Verheerender Sturm in Mainz und Rheinhessen: DWD bestätigt Tornado

Auf zwölf Kilometern war das Unwetter besonders heftig.

Verheerender Sturm in Mainz und Rheinhessen: DWD bestätigt Tornado

Seit am Freitag (28. April) heftige Unwetter über Mainz und Rheinhessen fegten, diskutieren Meteorologen, ob es sich um einen Tornado gehandelt haben könnte. Vor allem in Mainz-Ebersheim, Zornheim und Klein-Winternheim sowie in Schwabsburg bei Nierstein hatte das Unwetter für Schäden gesorgt.

Anwohner selbst hatten von einer „Windhose“ berichtet. Einige Meteorologen wie der Wiesbadener Dominik Jung etwa waren verwundert darüber, dass der Deutsche Wetterdienst (DWD) nicht schon früher und intensiver vor dem schweren Unwetter gewarnt hatte. Zwar sei eine typische Standard-Gewitterwarnung (Stufe orange) ausgegeben worden, doch die Hochstufung auf Stufe 3 (Stufe rot: Unwetter) oder gar Stufe 4 (Stufe lila: extremes Unwetter) sei offenbar ausgeblieben. „Erst die Warnstufen 3 und 4 setzen bei den Behörden entsprechende Mechanismen in Gang“, so Jung (wir berichteten).

Zahlreiche Schäden in den betroffenen Orten

Nun hat der DWD alle verfügbaren Daten und Videos ausgewertet und bestätigt offiziell, dass es sich um einen Tornado handelte. Das teilt Franz Molé, der Leiter Vorhersage- und Beratungszentrale, am Freitagmorgen gegenüber Merkurist mit. Wie auf einer Karte zu sehen ist, war der betroffene Bereich, in dem das Unwetter wütete, rund zwölf Kilometer lang und 140 Meter breit. Betroffen waren die Orte Klein-Winternheim, Ebersheim, Mommenheim und Schwabsburg. Auf der Karte ist auch aufgeführt, welche Schäden der Sturm angerichtet hat. Verletzt wurde aber niemand.

Molé erklärt auch, warum es nun keine Warnung der Stufe rot oder gar lila gegeben hatte. „Das Gewitter verursachte kleinräumig unwetterartige Auswirkungen.“ Die betroffenen Bereiche seien „sehr kurzlebig und sprunghaft“ gewesen. „In diesem Fall wurde auch auf eine Aufstockung der amtlichen Warnung abgesehen, da sich das Gewitter vor Eintreffen auf Rheinhessen vorübergehend abgeschwächt hatte“, so Molé. Eine Unwetterwarnung oder gar Warnung vor extremem Unwetter seien zudem bei Tornados wegen ihrer „äußerst kleinräumigen Spur und der extrem seltenen Ereignisse kaum möglich“.

Kleinere Tornados im Radar kaum erkennbar

So könne zwar eine rotierende Gewitterzelle, die einen Tornado verursacht, vom Niederschlagsradar erfasst werden. Kleinere Tornados zu erkennen, sei jedoch kaum möglich. „In 90 Prozent dieser sogenannten Superzellen treten bodennah aber keine Tornados auf“, so Molé. Im Vergleich zu dem Bereich, der von dem Gewitter betroffen gewesen sei, sei der Tornado viel kleinräumiger. „Mit Warnungen der Stufe 3 oder 4 in der Spur der Gewitterzelle hätte man überwiegend falsch warnt.“ Jedoch sei im Begleittext der Warnung (Ocker für Warnstufe 2 beziehungsweise „markant“) entwurzelte Bäume und abgelöste Dachziegel aufgeführt worden. Gewarnt wurde hier vor Sturmböen um 65 km/h sowie Starkregen um 15 l/m² pro Stunde und kleinkörnigem Hagel.

So seien am Freitag nur in Ober-Olm eine Böe der Stärke 7 und in Dienheim eine stürmische Böe (Stärke 8) gemessen worden. Im Gewittermonitor der WarnWetter-App des DWD waren zeitweise automatische Unwetter-Warnungen für den Bereich vorhanden, allerdings erst, als das Unwetter bereits durch die betroffenen Orte gefegt war, also gegen 18:45 Uhr.

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