffdioxiden (NO2) in der Außenluft 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft nicht überschreiten darf. NO2 entsteht vor allem beim Verbrennungsprozess, etwa von Öl, Gas, Holz und Abfällen. Daraufhin verboten viele Gerichte Dieselfahrzeuge in der Stadt, beziehungsweise in bestimmten Straßen.

An mehr als 500 Messstationen sammelt das Umweltbundesamt Daten zu den NO2-Werten in der Luft. In Mainz befindet sich eine solche Messstelle etwa in der Parcusstraße. Mit 42 Mikrogramm NO2 wurde der Grenzwert im Jahresmittel noch 2019 knapp überschritten. Auch in Wiesbaden war die Luft nicht besser: In der Schiersteiner Straße zum Beispiel ermittelte die Messstation einen Wert von 45.

Doch offensichtlich zeigten die Maßnahmen der Städte Wirkung: 2020 wurde nur noch in sechs deutschen Städten der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft überschritten. In der Mainzer Parcusstraße lag der Jahresmittelwert bei 34, in der Schiersteiner Straße in Wiesbaden bei 37. Anteil daran hatte wohl auch das verminderte Verkehrsaufkommen während der Corona-Pandemie. In Mainz sollte auch das Tempolimit auf 30 km/h zwischen Holzhofstraße und Kaiser-Karl-Ring die Schadstoffausstöße verringern. Busse wurden umgerüstet, der Radverkehr soll gefördert werden. „Seit Februar 2020 wurde der Grenzwert im Monatsmittel eingehalten beziehungsweise deutlich unterschritten“, heißt es bei der Stadt Mainz. So dürfen nun beispielsweise Diesel-Fahrzeuge (Euro 5 und darunter) weiter fahren.

Maßnahmen zur NO2-Reduzierung schreibt die Stadt gemeinsam mit dem Landesamt für Umwelt im Luftreinhalte- und Aktionsplan fest. Gleiches Prinzip gilt für den Luftreinhalteplan in Wiesbaden, den die Stadt gemeinsam mit dem hessischen Umwelt- und Wirtschaftsministerium erstellt: Der Autoverkehr soll zum einen durch Bus, Bahn, Fahrrad, Fußverkehr und Elektromobilität ersetzt werden. Zum anderen soll er sich aus der „hochbelasteten Innenstadt“ heraus verlagern - der Verkehr wird unter anderem vom 1. auf den 2. Ring umgeleitet.

Mehrere Messstationen ermitteln die Luftschadstoffe

In Mainz gibt es vier Messstationen, die von der Messnetzzentrale der Stadt betreut werden: In Mombach, an der Zitadelle, der Parcusstraße und in der Rheinallee. „Grenzwertüberschreitungen von Feinstaub und Stickstoffdioxid kommen trotz aller Bemühungen besonders in verkehrsexponierten Lagen immer noch vor“, steht auf der Webseite der Stadt Mainz.

In Wiesbaden befinden sich Messstationen in der Schiersteiner Straße, an der Ringkirche und in Wiesbaden-Süd neben der Salzbachtalbrücke. Zudem ist seit 1988 ein Messwagen des städtischen Umweltamts in der Stadt und in Außenbezirken unterwegs, um Schadstoffe in der Luft und Belastungen durch Lärm zu ermitteln. Die Luftsituation in Wiesbaden erkläre sich vor allem durch seine geografische Lage, ist bei der Stadt Wiesbaden zu erfahren. Demnach liege die Innenstadt in einem „Kessel“ zwischen Taunuskamm, Mosbacher Berg und Bierstädter Höhe. So könne sich die Luft kaum austauschen, die Schadstoffe steigen genauso wie die Luftfeuchtigkeit und die Temperatur im Sommer. Die erhöhten Stickstoffdioxidwerte hängen vor allem damit zusammen, dass in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr Kraftfahrzeuge zugelassen wurden. Wichtig für die Verbesserung der Luft sei daher vor allem die Frischluftversorgung von den bewaldeten Hängen herab.

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