Wetter-Warnungen: Warum Meteorologen nicht immer einer Meinung sind

Wenn Unwetterwarnungen zu spät kommen oder ein Gewitter trotz Vorwarnung ausbleibt, sind viele Menschen irritiert. Zwei Meteorologen erklären, was bei den Warnungen beachtet werden muss. Dabei sind sie sich jedoch nicht immer einig.

Wetter-Warnungen: Warum Meteorologen nicht immer einer Meinung sind

Vor knapp drei Wochen erlebte Mainz sein erstes Hitzegewitter des Jahres, bald könnten weitere Gewitter folgen. Wetterdienste versuchen, die Bevölkerung möglichst zu warnen, schon bevor Blitze und Sturm eintreffen. Doch eine präzise Vorhersage gelingt nicht immer. Nicht selten kommt es vor, dass konkrete Unwetterwarnungen zu spät ausgesprochen werden oder das angekündigte Unwetter ausbleibt.

Andreas Friedrich, Pressesprecher und Tornadobeauftragter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) erklärt: „Unwetter- und Gewittervorhersagen gehören für Meteorologen zu den schwierigsten Aufgaben. Es handelt sich dabei häufig um sehr kleinräumige Ereignisse. Während es also in manchen Stadtteilen Starkregen gibt, kann die Lage beispielsweise in anderen Stadtteilen nicht so extrem sein.“ Doch ab wann können Wetter-Experten Unwetter überhaupt erkennen? Laut Friedrich können sich Unwetter sehr plötzlich entwickeln, auch wenn Meteorologen in den meisten Fällen schon deutlich früher erkennen, in welchen Regionen das Unwetterpotential besonders groß ist. Erst rund 30 bis 60 Minuten vor Gewittern könne dann relativ präzise vorhergesagt werden, wo sich Blitze, Hagelkörner oder Starkregen entladen.

Uneinigkeit zwischen Meteorologen

Das sieht Dominik Jung vom privaten Wetterdienst Q.met anders. Wie er sagt, könne ein Unwetter auch schon rund 90 Minuten im Voraus relativ präzise vorhergesagt werden. Er kritisiert sogar den DWD für dessen Prognosen. Dort traue man sich zu selten, früh genug Warnungen auszusprechen. Wenn der DWD Alarm schlägt, handelt es sich um amtliche Warnungen. Diese gelten in der Wahrnehmung vieler als besonders seriös. Gerade deshalb würden auch Kunden von Jungs Wetterdienst Q.met lieber offizielle Warnungen des DWD erhalten, statt sich auf Prognosen des Meteorologen zu verlassen. „Unsere Kunden wollen die amtlichen Warnungen der Behörde in Offenbach (DWD), wohl auch aus Versicherungsgründen.“

Dabei komme es aber nach Jungs Beobachtungen immer darauf an, welcher Kollege beim DWD gerade im Dienst ist. Einige wenige würden früh genug Warnungen aussprechen, der Großteil jedoch zu spät. „Entweder sieht man das Gewitter schon längst selbst oder man hat schon den Keller unter Wasser stehen. Es gibt meistens Warnungen, da ist die Ausgabezeit gleich dem Warnbeginn - es gibt praktisch keine Vorwarnzeit.“

Was, wenn zu oft gewarnt wird?

Kritik, die DWD-Mann Friedrich nicht verstehen kann. „Es gibt klare Kriterien für Unwetterwarnungen, diese gelten ab gewissen Niederschlagsmengen oder bei bestimmten Windgeschwindigkeiten.“ Natürlich könne man bei einer entsprechenden Wetterlage im Voraus beispielsweise für eine gesamte Region wie das Rhein-Main-Gebiet eine Warnung aussprechen. Doch alle vorgewarnten Städte und Gemeinden würden dann wohl nicht vom Unwetter betroffen sein. Dazu lösen bei offiziellen Unwetterwarnungen des DWD auch Warn-Apps Benachrichtigungen an die Nutzer aus. Auch Feuerwehren und Katastrophenschützer werden informiert. Zu früh und vor allem falsch zu warnen bringt laut Friedrich daher auch nichts. Und dann sei da noch ein anderes Problem: Was, wenn zu oft gewarnt wird und am Ende bleiben Gewitter oder Unwetter aus? Das könne laut Friedrich dazu führen, dass Teile der Bevölkerung die Warnungen nicht mehr ernst nehmen.

Was Dominik Jung ebenfalls kritisch sieht: Die Gültigkeit der Gewitterwarnungen des DWD. Diese lägen meist bei circa 30 bis 40 Minuten, „dabei ist für gute Meteorologen schon absehbar, dass es länger dauert“, sagt Jung. Stattdessen würden die Warnungen dann im 30-Minuten-Takt verlängert, was der Meteorologe als „Salami-Taktik“ bezeichnet.

Auch in diesem Punkt entgegnet Friedrich, dass der DWD auf Nummer sicher gehe. Klar sei aber auch: „Wir wollen keine falschen Vorwarnungen aussprechen, gleichzeitig ist es aber auch wichtig, dass wir ein Unwetter nicht verpassen.“

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